Schulmeister-Treffen: Bindeglied zwischen früher und heute

Rund zwanzig ehemalige und amtierende Schulleiter aus dem Schurwald treffen sich seit zehn Jahren zum Stammtisch. Sie sind Dienstfreunde, unterhalten sich aber nicht nur über den Beruf.

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Beim jüngsten Treffen ist vor allem der Lehrermangel Thema. Oft müssen pensionierte Lehrer einspringen, klagen die Pädagogen beim Stammtisch. Von links: Alfred Rapp, Leonhard Lammel, Gisela Sonnabend, Walter Völkl, Martin Straub, Mathilde Schaile.  Foto: 

Über was sprechen Schulleiter, ehemalige und amtierende, wenn sie in lockerer Runde zusammensitzen? „Es kommt alles zur Sprache: Privates, Dienstliches. Wir sprechen auch viel über gemeinsame Kollegen“, erzählt Leonhard Lammel. Seit zehn Jahren organisiert Lammel das „Schulmeister-Treffen“ und leitete einst die Grundschule in Birenbach.

Über zwanzig Schulleiter der Schurwald-Schulen kommen regelmäßig zusammen, um sich auszutauschen. Auch Schulleiter aus Faurndau, Hohenstaufen oder Göppingen sind mal dabei. „Und warum soll der Chef nicht auch dabei sitzen?“, fragt Leonhard Lammel und erzählt, dass auch Schulräte und Schulamtsdirektoren beim Treff willkommen sind. Schulamts-Chef Jörg Hofrichter sei auch schon dabei gewesen, wenn die Lehrer sich in offener Runde in verschiedenen Lokalitäten, am liebsten in der Zachersmühle in Adelberg, treffen. „In so einer Runde kommt man sich ganz anders nahe, das ermöglicht ein offeneres Arbeiten“, ist sich Lammel sicher.

Er ging voriges Jahr nach 21 Jahren in den Ruhestand und weiß vor allem den Kontakt zu den Kollegen zu schätzen: „Ich merke, wie ich plötzlich von Informationen abgeschnitten bin, wenn ich keinen guten Draht mehr zur Schule und keinen guten Kontakt zu den Kollegen pflege.“ Der Stammtisch wirkt als Bindeglied zwischen früher und heute.

Die Veränderung des Schulsystems ist unweigerlich Thema, wenn die fünf Lehrer beim jüngsten Treffen bei Spezi und Bier in der Zachersmühle sitzen. Heute ist Schnitzeltag, freuen sich die Lehrer.

Trotz stetem Wandel seien die Probleme an der Basis immer die Gleichen, weiß Martin Straub, Rektor der Grundschule Hohenstaufen. „Aber an der Basis wird es immer schlechter“, fügt er hinzu. Vor allem der Personalmangel mache allen Schulen zu schaffen. Immer wieder springen deshalb Lehrer im Ruhestand ein.

Mathilde Schaile leitete einst die Schillerschule in Faurndau. Jetzt hilft sie ihrer Nachfolgerin Gisela Sonnabend und deren Kollegen immer wieder aus. Auch Leonhard Lammel unterrichtet noch fünf Stunden die Woche an der Südstadt-Schule. „Ohne die Pensionäre wäre das kaum machbar“, sagt auch Walter Völkl, Leiter der Meerbach-Grundschule, der ebenso mit zu wenig Personal kämpft, „wir suchen händerringend.“ In einer seiner zweiten Klassen seien 33 Schüler und fünf Inklusionskinder, weil eine Kollegin ausfiel.

Die Ruheständler kennen die Probleme ihrer Kollegen im Amt und dennoch sehe man jetzt vieles lockerer: „Wir lachen manchmal bloß, wenn die anderen schimpfen“, erzählt Mathilde Schaile gut gelaunt, „und sind froh, nicht mehr an der Front zu sein.“ Auch die Themen Inklusion und Ganztagesschule treibt die Lehrer um. Probleme, die es vor zehn Jahren noch nicht gab. „Es ist immer interessant zu hören, wie es jetzt in den Schulen läuft“, sagt Alfred Rapp, ehemaliger Rektor in Rechberghausen. Es wird viel über die Situation an den Schulen gesprochen, darüber, wo Stellen unbesetzt sind und wo welche besetzt wurden. Schüler oder deren Eltern seien selten Thema, sagen die Lehrer beim Stammtisch. Man erzählt sich aber vom Wiedersehen mit ehemaligen Schülern, sagt Mathilde Schaile. „Kürzlich kam einer vom Päckchendienst und grüßte mich mit ´Hallo Frau Schaile´, das war ein früherer Schüler von mir.“ In und nach der Grundschule ­veränderten sich die Schüler so stark, dass man sie ­später kaum mehr erkenne, sind sich alle einig. Und Walter Völkl meint: „Die Kinder, mit denen man Probleme hat, sind oft diejenigen, die ­später auf uns zugehen und sehen, dass man ihnen nur Gutes tun wollte.“ Die anderen nicken. „Die, mit denen man besonders viel arbeiten musste, sind später oft sehr dankbar“, pflichtet Leonhard Lammel bei.

Zwischen den Lehrern bestehe eine „Dienstfreundschaft“ sind sich die Schulmeister nach ­kurzem Überlegen einig. Der Grund für das Treffen und den bestehenden Kontakt sei der gemeinsame Beruf. Es sei eine Mischung aus beruflicher Verbindung und Freundschaft, meint Martin Straub. „Das Schöne ist: Seit zehn Jahren ist das die einzige Form des Zusammenkommens, bei der man nicht unter Zeitdruck steht. Im Schulalltag geht alles schnell und ist nur bedingt planbar. Deshalb freuen wir uns hierauf alle. Es ist zwanglos“, sagt Straub.

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