Geislinger Polizeichef rät: Bürger sollen Straftaten immer anzeigen

123 Straftaten gab es im vergangenen Jahr in Deggingen. Die Zahl der Rohheitsdelikte und Sachbeschädigungen ist angestiegen.

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Amtseinsetzung von Polizeirat Jens Rügner als neuer Revierleiter im Polizeirevier Geislingen - Porträt  Foto: 

Bürger, die die Polizei bei ihrer Arbeit unterstützen wollen, sollten vor allem eins tun: alle Straftaten und verdächtigen Vorkommnisse bei der Polizei melden. Diesen Rat gab der Geislinger Revierleiter Jens Rügner in der jüngsten Sitzung des Degginger Gemeinderats, in der er die örtliche  Kriminalitätsstatistik 2016 vorstellte. „Wir müssen wissen, wo es brennt und wo es Sicherheitsbedenken gibt“, verdeutlichte er. „Dann können wir uns der Sache annehmen.“

Zuvor hatte Gemeinderat Fabian Gansloser angemerkt, dass  sein persönliches Sicherheitsempfinden und die für Deggingen recht positiv ausfallende Kriminalitätsstatistik nicht unbedingt übereinstimmen. „Wie viel wird nicht angezeigt?“, fragte er. Eine hohe Dunkelziffer an Straftaten gebe es in der Regel dort, wo auch viele Delikte gemeldet werden, antwortete Rügner. „Wenn es große Probleme gäbe,  würde es der Polizei und den Bürgern auffallen, versichert er. In Deggingen sehe er in dieser Hinsicht keine bedenklichen Entwicklungen.

123 Straftaten gab es im vergangenen Jahr in Deggingen, 15 mehr als 2015. „Ein Anstieg von 17,1 Prozent hört sich viel an“, sagte Rügner. „Aber wir reden hier von kleinen Zahlen.“ Betrachtet man die Anzahl der Straftaten der  vergangenen fünf Jahre, in denen in Deggingen im Schnitt 121 Delikte pro Jahr begangen wurden, liegt das Jahr 2016 im Mittelfeld. Die 105 Delikte in 2015 seien ein „Ausrutscher“ nach unten gewesen, meinte der Polizeichef.

Leichte Delikte überwiegen

Bei der Kriminalität in Deggingen handle es sich überwiegend  um „leichte“ Delikte. Straftaten gegen das Leben oder Sexualdelikte gab es im vergangenen Jahr keine. Auffällig ist allerdings, dass die Zahl der Rohheitsdelikte, zu denen unter anderem Körperverletzungen und Bedrohungen gehören, und der Sachbeschädigungen angestiegen ist (siehe Infokasten). Dies gehe zu einem großen Teil auf das Konto einer „psychisch auffälligen Einzelperson“, fügte der Polizeichef hinzu.

„Wir wissen, wie belastend eine solche Situation für die Bürger sein kann“, sagt Rügner auf Nachfrage der GEISLINGER ZEITUNG. Vor allem, wenn eine psychisch erkrankte Person schuld­unfähig sei und wegen bestimmter Delikte nicht verurteilt werden könne. „Wenn das Strafrecht nicht greift, bedeutet das nicht, dass nichts passiert“, erläutert der Revierleiter. Für den Fall, dass eine Person eine Gefahr für sich und andere darstellt, strafrechtlich aber nicht belangt werden könne, gebe es das Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG), das auf der Ebene der Krankheit ansetzt und auch dem Erkrankten langfristig helfen soll.

Unter anderem auf der Basis eines Gutachtens des Gesundheitsamtes und der bei der Polizei gemeldeten Vorfälle kann ein Richter dem Kranken einen Betreuer beistellen oder ihn zur Behandlung in eine psychiatrische Klinik einweisen. „Für solche Maßnahmen brauchen wir natürlich eine gewisse Schwelle“, erklärt Rügner. Bei kleineren Vergehen müsse „Einiges zusammenkommen.“ Aus diesem Grund sei es so wichtig, dass Bürger jeden Vorfall bei der Polizei anzeigen. Nur so könne man erkennen, ob das Verhalten eines Kranken eskaliert.  Bei einer akut bedrohlichen Situation könne die  Polizei auch kurzfristig helfen, indem sie einen Platzverweis ausspricht oder die Person in Gewahrsam nimmt.

Art der Delikte und ihre Anzahl: einfacher Diebstahl (17), schwerer Diebstahl (10) – darunter zwei Wohnungseinbrüche, Vermögens- und Fälschungsdelikte (11), Rohheitsdelikte (43, im Jahr zuvor waren es 18) – darunter ein Raub­überfall, elf Fälle von schwerer sowie 13 Fälle von leichter Körperverletzung und 18 Bedrohungsfälle, Sexualdelikte (0), Straftaten gegen das Leben (0), Rauschgiftdelikte (2), Sachbeschädigungen (19, im Jahr zuvor waren es 13), sonstige Bagatelldelikte (21).

Die Häufigkeitszahl spiegelt die Anzahl der Straftaten hochgerechnet auf 100 000 Einwohner wider und gilt als Indikator für die Kriminalitätsbelastung einer Region. Für Deggingen beträgt die Häufigkeitszahl 2330. Für den Landkreis Göppingen 3814 und für das Land 5599. Deggingen gehört damit zu den Gemeinden mit sehr geringer Kriminalitätsbelastung.

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