Theater im Bahnhof zeigt "Der zerbrochene Krug"

Meist gibt er sich polternd, rülpsend und grölend, der Dorfrichter Adam. Das Theater im Bahnhof (TiB) Rechberghausen bot den Besuchern mit Kleists "Der zerbrochene Krug" ein kurzweiliges Theatervergnügen.

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Das vor fast genau 207 Jahren uraufgeführte Lustspiel "Der zerbrochene Krug" ist nicht nur Kleists erfolgreichstes Bühnenwerk, sondern nach wie vor eines der meistinszenierten Schauspiele auf deutschen Bühnen. Freilich hat Heinrich von Kleist seiner zunächst langatmigen Urfassung Jahre später eine gehörige Kürzung verpasst, die - im raschen Zuge gespielt - noch mehr den feinen Hintersinn dieser mitunter derb-saftigen Komödie zum Ausdruck zu bringen vermag.

Gastregisseur Jürgen Brandtner inszenierte denn auch ganz im Kleistschen Sinne, wodurch die Rechberghäuser Aufführung - dies sei vorweggenommen - zu einem kurzweiligen Theatervergnügen geriet. Das Geschehen verlegte er jedoch von Utrecht nach Deutschland. "Die Uhren ticken überall gleich", wird im Programmheft als Grund angegeben - was aber zumindest fürs TiB infrage zu stellen ist, zeigt doch die große Uhr im Foyer nach wie vor die Winterzeit an.

Die Regie verlegte das Handlungsgeschehen zudem vom Gerichtssaal in eine Gaststube - ganz im Sinne von Dorfrichter Adam, ist dieser doch Genussmensch durch und durch. Doch bei dieser Verhandlung muss Adam unter der strengen Aufsicht von Gerichtsrat Walther über sich selbst zu Gericht sitzen, denn es sollte sich im turbulenten Spiel um Wahrheit und Lüge herausstellen, dass nicht der angeklagte Bauernsohn Ruprecht, sondern Adam selbst Martha Rulls wertvollen Krug zertrümmert hat.

Eine Komödie, die gänzlich auf die Person des Dorfrichters zugeschnitten ist. Versteht dieser nicht, das Publikum vom ersten Moment an in seinen Bann zu ziehen, wird die gesamte Aufführung in bedeutungslose Langeweile versinken. Doch das Theater im Bahnhof hat einen Eddie Gromer. Und diesem ist der Adam geradezu auf den Leib geschrieben. Gromer geht in dieser Rolle förmlich auf, er lebt mit dieser, ist in seinem Element. Er gibt sich polternd, rülpsend und grölend, kann aber auch mit Schläue und Beredsamkeit schleimen was das Zeug hält, wenn's um den eigenen Kopf geht. Da bleibt nur noch zu sagen: Das war ganz große Schauspielkunst.

Doch auch die weiteren Rollen waren mit Karin Hoyer (Marthe Rull), Gunter Hess (Gerichtsrat), Thomas Funk (Schreiber Licht), Ursula Burkhardt (Brigitte), Manuela Kinzel (Magd, Büttel), Andrea Glietsch (Eve) und Ecki Müller (Ruprecht) bestens besetzt, wobei die beiden zuletzt Genannten nicht unbedingt versuchen sollten, einen neuen Rekord im Schnellsprechen aufzustellen. Am Schluss herzlicher Applaus für eine gelungene Aufführung.

Info: Weitere Vorstellungen gibt es am 24. und 25. April sowie am 8. und 9. Mai. Beginn ist an allen genannten Tagen um 20 Uhr.

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