Umstrittener Baubeginn für Altenpflegeeinrichtung

Der Bau der seit Jahren geplanten Altenpflegeeinrichtung hat in Gingen begonnen. Bauherr ist die Samariterstiftung. Anwohner kritisieren den Bau.

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Etwa 80 Menschen, darunter auch Kritiker des Vorhabens, waren zum Spatenstich für das neue Pflegeheim in Gingen gekommen.  Foto: 

Mit den Worten „Wenn der Spaten sticht, beginnt etwas zu entstehen“ hat Frank Wößner, Pfarrer und Vorstandsvorsitzender der Samariterstiftung, rund 80 Besucher vor einem „Grundstück mit viel Nichts“, zwischen Johanneskirche, Pfarr- und Grabenstraße und Kirchgasse in Gingen begrüßt. Mit dem Spatenstich bei frostiger Temperatur und zum Teil frostiger Stimmung bei einigen Anliegern, war Baubeginn für eine Altenpflegeeinrichtung in der Ortsmitte von Gingen, in der später einmal in vier Wohngemeinschaften 40 Bürger betreut werden.

Nach einer geplanten Bauzeit von rund 18 Monaten soll im August 2019 Leben in das zweiflüglige Flachdachgebäude einkehren. Für die Samariterstiftung beginnt mit der neuen Altenpflegeeinrichtung in Gingen – nach denen in Geislingen (zwei Häuser) und Wiesensteig (wir berichteten) – ein viertes Kapitel im Landkreis Göppingen. Mit der veranschlagten Bausumme von etwa fünf Millionen Euro, wird nach Aussage von Wößner, nicht in die Mauern des Gebäudes investiert, sondern für ein Engagement in die Zukunft.

Weitere Parkplätze geplant

Für Gingens Bürgermeister Marius Hick geht mit der Altenpflegeeinrichtung, die von seinem Vorgänger Lothar Schober bereits auf den Weg gebracht wurde, eine Herzensangelegenheit in Erfüllung. Er sei stolz darauf, dass mit dem Bau älter werdende Bürger in der Dorfgemeinschaft verbleiben könnten.

In Bezug auf einen von 47 Bürgern unterschriebenen Brief an Landrat Edgar Wolf gegen die geplante Baumaßnahme, betonte der Bürgermeister in seinen Grußworten zum Spatenstich, dass es ein langer Planungsprozess immer mit Einbeziehung der gesamten Gemeinde war. Marius Hick versicherte, dass sich die Gemeinde mit der nun „aufkochenden“ Parkplatzsituation intensiv auseinandergesetzt habe. Hick sprach davon, dass die Vorabplanung sechs Parkplätze ausgewiesen habe und diese realisiert werden und dass in einer weiteren Planung weitere Parkflächen geschaffen werden sollen. Der Bürgermeister lud die Kritiker zum gemeinsamen Dialog ein.

Architekt Eckhard Ernst stellte das Projekt in einigen Details und die bauausführende Firma Rommel aus Stuttgart vor, und Kirsten Rothfuß von der evangelischen Kirchengemeinde stellte nochmals klar, dass es sich mit der Altenpflegeeinrichtung um eine Pflegegemeinschaft der zukünftigen Generation handelt.

Bevor sich zehn Spaten zum Stich in den leicht angefrorenen Gingener Boden gruben, segnete Pfarrer Shaji Joseph von der katholischen Kirchengemeinde mit seinen christlichen Worten den Baubeginn. Umrahmt wurde der Spatenstich von einem Saxofon-Trio des Musikvereins Gingen.

In einem offenen Brief aus drei Seiten haben sich 47 Bürger wegen der geplanten Baumaßnahme an Landrat Edgar Wolff gewandt. Den Unterzeichnern geht es dabei nicht um die Verhinderung einer Pflegeeinrichtung. Vielmehr darum, dass die Bedenken der Bürger nur gehört, aber nicht berücksichtigt werden. Angeprangert wird zum Beispiel, dass Anwohner durch die Platzierung des Neubaus ihren einmaligen Blick auf die historische Kirche verlieren würden. Ein Hauptaugenmerk wird aber darauf gerichtet, dass die Parkplatzplanung (drei  plus fünf) für eine Pflegeeinrichtung mit 40 Plätzen nicht ausreichend sein kann. Die Unterzeichner werfen dem Bürgermeisteramt und Marius Hick vor, dass vonseiten der Gemeindeverwaltung kein Konzept erstellt wurde, welches der befürchteten Verkehrsbelastung entgegenwirke. In dem Schreiben wird ein Umgang gewünscht, bei dem man sich gehört und ernstgenommen fühlt.

Gelassen steht Bürgermeister Marius Hick dem Schreiben gegenüber. Er sei aber überrascht, da der Verfasser im Vorfeld nie persönlich mit der Verwaltung Kontakt aufgenommen habe. Hick hat zwischenzeitlich auch mit Unterzeichnern gesprochen, die ihm gegenüber bestätigten, dass sie über den genauen Wortlaut des Schreibens nie informiert waren. Hick weist deutlich die ihm vorgeworfene „Basta-Politik“ zurück: „Wir haben immer Gespräche geführt und Bürger angehört.“

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Kommentare

06.12.2017 13:56 Uhr

Kommentar eines betroffenen Anwohners

Das Thema Pflegeheim in Gingen beschäftigt die Anwohner schon seit langem. Sicherlich ist der Bedarf für ein Pflegeheim vorhanden – eine Tatsache die niemand in Frage stellt. Fragwürdig ist nur das Verhalten der Gemeinde. Zwar wurde seitens der Gemeinde regelmäßig über das Vorhaben informiert, was von den Betroffenen durchaus positiv gewertet wird. Allerdings gab es im Anschluss an jede Veranstaltung Diskussionen und Wortmeldungen, die die mangelhafte Planung bzgl. Parkmöglichkeiten, Verkehrsanbindung und Ortsbild betrafen. Dass Bürgermeister Hick nun behauptet niemand hätte den Dialog gesucht ist etwas verwunderlich. Der Dialog fand durchaus statt, wurde nur leider ignoriert. Die Anwohner fühlen sich von Bürgermeister und Gemeinderat im Stich gelassen. Es wird den Anwohnern aus div. Gründen in diesem Gebiet von Gingen sowieso schon viel zugemutet – diese Thematik erweckt nur einmal mehr den Eindruck einer "Basta-Politik". Dass Bürgermeister Hick den offenen Brief gelassen sieht war zu erwarten. Die Ignoranz scheint sich leider wie gewohnt fortzusetzen.

Als betroffener Anwohner habe ich persönlich auch unterschrieben. Ich habe dabei unaufgefordert eine Kopie des Schreibens erhalten und mir war der Inhalt dadurch bekannt.

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