Urbilder, die wir in uns tragen

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Arbeiten von Abi Shek sind von Sonntag an in der Städtischen Galerie im Donzdorfer Schloss zu sehen.  Foto: 

Der israelische Bildhauer Abi Shek stellt vom 17. September bis 27. Oktober unter dem Titel „Bestiarium“ in der Städtischen Galerie im Roten Saal des Donzdorfer Schlosses aus. Vernissage ist am Sonntag ab 11 Uhr.

Abi Shek wollte Kunst studieren – diesen Entschluss fasste er bereits in Israel. Dabei hatte es ihm der Holzschnitt besonders angetan. Im Werk des 1933 aus Deutschland nach Israel immigrierten Künstlers Rudi Lehmann, dem Lehrer seines Vaters Moshe Shek, war Abi Shek dem ursprünglichen Reiz dieser Technik begegnet, wie sie durch Paul Gauguin, Edvard Munch oder die expressionistischen deutschen Brücke-Künstler für das 20. Jahrhundert neu entdeckt wurde. Es war gerade die Holzschnitt-Tradition, die Abi Shek nach Deutschland zog, in jenes Land, in dem vor über 500 Jahren durch Meister wie Albrecht Dürer die bedeutendste Holzschnitt-Tradition Europas entstand.

Abi Shek spielt auf sehr persönliche Weise mit unterschiedlichen Traditionen. Mit der Ausdruckskraft des Holzschnitts der jungen Avantgarde vor 100 Jahren verbindet er das eigene Erleben der Rinderherden in seiner Heimat Israel, aber auch die Kulturen des Nahen Ostens wie Ägypten mit seinen hieroglyphischen Zeichen – all dies mischt sich mit der Begeisterung für die reduzierte Zeichenhaftigkeit etwa der Eiszeit-Malerei, künstlerischen Äußerungen von Menschen, die vor zigtausenden von Jahren etwas formuliert haben und uns durch ihre Malerei bis heute begegnen – Urbilder, die wir in uns tragen, wie Abi Shek sagt.

Er erzählt in seinen Bildern Geschichten, die genauso wenig wie die Fabeln des Aesop nur von der Welt der Tiere handeln. Die Bilder sind in ihrer zeichenhaften Verdichtung Ausdruck menschlichen Geistes – gerade durch die Reduktion auf das Schattenbild, die das Naturbild zum Zeichen macht.

Abi Shek studierte von 1990 bis 1998 Bildhauerei an der Kunstakademie Stuttgart bei Prof. Micha Ullman. Er erhielt 1991 ein Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg, erhielt 1993 den Akademiepreis „Ateliergemeinschaft Feuerbach“ und 2016 die Atelierförderung der Stadt Stuttgart.

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