Unfassbare Skulpturen

"Digital sculpture" heißt eine Ausstellung digitaler Skulpturen des Bildhauers Tobias Eder in der Galerie der Stadt Donzdorf. Eine, die man nicht begreifen und an der man sich eigentlich nicht reiben kann.

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Unfassbar! Keine Ecken, nicht einmal Kanten, an denen man sich reiben könnte. Körperlich, wohlgemeint. Die Oberflächen sind zu glatt, hochglanzpoliert und undurchdringbar, wie mit Edellack versiegelt. Man sieht auch keine Chance, sie zu begreifen. Körperlich, wohlgemeint. Die Skulpturen des Tobias Eder, der eigentlich Bildhauer ist, sind makellos und - bis auf eine Ausnahme - zweidimensional und digital. Es gibt sie auf Folie gedruckt oder auf Aludibond und auf MDF-Platte aufgezogen, aber sie nicht echt. Entstanden am Computer, aber so real, dass man sich geistig doch daran reiben vermag.

Tobias Eders Ausstellung "Digital sculpture" ist derzeit in der Galerie im Rathaus und Schloss der Stadt Donzdorf zu sehen. Eder zeigt ganze Reihen von Werkgruppen, die "Grün oder Braun", "Trinity" oder "Vasen" heißen. Trinity erinnert an Gedärme, an ein Gewirr aus Schläuchen und Schlingen, Eders Vasen lassen erstmals Bedenken an vermuteter Eindeutigkeit aufkommen. Sind sie nur Wohnungszierde oder Urnen - oder womöglich doch gut getarnte Fliegerbomben? Eders digitale Skulpturen verunsichern, lassen beim Ausstellungsbesucher immer mehr Zweifel an den Unterscheidungsmerkmalen zwischen Wirklichkeit und dem, was sie sein könnte, aufkommen. Bis man erkennt, Eder macht auf seine Weise imaginär die Doppeldeutigkeit von Wirklichkeit sicht- und spürbar. Mental wohlgemerkt. Tobias Eder, Jahrgang 1966, ist Mitglied der vom Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch initiierten Kommission für Kunst und Kultur in dessen Diözese. Die versteht sich als Vermittlerin zwischen Kirche, Kunstschaffenden und Kunstpädagogen.

Dies zu wissen mag für einen Besucher der Donzdorfer Ausstellung durchaus hilfreich sein. Ansonsten lassen sich hinter den Figuren der Ederschen Skulpturen-Bild-Reihe "Braun oder Grün" durchaus provokante Ansätze erkennen. Es geht um Ostern. Archetypisch mutierte, gestaltete Figuren, mutmaßlich Kreuzungen aus dem Gekreuzigten und grünen Ampelmännchen, stehen, schweben, hängen mit und ohne Kreuz im Raum. Einer dieser leblosen Körper ist an einer Steckdose angeschlossen. Unheil wird heilvollem Elektroschock ausgesetzt. Wieder so ein Stück doppeldeutiger Wirklichkeit.

Ganz am Ende ein goldener Reiter auf einem Podest. Polierter Bronzeguss, geformte Urzeitmalerei und zugleich hochmoderner Bamberger Reiter? In jedem Fall aber dreidimensional und endlich auch fassbar. Körperlich, wohlgemerkt.

Info Ausstellung im Schloss und

Rathaus Donzdorf. Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 8-18 Uhr (bis 18. März)

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