Tierkauf mit Symbolwirkung: Zwei Frauen bewahren Ziegen vor dem Schlachten

Zwei Veganerinnen aus dem Kreis Göppingen haben drei Ziegenkinder vor dem Schlachter gerettet und ihnen das Leben geschenkt.

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Um sie vor dem Schlachten zu bewahren, haben Jutta Lohrmann und Julia Rieke die jungen Ziegen Paul, Veggie und Leni gekauft.  Foto: 

Veganer, wie Jutta Lohrmann aus Faurndau und Julia Rieke aus Uhingen, empfehlen eine Ernährung ohne Tierprodukte auch als Beitrag zu einer gesünderen Lebensweise. Wenn Fleisch zum anonymen Konsumartikel verkomme, bleibe das Bewusstsein des Verbrauchers für die Tiere schnell auf der Strecke. Billige Massenherstellung von tierischen Produkten gehe meist auf Kosten der damit verbundenen Lebewesen. Um der Öffentlichkeit diese Hintergründe wieder ins Bewusstsein zu bringen, haben Jutta Lohrmann und Julia Rieke einem oberschwäbischen Bio-Bauern drei Ziegenkitze für insgesamt 240 Euro abgekauft.

„Sie sind ein Symbol“, sagt Julia Rieke, „denn sie sind ein Abfallprodukt der Ziegenmilchindustrie. Sie hatten nicht in den Produktionsablauf gepasst“. Daher wären sie geschlachtet worden – kurz nachdem sie zur Welt gekommen sind.

Die Verhältnisse bei Bio-Bauern, gegenüber konventionellen Fleisch- und Milcherzeugern, seien hinsichtlich der Tierrechte zwar etwas besser, aber auch hier würden die Jungtiere als Nebenprodukte der frühen Schlachtung, zum Teil nach vorheriger Mast, in konventionellen Schlachthöfen zugeführt, erklären die beiden Tierrechtlerinnen. „Die Missstände, die auch hier immer wieder auftreten, sind grauenvoll“, klagen sie.

Untergekommen sind die Kitze Paul, Veggie und Leni nun in der Tierauffangstation Moppel Hoppel in Albershausen. Dort dürfen die kleinen Ziegen nun herumtollen und artgerecht heranwachsen, vor allem aber eines: leben. „Es sind Kinder, sie sind voller Energie und Lebensfreude, aber sie wären jetzt bereits tot“, sagt Julia Rieke.

Stattdessen könne nun die Entwicklung dieser als sehr intelligent geltenden Tiere verfolgt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Versorgung der Ziegen wird bislang von ihren Lebensretterinnen und zum Teil von weiteren Mitgliedern der Göppinger Regionalgruppe des Vegetarierbundes (Vebu) finanziert. Nun werden weitere Paten für die Ziegen gesucht. Um die Verpflegung sowie Tierarztkosten lebenslang zu übernehmen.

„Es wäre schön, wenn sich so viele Unterstützer melden würden, dass noch weitere Tiere gerettet und aufgenommen werden könnten“, sagt Jutta Lohrmann. Die beiden Tierrechtsaktivistinnen sind Teil eines engen Netzwerkes, in dem man sich gegenseitig unterstütze. Spenden für die Ziegen werden von der Vebu-Regionalgruppe gesammelt, die seit vier Jahren besteht und in der Jutta Lohrmann und Julia Rieke aktiv sind.

Die beiden Frauen wollen nicht nur dazu anregen, den Fleischkonsum zu überdenken. Gerade auch Milch und Milchprodukte verursachten bei Tieren großes Leid und seien keine für den Menschen gedachte Ernährung und daher auch oftmals schwer verträglich, sagen sie. Während immer mehr Menschen um die Ergebnisse der Bindungsforschung wüssten und die frühe Trennung der Kinder von der Mutter als schädlich erkennen, werden Tiere in dieser Hinsicht rigoros behandelt. Muttertiere seien Milchproduktionsmaschinen, Kälber und Kitze Nebenprodukte, die den Muttertieren sofort oder nach wenigen Tagen entzogen würden. „Daher schreien Kühe auch oft und es kommt zu Unfällen, da sich die Tiere wehren“, erklärt Jutta Lohrmann.

Da Ziegenmilch immer beliebter werde, sollte der Fokus sowohl auf Rinder als auch Ziegen gerichtet werden. Einmal pro Jahr müssten die Tiere Nachwuchs haben, um den Milchfluss nicht versiegen zu lassen. Zum Abstillen gebe es Antibiotika. „Die Kühe sind ständig trächtig und so kommen auch Hormone in die Milch und die Milchprodukte“, so Lohrmann weiter. Dies sei einer der Gründe, weshalb vegane Ernährung für sie nicht nur ethischer sondern auch gesünder sei, betont Jutta Lohrmann. Sportler ihrer Gruppe berichteten, wesentlich leistungsfähiger zu sein. Jutta Lohrmann ernährt sich seit drei Jahren vegan. Zuvor war sie 20 Jahre lang Vegetarierin. Ähnlich war es bei Julia Rieke.

Info Die Göppinger Regionalgruppe des Vegetarierbundes (Vebu) trifft sich jeden zweiten Freitag im Monat in der Dürnauer Wilhelmshöhe um 19.30 Uhr. Es handelt sich um ein offenes Treffen, zu dem alle Interessenten zum Austausch über Ernährung und Tierrechte eingeladen sind. Die Motive der einzelnen Mitglieder im Vegetarierbund seien unterschiedlich. Bei manchen stünden die Tierrechte im Vordergrund, bei anderen gesundheitliche Aspekte, erzählen Lohrmann und Rieke.

Weitere Informationen – auch zu Spenden – gibt es im Internet auf: facebook.com/vebuGoeppingen und unter www.vebu.de.

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