Trauer: Quälende Fragen nach dem Warum

So verschieden wie das Leben ist der Umgang mit der Trauer: Eine Trauerrednerin, ein evangelischer und ein katholischer Pfarrer sprechen über ihre Erfahrungen mit Trauernden und erläutern ihre Ansichten.

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Bei einem Trauerfall in der Familie oder im Freundeskreis rückt die persönliche Bewältigung von Trauer in den Vordergrund.  Foto: 

Der November gehört zu der Jahreszeit, in der sich Menschen an Tagen wie dem Volkstrauertag, an Allerseelen oder am Totensonntag mit der Erinnerung an Verstorbene, mit dem Tod - und bei kollektiven und einzelnen Verbrechen - mit den Ursachen von vermeidbarem Tod beschäftigen. Bei einem Trauerfall in der Familie oder im Freundeskreis rückt jedoch die persönliche Bewältigung von Trauer in den Vordergrund. Fragen nach dem Tod, nach dem Warum, Fragen nach dem Leben und nach dem Wozu werden gestellt.

Für Andreas Weidle, evangelischer Pfarrer der Göppinger Stadtkirchengemeinde-Oberhofen, ist Trauer "ein Stück Spiegel vom Leben und so verschieden wie das Leben selbst". Sie sei und bleibe etwas Unfassbares und eine Übung im Lassen, deren Erfahrung weh tue. Menschen reagierten ganz unterschiedlich auf den Tod. Für manche bedeute es Rückzug und unendliches Leid und andere müssten sich ablenken, damit das Leben weitergehen könne. Immer aber sei Trauer eine Arbeit und anstrengend. Seine Arbeit als Pfarrer sieht Weidle darin, Begleiter in einer schwierigen Situation zu sein und die Angehörigen bei den Gesprächen vorsichtig ins Erinnern und Nachdenken zu bringen. "Einen Zusammenhang herzustellen zu einer Kraft, die größer ist als unsere eigene", das ist Weidles theologische Aussage dazu, denn jeder Mensch habe "eine Biographie mit Gott".

Für seinen katholischen Amtsbruder Markus Rometsch von der Göppinger Seelsorgeeinheit St. Maria und Christkönig ist die Erfahrung mit Trauernden ebenfalls sehr vielfältig. Auch als Priester könne er "mit Trauer nicht nur theologisch umgehen", denn sie sei menschliches Leid. Seine Aufgabe als Pfarrer beschreibt er mit einem Paulus-Wort, das er zitiert: "Wir trauern nicht wie die anderen, die keine Hoffnung haben." Er wolle das Leid annehmen, jedoch von der Hoffnung reden, dass der Verstorbene bei Gott sei. "Ich spreche deutlich von der christlichen Hoffnung", sagt Rometsch.

Jutta Bender macht "Trauerbegleitung im menschlichen und therapeutischen Sinne", hält Trauerreden bei freien, nicht konfessionell oder religiös gebundenen Trauerfeiern, die zugenommen hätten, und sie hat ein neues Buch darüber geschrieben. Man kann sie für eine Trauerrede und eine anschließende Trauerbegleitung buchen. Die Göppingerin sagt, dass echte Trauernde höchst verletzbar seien. Auch sie bestätigt die Einschätzung der beiden Pfarrer, dass Trauer höchst unterschiedlich sei. Für sie selbst bedeutet Trauer "einen ungewollten Spurwechsel im Leben, weil danach alles anders ist." Trauernde seien zu 95 Prozent rückwärts gewandt und deren Begleitung bedeute, den Trauernden vorwärts schauen zu lassen. Es sei für sie kein "Job", sondern eine erfüllende Aufgabe, "sich um die Seele und das Gemüt zu sorgen". In ihrem Buch beschreibt sie Beispiele aus ihrer Praxis.

Info: Jutta Bender: Trauerfeier - Ansprache und Gestaltung - Trauerkultur - einfühlsam und professionell. Dortmund-Verlag. August 2015.

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