Tagung mit Altkanzler: Schröder soll Putins Welt erklären

Schröder kommt: Mit Spannung sieht die Evangelische Akademie Bad Boll dem Auftritt des Altkanzlers bei der Tagung zu Russland und der Ukraine entgegen. Am Freitag ist es soweit.

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Dass Altkanzler Gerhard Schröder im Anmarsch ist, wirbelt die Akademie Bad Boll ein Stück weit durcheinander, berichtet Akademiedirektor Prof. Jörg Hübner. "Die Sicherheitsvorkehrungen spielen eine große Rolle." So rückt gleich eine ganze Staffel des Bundeskriminalamts an, um sämtliche Räume auf Sprengstoff zu untersuchen. Wirbel anderer Art verursacht die Bahn: Der Bahnstreik durchkreuzt die Anfahrt so manches Referenten. "Er kommt für uns zur Unzeit", kommentiert Hübner. Auf die Schnelle müssen andere Anreise-Lösungen her. Nicht für Schröder. Der trifft mit dem Flugzeug in Stuttgart ein und wird nach Bad Boll gefahren.

Eine Stunde will er bleiben, um über Deutschland und Russland zu sprechen - vielleicht auch länger, das war gestern noch unklar. Dieser Auftakt ist mit Diskussion auf zweieinhalb Stunden angesetzt. Hübner freut sich auf den prominenten Gast, den er schon zwei, dreimal gesehen hat - damals im Zusammenhang mit einer Aktivität im Kanzleramt. "Er wird sich nicht mehr an mich erinnern", winkt der Akademiedirektor lächelnd ab.

Für Hübner ist es ein wichtiger Tag, weil es um die Perspektive Osteuropa und das gemeinsame Haus Europa gehe. Dem hat sich die Akademie Bad Boll schon lange verschrieben. Vor neun Jahren ließ sie aufhorchen mit einer Tagung "Russland und Deutschland", bei der Schröder und Eppler auch schon sprachen - außerdem Egon Bahr und andere. Dieser Perspektive wolle man in Zukunft wieder mehr Raum geben, kündigt Hübner an, Osteuropa solle einer der Schwerpunkte der Akademiearbeit werden. Es gibt sogar die Überlegung, parallel zur Münchner Sicherheitskonferenz eine eigene Konferenz zu Friedensfragen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit aufzubauen. Hübners Credo: "Osteuropa kann in der europäischen Entwicklung nicht außen vor bleiben." Und schon im Herbst soll eine Tagung zur orthodoxen Kirche in Russland folgen.

Grundlegend wichtig findet auch Dr. Wolfgang Rapp aus Göppingen die Tagung in Bad Boll. Er ist eingebunden als Vorsitzender des Freundeskreises Erhard Eppler, der zu der Tagung mit eingeladen hat. Es war auch Eppler, der Schröder jetzt auf Bad Boll eingestimmt hat. Was Rapp begrüßt: "Ich finde das gut, weil Schröder zu Putin ein ganz besonderes Verhältnis hat." Der könne bei der Tagung einiges zu der Frage beitragen, wie Putin die Welt sieht. "Ich denke, das sollten wir berücksichtigen, trotz aller Erfahrungen, was auf der Krim und in der Ostukraine geschehen ist." Rapp wünscht sich wie die Akademie, dass das gute Verhältnis von Deutschland zu Russland und Osteuropa keinen Schaden nehme.

Diese Sicht vermutet Rapp auch bei Günther Beckstein, ebenfalls ein prominenter Referent der Tagung. Rapp kennt ihn aus gemeinsamen Zeiten beim CVJM, sie lernten sich auf Tagungen kennen, und später hat Rapp als Volkshochschulleiter den "honorigen Konservativen" von der CSU für einen politischen Abend in Göppingen gewonnen - just in dessen Zeit als bayrischer Ministerpräsident. "Ich halte ihn für einen profilierten Politiker", sagt der SPD-Mann Rapp.

Sorge um Kalten Krieg, Hoffnung auf gemeinsames Haus

Kontrast: Sorge um einen neuen Kalten Krieg - Hoffnung auf ein gemeinsames Haus Europa: Dieser Kontrast prägt die Tagung "Nichts Neues im Osten?" der Akademie Bad Boll.

Diskussion: Altpolitiker diskutieren mit Vertretern von Kirche, Wissenschaft und IHK über Russland und die Ukraine. Es gibt auch Berichte über die aktuelle Lage in beiden Ländern.

Prominenz: Altkanzler Schröder spricht über Deutschland und Russland, Erhard Eppler über die Medien, Günther Beckstein diskutiert mit ihm über Russlands Platz in Europa.

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