Studenten auf die Sprünge helfen

26 Jahre lang sorgte Thomas Gindele im katholischen Dekanat für den guten Kirchenton. Unzählige Konzerte gab er seither, 1996 gründete er die Göppinger Orgelwoche. Jetzt geht er ans Tübinger Wilhelmsstift.

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Nimmt Abschied von seiner geliebten Walcker-Orgel in St. Maria: Kirchenmusiker Thomas Gindele. Bis Jahresende soll seine Nachfolge geregelt sein.  Foto: 

Das Gastspiel der Rottenburger Domsingknaben im Oktober war für Thomas Gindele ein ganz besonderes Konzert. Der Kirchenmusikdirektor war letztmals als Künstlerischer Leiter der Göppinger Orgelwoche tätig, die er vor 19 Jahren selbst initiiert hat. Für Gindele haben damit die Wochen des Abschieds begonnen. Inzwischen hilft der Dekanatskirchenmusiker angehenden Pfarrern am Wilhelmsstift in Tübingen liturgisch-musikalisch auf die Sprünge.

Vieles wird Gindele fehlen - etwa das Spiel auf der historischen Walcker-Orgel in St. Maria ("Das ist etwas ganz Eigenes"), die Arbeit mit den Chören, die über Jahre gewachsenen Verbindungen zu den Menschen vor Ort. Doch nach 26 Jahren sei es für ihn an der Zeit gewesen, "sich zu verändern".

Mit der neuen Stelle geht für Thomas Gindele ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung. "Stimmbildung ist so etwas wie mein Steckenpferd." Die Studenten auf die richtige Fährte zu locken ist für den ehemaligen Knabenchorsänger eine erfüllende Aufgabe. Sein Argument: "Wer kein stimmbildnerisches Know-how hat, kann auch deine Laienchöre nicht verbessern." Viele Studenten hielten sich für unmusikalisch, dabei seien ihnen einfach die Spannungsverhältnisse der Tonhöhe auf den Kehlkopf unklar.

In Tübingen sei er mit großer Herzlichkeit aufgenommen worden, berichtet der 51-Jährige. Den etwa 20 jungen Theologen gibt er stimmbildnerische Einzelbetreuung, damit ist sein Arbeitsalltag fast schon ausgefüllt, zumal er erstmal weiter in Göppingen zu tun hat, bis seine Nachfolge als örtlicher und Dekanatskirchenmusiker geregelt ist. Die Stelle ist nämlich noch nicht wiederbesetzt. Die Bewerbungsfrist endete am 15. November, bis Jahresende soll dann alles in trockenen Tüchern sein. Die Göppinger Orgelwoche, so zumindest wünscht es sich Gindele, soll dann "Teil des Gesamtpakets" sein.

Ganz verloren ist Gindele übrigens für die katholische Kirchenmusik in der Region nicht: Trotz seines Wechsels ist er weiterhin als Regionalkantor für die Jugendarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig. Langweilig wird dem Kirchenmusiker also nicht werden. Eine Fülle an Arbeit liegt vor ihm. Unter anderem wird er in Tübingen Seminare für die jungen Theologen leiten. Doch jeder, der ihn kennt, weiß: Thomas Gindele freut sich drauf.

Zur Person Thomas Gindele

Biografie: Seit 1989 war Thomas Gindele hauptamtlicher Kirchenmusiker der Gemeinden St. Maria und Christkönig in Göppingen und Dekanatskirchenmusiker. 2000 wurde er Bischöflicher Orgelsachverständiger der Diözese Rottenburg/Stuttgart. Außerdem war er als Stimmbildner, Sänger und Dozent für Chorleitung und Orgel überregional tätig. Und er war Lehrbeauftragter für Orgelbaukunde an der Musikhochschule in Trossingen. 2008 wurde er zum Kirchenmusikdirektor ernannt, 2012 zum Regionalkantor der Diözese, Schwerpunkt Jugendchorleitung, berufen.

Gotteslob: Verdient machte sich Thomas Gindele auch um das im Jahr 2013 erschienene Gebets- und Gesangbuch "Gotteslob". Im Auftrag der Diözese sammelte er Lieder, erteilte Kompositionsaufträge für neue Arrangements und spielte mit vielen anderen eine CD ein.

Abschiedskonzert: Chor pro musica mit "Misa a Buenos Aires"

Abschied: Ein außergewöhnliches Konzert gestaltet der Chor pro musica am Sonntag, 22. November, ab 17 Uhr in der Göppinger Marienkirche. Es ist gleichzeitig das Abschiedskonzert von Kirchenmusikdirektor Thomas Gindele. Auf dem Programm steht neben einem "Salve Regina" für Sopran-Solo und Streichorchester von Mendelssohn-Bartholdy als Hauptwerk die "Misa a Buenos Aires" des argentinischen Komponisten Martin Palmeri. Die Misa kombiniert des stilistischen Merkmale des typischen argentinischen Tangos (der lange Zeit als verrucht galt und sogar kirchlich verboten war) mit dem Ausdruck des Mess-Ordinariums, ohne den sakralen Charakter zu stören. Mit der Instrumentierung für Streichorchester, Klavier und Akkordeon spielt Palmeri auf das klassische Tango-Orchester an, der typische "Tangosound" ist unüberhörbar. In der Pressemitteilung heißt es: "Herz und Seele des Tangos lässt Palmeri in sein Stück einfließen. Das Ergebnis: eine tangofarbige Messe oder ein spiritueller Tango - der Hörer mag entscheiden . . ."

Akkordeon: Vor der Aufführung der Messe wird Matthias Matzke, Akkordeon-Solist des Abends, den Novitango von Astor Piazolla spielen. Als weitere Solisten wirken Gundula Peyerl, Sopran, und Gregor Kissling am Klavier mit. Der Chor pro musica wird vom Stuttgarter Orchester "Musica viva" begleitet. Die Gesamtleitung hat Kirchenmusikdirektor Thomas Gindele.

Tickets: Karten gibt es im i-Punkt Göppingen, Piano Deininger sowie in der Barbarossa-Buchhandlung.

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