Tiefer in die Unterwelt geht’s nirgends

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Tiefer kann man wirklich nicht sinken. Zumindest im Landkreis Göppingen. Wer in die Laierhöhle einsteigt – Höhlenforscher sagen dazu „befahren“ –, kommt weiter unter die Erdoberfläche, als jeder andere, bis auf 127  Meter geht es derzeit hinunter. Damit ist die Laierhöhle nicht nur die tiefste im Landkreis, sondern immer wieder auch die tiefste Höhle der Schwäbischen Alb, wenn nicht gerade mal wieder die Hessenhauhöhle die Nase vorn hat. So wie derzeit, die sechs Kilometer lange Höhle, die Teil des Blauhöhlensystems bei Blaubeuren ist, bringt es nach aktuellen Forschungen auf einige Meter mehr als die Laierhöhle.

 Doch auch in der Laierhöhle wird weiter geforscht. Und das seit etwas mehr als 20 Jahren. „Sie wurde im Sommer 1996 zufällig entdeckt“, berichtet Dieter Domke, der Vorsitzende des Kahlensteiner Höhlenvereins, der sich unter anderem der Erforschung der Laierhöhle verschrieben hat. Es war im Geislinger Stadtteil Weiler, unweit der Burgruine Helfenstein, wo ein Ehepaar eine Garage bauen wollte. Dabei wurde ein Schacht der Höhle angeschnitten, der just an dieser Stelle knapp unter der Erdoberfläche endete. „Wenn da etwas weiter in der ein oder anderen Richtung gebaut worden wäre, hätte man die Höhle vielleicht nie gefunden“, sagt Domke.

 Der nächste Glücksfall war, dass die Bauherren den Zugang nicht einfach mit Beton auffüllten, sondern sich aufgeschlossen zeigten für die Geheimnisse der Unterwelt. Also bauten sie einen Keller unter den Stellplatz, in dem sich ein betonierter Schacht mit einer Leiter verbirgt –  hier beginnt seitdem das Abenteuer Laierhöhle.

 Der Vereinsvorsitzende erzählt, dass das Ehepaar – das vor dem Bau der Garage mit Höhlen nichts am Hut hatte – seitdem Mitglied bei den Kahlensteinern ist und sich auch selbst schon die Laierhöhle angeschaut hat. Das ist im Prinzip auch Laien möglich, nur trittfest sollten sie sein und am besten auch klettern können. Tauchen ist in der Laierhöhle nicht nötig. „Das Problem Wasser haben wir weniger“, sagt Domke. „Dafür haben wir den Dreck.“ Und das nicht zu knapp, Lehm und Matsch kennzeichnen die Höhle, die es derzeit auf eine Gesamtlänge von 2467 erforschten Metern bringt. Damit ist sie nach dem Mordloch im Roggental bei Eybach (4382 Meter) die zweitlängste Höhle im Kreis.

 Außer Dreck hat die Laierhöhle aber noch viel mehr zu bieten: Die Abschnitte, Schächte und Hallen tragen Namen wie Pyramidenhalle, Wilder Westen, Volle Suhle, Amphitheater, Berggeist oder Nordwestpassage. Neben beeindruckenden Stalagmiten finden sich  in dem weitverzweigten Labyrinth Sinterfahnen und -brocken, eine mumifizierte Fledermaus und die kleine Naturbrücke „Törle“ – sowie der Lehmsee.

 Es gibt also viel zu entdecken für die Höhlenforscher vom Kahlensteiner-Verein. Nur mit ihnen ist übrigens das Befahren der Laierhöhle möglich. „Wir hoffen, dass wir das ein oder andere noch finden“, sagt der Vorsitzende Dieter Domke. Vor gut 20 Jahren, als die Höhle entdeckt wurde, war nicht absehbar, was sich aus dem Zufallsfund entwickeln würde. „Keiner wusste, dass das in Weiler solche Dimensionen annimmt“, meint Domke rückblickend.

Zum 20-Jährigen hätte eigentlich ein Jubiläumsbuch über die bisherigen Forschungen erscheinen sollen. „Doch damit sind wir noch nicht fertiggeworden“, meint Domke. Im Mai soll es nun soweit sein. Und dann wird noch weiter in das verzweigte System unter der Garage eingestiegen. Denn für Domke ist klar: „Da sind schon noch einige Fragezeichen.“

Rekorde: Höher, tiefer, kälter, länger, kürzer, älter: Im Landkreis gibt es viele Superlative zu entdecken. Mal sind es alltägliche Dinge, die einem nur nicht bewusst sind oder die nicht auffallen. Dann wieder sind es die kleinen, kuriosen Sachen, die den meisten Menschen gar nicht bekannt sind. In einer neuen Serie wirft die NWZ einen Blick auf diese Rekorde.

Mitmachen: Sie kennen auch Rekordverdächtiges im Landkreis Göppingen? Schreiben Sie uns! Wir gehen der Sache nach: redaktion.nwz@swp.de
Betreff: Rekorde.

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NWZ-Serie „Rekordverdächtig“

Höher, tiefer, kälter, länger, kürzer, älter: Im Landkreis gibt es viele Superlative zu entdecken. Egal ob alltägliche Dinge, die einem nur nicht auffallen, oder kuriose Sachen, die den meisten Menschen gar nicht bewusst sind. In einer Serie wirft die NWZ einen Blick auf diese Rekorde. Sie kennen auch Rekordverdächtiges im Kreis? Schreiben Sie uns: redaktion.nwz@swp.de mit dem Betreff „Rekorde“.

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