Smartphones am Beckenrand unerwünscht

Handyfotos sind in Freibädern meist verboten. Ein neues Problem sind wasserdichte Action-Cams.

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Mit dem Handy im Freibad am Beckenrand fotografieren, ist nicht gern gesehen und meist verboten.  Foto: 

Eine Frau auf der Liegewiese im Freibad zückt ihr Smartphone und fotografiert ihr lachendes kleines Kind. Ein alltäglicher Vorgang – doch gern gesehen sind die omnipräsenten Kameras in den Bädern nicht. Sie sind im Kreis Göppingen zwar kein allzu großes Problem, doch wer am Beckenrand fotografiert, ruft mit Sicherheit den Bademeister auf den Plan.

„Am Becken und im Becken gibt’s nichts“, sagt der Betriebsleiter des Boller Freibads, Heiko Blum. Ein Fotografierverbot stünde in der Haus- und Badeordnung, meint er, räumt aber auch ein: „Was die Leute auf der Wiese machen, kannst Du nicht kontrollieren.“ In den vergangenen Tagen hätten er und seine Mitarbeiter jeden Tag rund zehn Besucher auf das Verbot hinweisen müssen, doch seien die in der Regel einsichtig. Handys sind auch gar nicht Blums größte Sorge: „Action-Cams sind dieses Jahr eigentlich das größere Problem.“ Die kleinen, wasserdichten Kameras können problemlos ins Becken geschmuggelt werden und unter Wasser verwendet werden.

„Wir entscheiden das individuell“, erklärt der Betriebsleiter des Uhinger Bads, Peter Ryl. „Wenn eine Familie ihre Kinder fotografiert, passt das. Wenn aber jemand wild drauflosfotografiert, gehen wir hin und sprechen mit dem.“ Zwei Leute habe er diese Saison erst ansprechen müssen, die hätten ihr Handy dann anstandslos weggepackt. Ryl glaubt ohnehin, dass viele ihre Handys gar nicht bis ans Becken tragen – die Leute hätten eher Angst, dass es dann nass oder gestohlen wird.

Von Erfahrungen des Personals im Freibad kann die Pressestelle im Göppinger Rathaus nicht berichten, Pressesprecher Dejan Birk-Mrkaja zitiert aber die Bäder­ordnung: „Das Fotografieren und Filmen fremder Personen ohne deren Einwilligung ist nicht erlaubt.“ Im Sauna- und Wellnessbereich der Barbarossa-Thermen sei das Fotografieren und Filmen generell nicht gestattet.

Auch im Salacher Schachenmayrbad untersagt die Bäderordnung das Fotografieren fremder Personen, erläutert Silke Schömbucher von der Gemeindeverwaltung. „Mir ist auch nicht bekannt, dass wir damit Probleme hätten, ich weiß von keinem Vorfall“, sagt sie. „Bisher hält sich da noch jeder dran.“

Ein KOMMENTAR von Daniel Grupp: Smartphones im Freibad sind gefährlich

Fotos, wie Kinder mit Schwimmflügeln ihre erste Versuche machen, über Wasser zu bleiben, gehören in jedes Familienalbum. Solche Aufnahmen werden auch gerne und stolz gezeigt.

Aber die Zeiten ändern sich: Mit Kameras geht ohnehin keiner mehr in Schwimmbäder, heute wäre das Smartphone das Aufnahmegerät der Wahl. Aber diese „intelligenten“ Geräte mit inzwischen hochwertigen Kameras wirken sich ganz konkret auf das Verhalten der Menschen aus. Viele Schwimmbadbesucher fühlen sich unwohl, wenn sie jemand am Smartphone sehen: Telefoniert der Mensch gerade oder werden Bilder und Videos von leicht bekleideten Badbesuchern gemacht. Das wäre alles andere als harmlos. Schließlich hat jeder ein Recht am eigenen Bild.

Zu hören ist auch, dass manche Jugendliche im Sportverein oder im Schullandheim nur mit der Unterhose duschen, weil sie sich vor den Telefonen ihrer Kameraden fürchten. Weil solche Aufnahmen in Bruchteilen von Sekunden im Internet für jeden sichtbar sein können, ist die Sorge der Jugendlichen und auch der Schwimmbadbesucher verständlich. Daher ist es wichtig, dass Lehrer, Trainer und Bademeister darauf achten, dass niemand allzu aufdringlich sein Smartphone benutzt. Schließlich wollen die anderen Gäste ganz entspannt ihrem Bade- oder Duschvergnügen frönen.

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