Bürgermeister in Wäschenbeuren zum Obergockel „befördert“

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    Die Rechberghäuser Bürgermeisterin Claudia Dörner legte sich beim Kartenhausbau  mächtig ins Zeug. Foto: 
  • Die Flecka-Hexa machen’s möglich: Von wegen Rotmilan – der Wäschenbeurer Schultes Karl Vesenmaier wurde per Ganzkörperkostüm in einen Gockel verwandelt. 2/4
    Die Flecka-Hexa machen’s möglich: Von wegen Rotmilan – der Wäschenbeurer Schultes Karl Vesenmaier wurde per Ganzkörperkostüm in einen Gockel verwandelt. Foto: 
  • Wangens Schultes Daniel Frey durfte sich richtig zum Clown machen. 3/4
    Wangens Schultes Daniel Frey durfte sich richtig zum Clown machen. Foto: 
  • Die Adelberger Rathauschefin Carmen Marquardt musste harte Aufgaben der Hundsholzhexen per Vertrag akzeptieren. 4/4
    Die Adelberger Rathauschefin Carmen Marquardt musste harte Aufgaben der Hundsholzhexen per Vertrag akzeptieren. Foto: 
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Ganze 134 Stunden lang „Obergockel“ darf Wäschenbeurens Bürgermeister Karl Vesenmaier sein. Der örtliche Brauchtumsverein steckte den Rathauschef gestern Vormittag in ein weißes, gefiedertes Ganzkörperkostüm. „Bis zum Fasnetumzug am Samstag behalten Sie das jetzt an“, befahl Marco Schmid, Vorsitzender der Maskenträger.

„In Wäschenbeuren läuft alles so gut, da ist es uns in diesem Jahr schwer gefallen, ein Thema zu finden“, hatte Schmid den vielen Zuschauern vor dem Rathaus verkündet. Kurzerhand griff der Verein die abgelehnten Windräder in Adelberg auf. „Wisst ihr, warum die nicht gebaut werden?“, fragte Marco Schmid die Menge verkleideter Schulkinder um ihn herum. Dass fliegende Tiere daran schuld seien, fanden die kleinen Fasnetfans schnell heraus. Drachen, Adler und Fischreiher waren es aber nicht. „Sondern der Rotmilan“, verriet Schmid.

Die geschützte Greifvogelart gebe es in Wäschenbeuren aber nicht, dafür aber Hennen. Mit witzigen Bannern stellten die Flecka-Hexa drei Varianten eines Huhns vor, das effektiv zur Stromgewinnung beitragen könnte. Während das Biogas-Huhn mit seinem Mist weiterhilft, schwitzt das nächste im Laufrad, während das dritte mit Wasserkraft nachhilft. Eine Henne gebe es auch im Rathaus, sagte Schmid. Kurz darauf stand Vesenmaiers lachende Sekretärin Angelika Zeller im Kostüm eines gerupften Huhns vor den Zuschauern. Sie lud dann auch alle Kinder und Erwachsene zu Speis und Trank ins Rathaus ein. Eine Wahl hatte sie nicht: Den Schlüssel zur Hauptzentrale hatten die Flecka-Hexa, Wäschweiber und Krettabachkatza dem protestierenden Schultes zuvor entrissen.

Sehnsüchtig hielt in Adelberg die Hundsholzhexe auf dem Narrenbaum vor dem Rathaus am Gombigen Doschdig Ausschau nach ihren Anhängern, die gemeinsam mit den Erstklässlern aus dem Ort am Morgen die Bürgermeisterin Carmen Marquardt entmachten wollten.

„Hört, Hört, es tagte der Hexenrat und nun schreiten wir zur Tat“, eröffnete die erste Oberhexe Thorsten Kolley den Rathaussturm. „Gemeinsam haben wir beschlossen, das Rathaus wird jetzt abgeschlossen.“ Damit sich die Rathauschefin nicht heimlich einschleicht, musste sie zum allerersten Mal mit den Hexen einen Vertrag mit fünf Paragraphen eingehen. Darin stehen auch die Strafen, sollte Marquardt gegen die Regeln verstoßen: „Bei der Hexentaufe im neuen Jahr, musst du eine Schicht übernehmen an der Hexenbar. Im Hexenhäs dann auf der Bar, sprichst du das Hexengelöbnis, das ist doch klar.“

Um den Schlüssel nach der Fasnet zurück zu kriegen, musste die Bürgermeisterin schon an ihrer Entmachtung „quälende“ Aufgaben lösen. Bei der zweiten Aufgabe saß sie mit den Kindern auf dem Boden der Eingangshalle und fuhr zum Bobfahrerlied von Tim Toupet links, rechts, geradeaus und rückwärts. „Wir sind jetzt bei der letzten Aufgabe“, meinte Oberhexe Thorsten danach. Auf die Frage „Schon?“ antwortete er: „Ha, die Leute müssen doch was schaffen.“ Am Aschermittwoch muss Carmen Marquardt jetzt den Hexen eine Runde schmeißen sowie Speis und Trank spenden. Gespart hätte der Ort schon genug, „denn die Windräder bleiben vorerst fort“. Mit einer Polonaise ging es für die Kinder zurück in die Schule und der Sturm wurde mit einem dreifachen „Hu-Ho-He – Hexa sind schee“ beendet.

„Jetzt wird es ernst. Die Furchenrutscher stürmen das Rathaus. Und zwar jetzt!“, rief gestern Abend in Rechberghausen der Vizepräsident der Narrenzunft Michael Schilling und kurz darauf rasten die Hexen durch Nebelschwaden ins Verwaltungsgebäude. Der Fanfarenzug spielte noch ein Lied, dann wurden die Mitarbeiter samt Chefin und Gemeinderat aus dem Rathaus begleitet. Der Schlossgeist sprach direkt zur Bürgermeisterin Claudia Dörner und nahm sie für all die Dinge, die in der Gemeinde gerade aktuell sind oder waren, auf den Arm. Auch dass sie noch nicht in Rechberghausen wohnt, prangerte er an. In einem Spiel sollten ihre Angestellten und Gemeinderäte daher gegeneinander ein Kartenhaus aus Styropor für sie bauen. Zwar war die Verwaltung schneller fertig, aber nur der Gemeinderat hatte legal gebaut. „Ohne roten Punkt geht nichts. Deshalb habt ihr verloren“, verkündete Schilling, noch bevor der traditionelle Hexentanz den Rathaussturm beendete.

Auch in Wangen blieb der Bürgermeister gestern nicht verschont. Kurz nach 17 Uhr stürmten die Forstberghexen und mehrere Kinder gemeinsam das Rathaus. Sie hängten Banner aus dem Fenster und unter dreimaligem „Forstberg-Hexen“-Ruf, kam der Schultes Daniel Frey als Clown kostümiert aus dem Rathaus. Frey dürfe „sich nun mal richtig zum Clown machen“, skandierten die Hexen.
Zwar wurde er für seine guten Leistungen des letzten Jahres gelobt, dennoch musste er sich vor dem närrischen Publikum verschiedenen Aufgaben stellen. Beim Seilspringen und Jonglieren schlug sich der Rathauschef gut und am Ende gab er gezwungenermaßen schließlich den Rathausschlüssel an die Narren ab.

Die Wangener Kinder dürfen nun bis Aschermittwoch zu Hause „so viel Schokolade essen wie sie wollen und für die Erwachsenen gilt Tempo 30 in ganz Wangen“, diese Regeln stellten die Hexen unter begeisterter Zustimmung der Kinder auf. Als Frey sich gerade darüber freute, dass die Narren sehr zivilisiert mit ihm umgegangen seien, kamen zwei kleine Nachwuchs-Hexen von hinten angerannt und warfen noch einmal eine extra große Ladung Konfetti über ihn. Der Schultes lachte und nahm’s gelassen.

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Fasnet im Kreis Göppingen

Die Narren übernehmen in der fünften Jahreszeit die Herrschaft im Landkreis Göppingen.

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