Umweg bringt Radler auf 180

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Ein Radschnellweg wie das Bild ihn in Essen zeigt, soll in einigen Jahren von Plochingen nach Stuttgart führen. Noch kann aber von freier Fahrt keine Rede sein, denn ein Stück des Neckarradwegs ist in Esslingen seit August gesperrt.  Foto: 

Martin Laichinger fühlt sich ausgebremst. „Letzte Woche sperrte die Stadt Esslingen, ohne groß zu informieren und ohne richterlichen Zwang, einfach und für immer den Neckarradweg für Radler“, schreibt er der Redaktion. Seit ihm Absperrungen die Bahn versperren und Schilder die Weiterfahrt verbieten, müsse er einen Umweg durch die Fußgängerzone fahren – und der kann gehörig Zeit kosten: Der Pendler kommt zwischen dem Bahnhof und einem Einkaufszentrum an sechs Ampeln vorbei.

Diese Verzögerung nervt Martin Laichinger, denn bislang kam er zügig auf dem Radweg neben dem Neckar voran. Die rund 35 Kilometer lange Strecke nach Stuttgart fährt der 54 Jahre alte Mann aus Ebersbach nach eigenen Angaben seit 20 Jahren jeden Tag zur Arbeit.

Der Pressesprecher der Stadt Esslingen versteht, weshalb sich der Pendler ärgert. „Wir können das absolut nachvollziehen“, sagt Roland Karpentier. Doch die Stadt sei aus Gründen der Sicherheit nicht darum herumgekommen, einen rund 400 Meter langen Abschnitt des Neckarradwegs auf Höhe des Bahnhofs zu sperren. „Es gab permanente Probleme im Begegnungsverkehr“, erklärt der Sprecher. Der Radweg sei auf dem Abschnitt bisweilen nur 1,50 Meter breit. Durch diese Enge seien sich Radler und Fußgänger immer wieder gefährlich nahe gekommen.

Ein Verbreiterung des Stücks scheidet für die Stadt aus. „Es gibt keine Spielräume dort“, sagt Karpentier. Auf der einen Seite grenze der Weg an die Uferböschung des Neckars und auf der anderen Seite an eine Mauer aus Beton. Diese einzureißen und dadurch mehr Platz zu schaffen sei zu aufwendig und teuer. Das Geld für eine solche Verbreiterung müsste Esslingen aufbringen, denn sie sei für den Radweg zuständig.

Der Pressesprecher widerspricht damit dem Vorwurf von Martin Laichinger, der den Neckar­radweg nicht im Besitz der Stadt wähnt. „Bundesradwege entlang von Schifffahrtsrouten wie von Plochingen nach Stuttgart sind Bundessache, diese gehören nicht auf die angrenzenden Städte und Gemeinden abgedrückt“, findet der Ebersbacher. Doch genau das beobachte er: „Der Bund hat sich komplett abgeseilt von der Instandhaltung der Radwege“, schimpft Laichinger. Dieser Rückzug beim Ausbessern und bei der Pflege sei sowohl entlang des Neckars als auch an Routen im Schurwald abzulesen.

Vorwürfe wie diesen versuchen die Zuständigen im Rathaus von Esslingen zu vermeiden. „Wir sind auf der Suche nach tragbaren Alternativen“, sagt Roland Karpentier. Die Stadt stünde im Gespräch mit der Bahn, wie ein alter Bahndamm zu einem Radschnellweg von Plochingen nach Stuttgart ertüchtigt werden kann. „Wir verfolgen mit Hochdruck die Idee“, verspricht Karpentier. Vorerst aber müssten sich Fahrradfahrer mit dem Umweg beim Bahnhof abfinden.

Diese Worte dürften Pendlern wie Martin Laichinger nicht gefallen. „Mit einem guten Rad und etwas Fitness konnte man die Strecke von Ebersbach zum Neckar­tor in einer Stunde zurücklegen“, schreibt er. Diese Zeit dürfte durch die Umleitung in Esslingen nur noch schwer zu schaffen sein. Der Umweg durch die Fußgängerzone in Esslingen bleibt für den Mann aus Ebersbach somit vorerst ein Grund, sich ausgebremst zu fühlen.

Beliebtheit Dem
Pendler Martin Laichinger aus Ebersbach zufolge fahren immer mehr Menschen wie er mit dem Rad Richtung Stuttgart zur Arbeit. „Immer neue Gesichter sieht man, und die Radzählstelle in Cannstatt steht bereits auf über 4500 Radlern täglich“, stellt er fest.

Alternativen Die Fahrt mit dem Zug von Ebersbach an den Arbeitsplatz nach Stuttgart ist für den Radfahrer wegen der vielen Verspätungen keine Alternative.

Handlungsbedarf
Angesichts einer regelmäßig hohen Feinstaubbelastung in der Landeshaupt versteht Fahrradpendler Martin Laichinger nicht, wieso Leuten wie ihm durch Umleitungen wie der in Esslingen Hindernisse in den Weg gelegt werden.

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