Russischer Zauber beim Schlusskonzert

Mit einem Feuerwerk im doppelten Sinne – musikalisch und real am Nachthimmel – endete das diesjährige Musikfestival auf Schloss Filseck.

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Vorzügliche Interpretationen bot das Festivalorchester bei seinem Konzert am Sonntag im gut besuchten Schlosshof.  Foto: 

In den Genuss eines solchen Programms kommt man nicht oft. Keine eingefahrenen Wege, sondern drei russische Komponisten mit ihrer je eigenen Tonsprache und doch alle irgendwie mit der Romantik verbandelt. Für das Schlusskonzert auf Schloss Filseck hatten sich das Festivalorchester und sein  Leiter Gerald Buß mit Tschaikowskis Ouvertüre „Romeo und Julia“ (1870), Sergei Prokofjews „Klassischer Sinfonie“ (1917) und Nicolai Rimski-Korsakows „Scheherazade“ (1888) ein technisch hoch anspruchsvolles Programm ausgesucht, das jedoch durch seine scheinbare Leichtigkeit einen charmant-schmeichelnden Zauber ausstrahlte.

Die von Tschaikowski in Töne gesetzte Liebesgeschichte von Romeo und Julia, in der die zarte Liebe zweier Jugendlicher von verfeindeten  Adelsgeschlechtern zerstört wird, wurde vom Orchester im lyrischen Empfinden, in der Entfesselung, in der Schwermut sowie in einer spielerischen Eleganz hervorragend umgesetzt. Mit einem verhaltenen, fast zärtlichen Anfang und dabei ganz ausgewogenen Anteil der Instrumentengruppen, bei den virtuosen Unisono-Teilen der Streicher, bei den tänzerischen Teilen, bei der hereinbrechenden Dramatik über einen fast archaisch anmutenden Bläsersatz mit ostinater Pauke bis hin zum steigernden Schluss-Trommelwirbel der Tragödie wurden die Vorzüge des Orchesters hörbar.

Dirigent Gerald Buß hatte großen Anteil an dieser meisterhaften Leistung, die sich auch in den beiden anderen Stücken fortsetzen sollte. Mit einer guten Schlagtechnik wies er den Musikern den Weg, gab feine interpretatorische Impulse und überzog keinesfalls die Tempi, wie man es oft hört. Bei Rimski-Korsakows „Scheherazade“, die durch viele Taktwechsel und harmonische Finessen höchste technische Anforderungen an die Musiker stellte, war dies sehr hilfreich.

Die Geschichte aus „Tausendundeiner Nacht“ beschreibt die tödliche Bedrohung von Scheherazade durch den Sultan, die sie durch Geschichten-Erzählen abwenden kann. Das majestätisch akzentuierte Thema, das den Sultan verkörpert, korrespondierte mit dem Triolen-Thema der Scheherazade, das von der Sologeige der Konzertmeisterin Anca Ionita wie aus einer anderen Welt silbrig-fein, jedoch unüberhörbar und nicht ängstlich  meisterhaft gespielt wurde. Zum Ausdruck des Orientalischen trug ebenfalls das professionelle Solo-Cello mit seinen weichen Tönen und die Harfe mit ihren Arpeggi bei. Das Spiel mit den Tongeschlechtern, die hohe Kunst der Instrumentation der ins Russische übersetzten Orchesterfarben und die auf russischen Liedern und Tänzen basierende leittonfremde Harmonik machten das Werk zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Prokofjew, ein Schüler Rimski-Korsakows, bildete mit seiner ersten Sinfonie das Bindeglied zwischen den beiden. Neoklassizistisch, indem er Haydn-Themen und ihre Kompositionsweise aufnimmt, dann aber lyrisch-heiter und manchmal grotesk ironisiert, stellt er fast Atonales gegen Stilkopien der Wiener Klassik. Er setzt widerborstige Rhythmen gegen klare Flächen, Witz neben Tiefe.

Mit Humor hatte zu Beginn des Abends, der mit einem grandiosen Feuerwerk vor dem Schloss endete, der Vorstandsvorsitzende des Festivals, Johann H. Pfeifer, den Beteiligten seinen Dank ausgesprochen. Den Helfern, Musikern, Mitwirkenden, Sponsoren, Medien – und „Erna“, der Geschirrspülmaschine, dankte er und sagte, zum Publikum gewandt, das reichlich Beifall spendete: „Bleiben Sie uns gewogen.“

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