Schlaganfallversorgung: Sanitäter wundern sich

Klinik am Eichert lässt Notärzte kein Blut von Schlaganfall-Patienten abnehmen. Abgeschwächte Kreistags-Resolution heißt nur noch „Positionspapier“.

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Am Freitag berät der Kreistag über die Schlaganfallversorgung im Landkreis. Landrat Edgar Wolff und die kreiseigenen Alb-Fils-Kliniken wollen nichts unversucht lassen, um die zentrale Schlaganfall-Einheit doch noch in die Klinik am Eichert zu bekommen. Landessozialminister Manne Lucha (Grüne) hatte entschieden, dass künftig das Christophsbad alleine zuständig ist.

Eigentlich sollte am Freitag eine teilweise recht scharf formulierte Resolution besprochen und möglichst auch beschlossen werden, in deren Entwurf auch Vorwürfe gegenüber der privaten neurologischen Klinik Chris­tophsbad erhoben wurden. Doch am Donnerstag wendete sich das Blatt: Die Resolution heißt nun nicht mehr Resolution, sondern Positionspapier. Auch inhaltlich wurde deutlich abgeschwächt. Zudem wird wohl der Geschäftsführer des Christophsbads, Bernhard Wehde, einige Minuten Redezeit bekommen – was im Kreistag noch nie der Fall war.

Im neuen Positionspapier wird dem Christophsbad weiterhin vorgehalten, bei innerklinischen Notfällen oft den Notarzt zu rufen – der dann an anderer Stelle fehle. Außerdem bekräftigt der Landrat in Richtung des Sozialministers seine Aussage von vor wenigen Tagen und schließt juristische Schritte nicht aus. Und es wird auf die finanziellen Folgen von Luchas Entscheidung hingewiesen: „Die Kompensation des wirtschaftlichen Schadens, der den Alb-Fils-Kliniken aus dem ... Beschluss zu entstehen droht, ist ungeklärt.“

Für Verwunderung unter Rettungssanitätern aber auch im Christophsbad sorgt unterdessen die Klinik am Eichert mit ihrer Vorgehensweise beim Thema Blutentnahmen. Vor vier Jahren, als die mittlerweile gescheiterte Zusammenarbeit der Krankenhäuser bei der Schlaganfallversorgung bekanntgegeben wurde, hieß es noch in einer gemeinsamen Pressemitteilung beider Häuser: „Damit die Zeit von dem Erkennen der ersten Symptome eines Schlaganfalls bis zur Behandlung möglichst kurz ist“, sei eine spezielle Schulung von Notärzten und Sanitätern „besonders wichtig“. Weiter hieß es: „Diese Schulungen umfassen ... die Blutentnahme auf dem Weg zur aufnehmenden Klinik.“

Davon ist heute keine Rede mehr. Zwar wünscht das Christophs­bad weiterhin, dass bereits im Rettungswagen Blut abgenommen wird, damit diese Zeit in der Klinik später eingespart wird. „Das ist eigentlich so besprochen“, sagt Wehde, die Sanitäter seien auch geschult worden. „Das ist eine Forderung der Neurologie, weil sie dadurch Zeit spart“, betont er.

„In anderen Kreisverbänden ist es üblich, dass eine präklinische Blutentnahme erfolgt, bevor eine Infusionslösung angehängt wird, die spätere Laborwerte verfälschen könnte“, berichtet ein Sanitäter. Doch die Klinik am Eichert will es anders: „Wir machen das generell präklinisch nicht“, sagt Pressesprecherin Britta Käppeler. Der Grund liege in einer möglichen Verwechslungsgefahr der Blutbeutel in der Klinik. Das bestätigt auch der Sanitäter: „Die Klinik am Eichert wünscht dieses Verfahren nicht, weil es in ihrem Haus zu Verwechslungen der Blutproben kam. Dies funktioniert in anderen Häusern völlig unproblematisch, da die Blutentnahmen sofort gekennzeichnet werden. So auch im Christophsbad.“

Doch auch im Christophsbad gibt es bei Schlaganfällen keine Blutentnahme im Rettungswagen: Der Chef der Notärzte ist Arzt der Klinik am Eichert. „Und die Notärzte handeln nach den Vorgaben ihres Arbeitgebers“, erzählt ein weiterer Sanitäter.

Haushalt Eine umfangreiche Tagesordnung mit zwölf Punkten hat die Verwaltung an die Kreisräte verschickt. Auf der heutigen Sitzung wird der Haushaltsplan 2018 des Kreises abschließend beraten und beschlossen.

Kliniken Die Geschäftsführung der Alb-Fils-Kliniken berichtet „Aktuelles aus den Kliniken“, danach wird über das Papier zur Schlaganfallversorgung beraten. Schließlich werden die Abfallgebühren 2018/19 festgesetzt und die Abfallwirtschaftssatzung wird geändert.

Uhrzeit Die Sitzung beginnt um 14 Uhr im Hohenstaufen-Saal des Landratsamts. Es ist die letzte Sitzung in diesem Saal, der für einen Neubau abgerissen wird.

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Kommentare

08.12.2017 10:50 Uhr

Schlaganfallversorgung:Sanitäter wundern sich

Das Patientenwohl sollte bei allen Maßnahmen zentrales Leitmotiv sein. Statt dessen, eine widerwärtige und abstoßende Schlammschlacht, die nun öffentlich ausgetragen wird. Überdies - die eine oder andere Aussage im Beitrag, ist schlichtweg nur dämlich !

Alfred Brandner
Rettungsassistent

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