Schlossbau zeigt den Glauben der Grafen

Auf der Suche nach den „Drei Sternen von Donzdorf“ begaben sich mit Gästeführer Reinhard Kunz elf Interessente im Rahmen des Sommers der Ver-Führungen ins Umfeld des Schlosses.

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Der Park verbindet Schloss und Natur. Reinhard Gunst (3.v.l.) erläutert Besonderheiten des Donzdorfer Schlosses.  Foto: 

Wie kamen die Leute früher darauf, ein Gebäude auszurichten?“ fragte Architekt Reinhard Gunst die Teilnehmer beim Sommer der Verführungen am Donzdorfer Schloss. Der Gästeführer brachte den Zuhörern eine eher ungewohnte Materie nahe, die die Themengebiete Glaube, Astronomie, Mythen, Legenden und Märchen streifte. Am Beispiel der Vierflügelanlage, die die Familie von Rechberg errichten ließen, erläuterte der Fachmann, dass in der Bauweise der Renaissance im Proportionsraster gebaut wurde. „Die Renaissance hat immer den direkten Bezug zur Natur“, sagte Reinhard Gunst und deutete auf den angrenzenden vier Hektar großen Schloss­park. Einst als barocke Gartenanlage entstanden, wurde er Anfang des 19. Jahrhunderts zum englischen Landschaftsgarten umgewandelt.

„Gebäude sind wie Bücher, man kann über die Ausrichtung gewisse Bezüge ableiten“, berichtete der Architekt und betonte: „Beim Betrachten eines Schlosses sollte man nicht nur in die architektonisch-künstlerische Welt, sondern auch in die geistige Welt eintauchen.“ Damit meinte er, dass das 1568 im Auftrag von Hans von Rechberg zu Hohenrechberg zu Illeraichen-Scharfenburg erbaute Donzdorfer Schloss in der Länge aus fünf und in der Breite aus drei Teilen besteht. „Die göttliche Macht, die Trinität, wird in einem Dreieck dargestellt“, erklärte der Gästeführer.

In der Bibel gebe es  verschiedene Beispiele, bei denen Zahlen eine besondere Symbolik haben. Dazu gehöre das Pentagramm, der Fünfstern. „Er verweist auf die Venus, weil sie innerhalb von acht Jahren fünf Mal den erdnächsten Punkt erreicht“. Wenn Astronomen dies berechnen, entstehe ein Fünfstern. Fünf Punkte seien auch auch auf dem Kreuz Christi zu sehen.

Tief im Glauben verwurzelt

„Die Zahl fünf ist sehr tief im Glauben verwurzelt“, erklärte der Gästeführer, der den  Unterschied zwischen Mittelalter- und Planstädten erklärte, auf die Zeitrechnung des julianischen und des gregorianischen Kalenders einging und darauf hinwies, dass es früheren Bauherren wichtig war, ein Gleichgewicht zwischen Architektur und Natur zu schaffen.

„Sterne galten als Zeitmarker“. Man habe nicht nur einfach ein Schloss in die Landschaft platziert, sondern der Stand der Sterne, Sonnenauf- und -untergänge  zu bestimmten Jahreszeiten sei damals von großer Bedeutung gewesen. „Die Langachse des Donzdorfer Schlosses ist durch den Sonnenaufgang an Mariä Lichtmess am 2. Februar und Johanni am 24. Juni entstanden“, erklärte Gunst.

Vom Heldenberg zum Stern

Die zweite Achse wurde  bei Sonnenuntergang  vom Heldenberg (einst Holdenberg) zum gegenüberliegenden Punkt, dem Stern Spica, berechnet. „Die beiden Achsen hatten große Bedeutung im Glauben der Grafen von Rechberg.“

Aufmerksam lauschten die Besucher und nach eineinhalb Stunden war es soweit: Was hat es denn nun mit den drei Sternen von Donzdorf auf sich? „Sie sind neben dem Löwen, der für Macht und Fruchtbarkeit steht, im Stadtwappen zu finden“, schilderte Reinhard Gunst.  Dieses gehe auf ein Dienstsiegel des  Donzdorfer Amtsvogts Dangelmaier von 1773 zurück. Die drei fünfzackigen Sterne beziehen sich auf die Dreiheit von Maria. Der auch „Marienstern“ genannte Himmelskörper ziert auch die Europaflagge – auf blauem Grund, wie in zahlreichen Abbildungen auch Marias Umhang gemalt wurde. So schließe sich der Kreis zwischen Glaube und Gegenwart.

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