Schwarze Schafe bei Wanderimkern

Jedes Jahr stellen Wanderimker ihr Bienenstöcke auf der Alb ab. Nicht immer halten sie die Regeln ein. Dann werden die Bezirks-Wanderwarte aktiv.

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Wanderwart Georg Fink vom Imkerbezirk Alb-Lonetal zeigt verwahrloste und eingewachsene Bienenstöcke  Foto: 

Acht Bienenvölker in ihren Stöcken sind im frühen Sommer neben einem blühenden Rapsfeld abgestellt worden. Ein weiterer Imker stellte etwa 60 Völker auf der Alb ab. Das an sich ist nicht außergewöhnlich. Es passiert vielfach jedes Jahr. Ungewöhnlich in beiden Fällen ist dagegen der Verstoß gegen die offiziell in Imkerkreisen des Landesverbands gängigen Regeln: An den Bienenstöcken sind keine leserlichen Kontaktdaten der Imker angebracht, der Wanderwart, rechtlich zuständig für die Wanderimker, ist nicht informiert und ihm fehlt ein Gesundheitsattest.

Ein solches muss sicherstellen, dass die Bienen weder von der Varroamilbe noch von der Bienenseuche Faulbrut befallen sind. Eine Maßnahme, die auch die Bienenseuchenverordnung vorsieht.

Der Merklinger Georg Fink ist Wanderwart seines Imkerbezirks Alb-Lonetal. Er ist Ansprechpartner für die vielen Imker, die aus den Gebieten Stuttgart, Esslingen, Göppingen bis von Heidelberg und dem Allgäu und sogar vom verhältnismäßig nahen Täle, etwa aus Gruibingen, jedes Jahr mit ihren Bienenvölkern auf die Alb wandern. So, wie Dieter Huber aus Bruchsal, reisen die Imker der „Tracht“, also der Blüte nach.

Raps blüht später, Bienen dafür gut entwickelt

Im Frühjahr sind es die Obstbäume und dann der Raps, im Frühsommer die blühenden Wiesen und Tannen. Dann ist meistens Schluss mit der Blütenpracht und damit auch mit der Honigproduktion. Zumindest in milderen Klimagegenden.

So wie in Bruchsal in der Rheinebene. Die dortige Blütezeit kann für die Bienen sogar zu früh beginnen. „Die Bienen sind teilweise noch zu jung und schwach, um Nektar zu sammeln“, klärt Imker Huber auf. Dann macht auch er sich auf, packt seine Völker ins Auto und fährt rauf auf die Alb, etwa nach Merklingen. „Dort blüht der Raps später, bis dahin sind meine Bienen gut entwickelt.“ Allerdings spricht er sich vorher mit dem örtlichen Wanderwart über den Standort, die Dauer und die üblichen Regularien ab.

Mit dem Abstellen der Bienenstöcke ist für ihn die Arbeit aber längst nicht erledigt. Es bleibt nicht bei dieser einen rund eineinhalbstündigen Autofahrt. Die Bienen müssen am besten wöchentlich betreut sein: Sie brauchen Wasser in ihrer Nähe, die Bienenstöcke sind frei von Unkraut zu halten und Wildtiere oder Stürme werfen manchen Stock auch mal um, dann muss der Imker helfen. Im schlimmsten Fall trifft der Wanderimker auch mal einen leeren Platz an, dort, wo er seine Bienenstöcke aufgestellt hatte. „Immer wieder werden welche gestohlen, leider“, weiß Huber aus bitterer Erfahrung.

"Da tut einem guten Imker das Herz weh"

Doch nicht jeder Wanderimker nimmt seine Aufgabe so ernsthaft wahr wie Dieter Huber. Auch wenn es verhältnismäßig wenig sind, vielleicht zwei bis drei pro Sommer, sagt Georg Fink, so ist das für ihn absolut unverständlich: Verwahrloste Bienenstände, bei denen die Tiere auf dem Deckel ihrer Stöcke landen müssen, um mühselig zu den zugewachsenen Einflugslöchern zu krabbeln: „Da tut einem guten Imker das Herz weh“, meint Fink, der seit 36 Jahren Imker ist. Ein Hobbyimker würde seine Tiere niemals so vernachlässigen. „Das hat mit Tierliebe nichts zu tun, da kann nur der Profit, die Masse also, hinter dem Imkergedanken stecken.“

Fink versucht in diesen Fällen das schwarze Schaf über die Imker in der Region ausfindig zu machen und meldet im schlimmsten Fall die Sache dem Veterinäramt. Selbst Hand anlegen an die fremden Bienenstöcke dürfe er nicht, das wäre eine „Verletzung fremden Eigentums“. Und da die Regularien keine gesetzliche Grundlage haben, sei auch keine  Strafverfolgung möglich. Nur selten werde der Übeltäter erwischt. „Meistens kommen sie, ohne Konsequenzen tragen zu müssen, davon. Irgendwann haben sie die Bienenstöcke dann doch unbemerkt abgeholt“, sagt der Bienensachverständige Fink. Was er mit als Grund dafür sieht, dass diese „schwarzen Schafe“, vielfach Wiederholungstäter sind.

Im Fall der 60 Völker konnte das Veterinäramt den Besitzer ausfindig machen, er hat seine Bienenstöcke zwischenzeitlich entfernt. Die acht Bienenstöcke eines anderen unbekannten Wanderimkers sind nach wie vor von hohen Brennesseln zugewachsen. Doch Georg Fink hat eine Vermutung, wer den Besitzer kennen könnte. Auch er wird zuerst das direkte Gespräch suchen, erst wenn das erfolglos bleibt, wird er eine Meldung an das Veterinäramt geben. „Wir wollen ja miteinander auskommen und sind froh, wenn die Imker kommen.“

Vorschriften zum Schutz vor Krankheiten

Verstöße Mehr Handhabe als der Bienensachverständige und Wanderwart hat das Veterinäramt als zuständige Behörde zur Kontrolle der Bienenseuchenverordnung. Ein Verstoß gegen die Meldeverordnung kann verwaltungsrechtliche Folgen haben, erklärt Fachdienstleiter Hans-Joachim Butscher vom Landratsamt Alb-Donau auf Anfrage.

Ermittlung Ist der Wanderimker bekannt oder ausfindig gemacht worden, genüge oftmals ein Gespräch zur Einsicht, sagt Butscher. Ist der Imker unbekannt, wird über den Bienensachverständigen, die Landwirte, auf deren Grund die Bienenstöcke stehen und die Polizei versucht, den Besitzer zu ermitteln. Handelt es sich um Bienenstöcke mit noch lebenden Völkern, gelinge dies meistens. Wird der Eigentümer nicht festgestellt und es besteht eine begründete Gefahr für die Bienen oder gar der Verdacht einer Seuche, kann das Amt auch am fremden Eigentum handeln. Das erfolgt meistens über den Bienensachverständigen. Die Vorschriften dienen dem Schutz vor Krankheiten.

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