Streit um Albershäuser Mauer vor Gericht

|

Der Streit um eine Stützmauer in Albershausen währt seit nahezu sechs Jahren. Er hat diverse Gerichte beschäftigt, es bis in den Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtags geschafft und den Gemeindefrieden nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen. Richten soll es nun Friederike Tenckhoff vom Landgericht Ulm, die am Dienstag den Fall noch einmal neu aufrollte und dabei an die Vernunft der beiden Parteien appellierte.

Zu Beginn des Gütetermins beharrten die Parteien auf ihren Positionen. Während die Bauherren sich einem Kesseltreiben aus behördlicher Willkür, Unwahrheiten und Missgunst ausgesetzt sahen, blieb die Gemeinde bei der Forderung, die größtenteils fertiggestellte Mauer abzureißen zu lassen, zumal sie auch auf kommunalem Boden steht. Je mehr die Zivilrichterin über die Ausgangslage und die eigentlichen Hintergründe des Mauerfalls erfuhr, desto stärker wurde der Verdacht, dass da ein Sturm im Wasserglas entfesselt worden war. Ohne eine juristische Wertung abzugeben, ließ sie mitunter durchblicken, dass die Angelegenheit mit Vernunft und Augenmaß längst hätte außergerichtlich geregelt werden können.

Denn wie bei der Verhandlung deutlich wurde, war das Mauerprojekt anfangs durchaus einvernehmlich. Zumal Bürgermeister Jochen Bidlingmaier eingeräumt hat, dass ihm das Vorhaben zur Hangabsicherung einst nicht ungelegen kam, weil es der Gemeinde künftige Erhaltungskosten erspart hätte. Deshalb hatte auch der Gemeinderat keine Einwände, dem Ehepaar das Grundstück für 50 Euro pro Quadratmeter zu verkaufen. Mögliche Stolpersteine wie die Mauerhöhe als auch die Einfriedung an der Straßenkante seien damals kein Hinderungsgrund gewesen. Vielmehr obwaltete damals die Haltung, dass man das schon hinbekommen und sich einig werde. „Mein Interesse war nicht besonders hoch, das Grundstück zu halten“, erinnerte sich der Bürgermeister.

Letztlich schieden sich die Geister am Geld. Während der Gemeinderat dem Grundstücksverkauf nur unter der Voraussetzung zustimmen wollte, dass die Bauherren die notwendigen Vermessungskosten übernehmen, wollten die nur die Hälfte bezahlen. In der Annahme, alles würde sich schon regeln, begann der Mauerbau auf kommunaler Gemarkung. „Wir haben sie definitiv am Weiterbau nicht gehindert“, räumte Bidlingmaier ein. „Meine Hoffnung war, dass die Familie die Kosten übernimmt.“ Da dem nicht so war, begann sich die Eskalationsspirale zu drehen, der Rest ist bekannt.

Im Bemühen eine gütliche Lösung herbeizuführen, verwies Richterin Tenckhoff auf das nicht unbeträchtliche Prozessrisiko für beide Parteien und appellierte „dem ein Ende zu machen und sich wieder auf andere Dinge zu besinnen“. Mit ihrem Vergleichsvorschlag, das Grundstück für 50 Euro pro Quadratmeter an die Bauherren zu verkaufen und sich die Vermessungskosten zu teilen, könnte sich das Ehepaar anfreunden. Möglicherweise auch die Gemeinde, was der Bürgermeister allerdings erst mit seinen Räten besprechen muss.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Der Mauerstreit

Eine privat gebaute Mauer in der Frühlingsstraße sorgt in Albershausen für Streit, weil sie zum Teil auf Gemeindegrund errichtet wurde - ohne Baugenehmigung.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Suche nach der Brandursache in Hausener Lagerhalle

Mit einem Großaufgebot bekämpfte die Feuerwehr Bad Überkingen den Brand in einer landwirtschaftlichen Maschinenhalle in Hausen am Freitagabend. 2000 Liter Diesel entzündeten sich. weiter lesen