Jugendliche in Heiningen lernen von „Graffiti-Profis“

Zwei Tage lang hübschten zehn Jugendliche unter der Anleitung eines „Graffiti-Profis“ eine Wand im Heininger Jugendhaus auf.

|
Künstler mit eifrigen Schülern: „Open Mike“ und graffitibegeisterte Jugendliche freuen sich über ihr Werk im Heininger Jugendhaus.  Foto: 

Die Spraydose nehmen und einfach drauf los sprühen – wer dachte, dass Graffitikunst so funktioniert, wurde beim Workshop im Heininger Jugendhaus schnell eines Besseren belehrt. Ein gutes Graffiti erfordert Vorbereitung und damit war im Falle des Jugendhauses nicht nur das Abkleben des Bodens, das Vorbereiten der Materialien und das Anlegen von Gummihandschuhen und Atemmaske gemeint.

„Wichtig ist, zuerst einmal zu überlegen, was überhaupt auf die Wand soll, erklärte der Graffiti-Künstler „Open Mike“ den Kids. Also galt es beim so genannten „Brainstorming“ möglichst viele Ideen zu sammeln, um sie anschließend zu besprechen und gemeinsam zu überlegen welche umgesetzt werden sollen. Aber noch längst nicht an der Wand.

Zuerst mussten die „Basics“ erarbeitet werden. „Open-Mike“ ließ die Jugendlichen ihre Namen im Graffiti-Stil aufs Papier bringen. Gar nicht so einfach. Geduldig erklärte der Profi, was es mit Proportionen auf sich hat und mit welchen Tricks man den Buchstaben Leben einhaucht.

Anhand einzelner Aufgaben lernten die zehn Jugendlichen, die am Workshop teilnehmen durften, den Umgang mit der Spraydose und den unterschiedlichen Sprühaufsätzen. Wie werden Flächen gefüllt?  Wie bekommt man einen Farbverlauf, einen 3-D-Block, scharfe Konturen und Effekte hin? Die 10- bis 14-Jährigen lauschten interessiert, probierten aus und scharrten schließlich mit den Hufen. Wann endlich geht es an die Wand?

„Open Mike“ hatte mittlerweile aus den einzelnen Ideen ein Konzept entwickelt und es an der Wand vorskizziert. „Mit Menschen zu arbeiten ist für mich Herzenssache“, machte der Vollzeitkünstler, der von Events, Auftragsarbeiten und Workshops lebt und gerne kreative Impulse setzt, deutlich. „Bei Gruppenarbeiten habe ich immer besonders schöne Erfolgserlebnisse.“

Dann konnte es endlich losgehen mit dem Sprayen. Frei Hand und ohne Schablone, versteht sich. Paula stellte schnell fest: „Gar nicht so einfach, nicht neben raus zu sprühen.“ Es dauerte nicht lange, da schwebte eine nach Lackfarbe riechende Nebelwolke im Raum.

Zeit für eine Pause und gutes Durchlüften. Petra Mayer, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Jugendhaus einbringt, hatte einen Riesentopf Spaghetti mit Tomatensoße gekocht, so dass man gemeinsam Mittag essen konnte, bevor es an die Feinheiten ging. Bei den scharfen Konturen, Spezialeffekten und Highlights legte „Open Mike“ selbst mit Hand an.

Alina Barth, die das Jugendhaus betreut, kann sich seit geraumer Zeit wieder über regen Zulauf freuen. „Die meisten sind Fünft- bis Achtklässler und manchmal wird es fast schon zu eng“, berichtete sie.

Graffiti Writer Michael Becker alias „Open Mike“ war zwischen 1995 und 2003 einer der aktivsten Graffiti Writer, und machte sich in Stuttgart wie kein zweiter einen Namen. Durch seine Vielseitigkeit in Sachen Style, seinem eigenen Touch, seiner Aktionen und herausragender Dominanz innerhalb der Stuttgarter Szene, sowie seiner offenen respektvollen Art, tat er sich schnell hervor und wurde zu einem anerkannten „0711 King of Graffiti“.

Zweite Liebe: 2004 traf er seine zweite Liebe „Rap“ und begann Tracks zu schreiben. Seit 2009 ist er selbständig und führt in Workshops deutschlandweit Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an Graffiti und Rap heran.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Züge stehen still und Fahrgäste werden schlecht informiert

Donnerstagmorgen hatten es Bahnreisende schwer. So mancher Fahrgast, der im Filstal in einem Zug saß, musste lange auf eine Weiterfahrt warten. Die Probleme gibt es allerdings schon länger. weiter lesen