Baugebiet: Landwirt setzt sich für Ackerland ein

Der Obmann der Uhinger Landwirte, Wolfgang Daiber, setzt sich für den Erhalt des Ackerlands am umstrittenenen Baugebiet Weilenberger Hof ein.

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Acker mit Wildkräutern: Wolfgang Daiber am Baugebiet Weilenberger Hof.  Foto: 

Der Charlottensee, die Naherholung, wertvolle Ackerfläche, Schutz von Tierarten: das bringt die Bürgerinitiative gegen die Erweiterung des Baugebiets Weilenberger Hof in Uhingen in Anschlag. Wertvolle Ackerfläche: das steht für Wolfgang Daiber, Ortsobmann der Uhinger Landwirte, im Vordergrund. Er hat sich der Bürgeriniative beratend angeschlossen, weil ihm das Herz blutet. Acht Hektar für das Baugebiet gingen der Landwirtschaft verloren, dazu noch vier für den Naturausgleich. Und anderswo gehe es weiter. 16 Hektar für das geplanten Gewerbegebiet von Uhingen und Ebersbach, zweieinhalb Hektar für ein  Baugebiet in Holzhausen und nochmal fünf für eine große Sportstättenerweiterung auf dem Haldenberg.

Daiber ärgert sich: Es sei falsch, dass von einem Maisacker geredet werde, der da am Weilenberger Hof überbaut werden solle. Und von intensiver Landwirtschaft. Der Ortsobmann zeigt, wie es aussieht. Er steht auf diesem Ackerland, auf der sanften Kuppe zwischen Filstalhang und Dobelbach, mit Blick auf das jetzige Baugebeit Weilenberger Hof.  Er steht in einem Feld Wintergerste, zwischen den Halmen sprießt es bunt. Der gelbe Ackersenf, die kleine rosarote Schafgarbe, der Ackerhohlzahn fühlen sich hier wohl. Das ganze Feld ist durchsetzt von Ackerwildkräutern. Weil der betreffende Pächter ökologische Landwirtschaft betreibe. Mit ganz wenig Düngen. Schon seit zehn Jahren.  Daiber zeigt auf ein Feld von Ackerklee. Rot- und Weißklee blühen zwischen sattem Grün. „Da wird gar nicht gedüngt.“

Der Mais wächst woanders

 Mais gibt es auch. Aber der steht woanders. Am Weg zum Charlottensee, der von der Straße nach Sparwiesen abzweigt, hat man ihn vor Augen. Ein keilförmiges Maisfeld zieht sich in Richtung Dobelbach und altem Baugebiet. Es geht dann in Klee über. „Die Leute meinen, hier würde gebaut“, sagt Daiber. Und auch dieser Mais sei kein intensiver Anbau.

Daiber will auch klarstellen: Das seien gute Böden, auf den ganzen 15 Hektar, die zwischen der Straße nach Sparwiesen und dem Grüß-Gott-Wegle zum Schloss Filseck liegen. Das war früher eine durchgängige Fläche. Dann hat man den Dobelbach, der vom Charlottensee kommt, aus seiner Dole herausgeholt. Er teilt das Gelände zwischen  dem jetzigen Weilenberger Hof und dem geplanten Baugebiet.

Daiber plädiert dafür, das Ackerland zu erhalten. Nicht für immer, sondern für die nächste Generation. Der jetzige Pächter gehe auf den Ruhestand zu. Die Fläche wäre ein geeigneter Ersatz für das, was im Filstal beim Gewerbegebiet verloren gehe. Daiber räumt ein: Dann bliebe es wohl nicht bei den Wildkräutern. Ein neuer Pächter würde es wahrscheinlich konventionell nutzen. Wertvoll bliebe es. Für diese Fläche gebe es keinen Ersatz, sagt der Obmann. Die Stadt hätte vom alten Filseck-Gut noch Ackerland erwerben können, aber dies gegen seinen Rat nicht getan.

Daiber schlägt der Stadt etwas vor, was nur gut die Hälfte der 4,7 Hektar Bauland bringen würde, das Bauland Weilenberger Hof aber für die Zukunft erhalten würde. Sie solle die Fläche auf der schon bebauten Seite nutzen, zwischen Straße und Bach, wo der Mais wächst. Sie solle das Stück im Anschluss an den Weilenberger Hof II dazunehmen, das jetzt Pferdeweide ist und als Naturausgleich für dieses Baugebiet dient. Dort gebe es auch die Möglichkeit einer zweiten Zufahrt ins Baugebiet, die für den geplanten Bauabschnitt nicht gelöst sei. Freilich müsse man dann einen Korridor zum Gestüt am Charlottenhof freihalten. Und es könne sein, dass die Häuser noch etwas näher an den Charlottensee heranrückten. Daiber nennt es verkraftbar, diese Fläche zu opfern.  Wegen der Nähe zur Siedlung. Wenn man dort dünge oder bei Wind dresche, gebe das schnell Konflikte. „Das sind unsere Probleme.“

Info Die Stadt Uhingen lädt die Einwohner am kommenden Montag zu einer Infoveranstaltung zum Baugebiet am Montag um 18 Uhr im Uditorium ein.

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Kommentare

16.06.2017 19:13 Uhr

Geht mir nicht in den Kopf

Schon jetzt kann sich Deutschland nicht mehr selbst ernähren.
Mit jedem Hektar, das wir der Industrie, Straßen- oder Wohnungsbau opfern, steigt die Abhängigkeit von importierten Lebensmitteln. Eine rechnerische Nahrungsmittelautarkie müsste meiner Meinung nach ein Staatsziel sein. Dann wäre Schluss mit dem gigantischen Landschaftsverbrauch á la Wittlinger.

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