Synodale: „Religion ist öffentlich“

Religion sei Teil der Gesellschaft – und damit auch öffentlich, finden Werner Stepanek und Anita Gröh. Sie reagieren damit auf Leserbriefe in der NWZ.

|

Mit Nachdruck widersprechen Werner Stepanek und Anita Gröh als Mitglieder der „Landessynode der Evangelischen Kirche in Württemberg“ aus Göppingen und Geislingen der Forderung, wonach Religion und Glaubensäußerungen eine reine Privatsache sei, die in der Öffentlichkeit nichts zu suchen haben.

Äußerungen in Leserbriefen, die in der NWZ veröffentlicht wurden, geben den beiden Synodalen Anlass, solche Forderungen deutlich zurück zu weisen. „Wer eine, an christlichen Werten orientierte Gesellschaft will, der muss auch die christliche Religion als öffentlichen Teil einer Gesellschaft verteidigen“, meint Werner Stepanek, der auch Vizepräsident der Evangelischen Landessynode ist.

Die beiden Synodalen zeigen sich besorgt über Äußerungen, in denen kritisiert wird, dass zum Beispiel ökumenische Gottesdienste bei Dorffesten oder die Rücksichtnahme auf Gottesdienstzeiten bei Veranstaltungen an Sonntagen nicht mehr „in die Zeit passen“. Stepanek und Gröh verlangen vielmehr ein stärkeres öffentliches Bekenntnis von Menschen mit christlichem Glauben in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung.

„Wir müssen verstärkt Flagge zeigen“, sagt die Landessynodale Anita Gröh, „wenn es darum geht, in dieser Welt für mehr christliche Menschenliebe und für mehr Gerechtigkeit anstatt Selbstsucht einzutreten“. Verwundert zeigen sich die Synodalen darüber, dass die Leserbriefschreiber offenbar zwar alle kirchlichen Sonn- und Feiertag gerne annehmen, aber die dahinter stehende Religions- und Glaubenshaltung lieber nicht öffentlich hören wollen. So würde zum Beispiel ein öffentlich gefeiertes Weihnachtsfest mit einer nur privaten, christlichen Weihnachtsbotschaft zu einer absurden Farce verkommen.

„Ein christlich geprägtes Abendland“, so Werner Stepanek, „braucht eine christliche Werteorientierung – und diese muss mit Nachdruck auch öffentlich vertreten werden“. Beide Synodale verweisen darauf, dass in den notwendigen Auseinandersetzungen mit Menschen anderer Glaubens-und Lebenshaltungen gerade eine solche, öffentliche christliche Glaubenshaltung viel überzeugender wirkt. 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

23.08.2016 15:32 Uhr

Religion(en und Weltanschauungen) sind öffentlich

Niemand dürfte deswegen Pluralist sein, weil er alle Meinungen und Überzeugungen gutheißt, sondern deswegen, weil es aus gesellschaftspolitischer Sicht für vernünftig hält, diese nicht weg zu zensieren. Denn, wen Menschen interessieren, den interessieren auch ihre Überzeugungen, selbst wenn er selbst sie nicht für richtig hält. Wenn es um Menschen geht, geht es nicht nur um Wahrheit, sondern eben auch um Meinungen und Überzeugungen, die das Handeln von Menschen beeinflussen. Und es geht auch um Irrtümer, Fehleinschätzungen, Lernfähigkeit, Meinungsänderung, ... .

Zivilisiert ist es, Meinungsdifferenzen in kultivierten Streitgesprächen abzuarbeiten, nicht dadurch, dass man unliebsame Meinungen unterdrückt. Wer die Aussage "Religion(en und Weltanschauungen" sind Privatsache, so interpretiert, dass er sie nicht für öffentlich relevant hält, liegt sicherlich falsch. Wer Überzeugungen aber als ein Freiheitsrecht betrachtet, und deswegen, da sie nicht als politische Pflicht definiert werden können, zur Privatsache, aber nicht zur unöffentlichen Sache erklärt, liegt richtig.

Sprache ist missverständlich. Religionen sind Freiheitsrecht. Und Freiheit kann man nicht im Strafgesetz zur Pflicht machen. Religionen sind gesellschaftlich relevant. Aber in der politischen Gesellschaftsordnung kann nur entweder ein verpflichtendes Gesetz oder ein Freiheitsrecht verankert werden. Beides schließt sich aus. Eine Pflicht zur Freiheit kann es nun einmal nicht geben.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hoher Schaden nach Wohnungsbrand in Salach

Bei einem Wohnungsbrand in Salach am frühen Samstagmorgen entstand ein hoher Schaden von etwa 50.000 Euro. weiter lesen