Römerkastell und Gutshof schon länger bekannt

In der Nähe der Neubaustrecke gibt es viele Zeugen aus der Vergangenheit - etwa ein Kastell bei Hohenstadt und ein römischer Gutshof bei Merklingen.

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Gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus sind die Römer bis in unsere Gegend vorgedrungen. Sichtbares Zeichen ihrer Herrschaft waren ihre Militärbasen. Um die annektierten Gebiete zu sichern, wurden zahlreiche Kastelle errichtet - unter anderem das schon seit Langem bekannte Kastell bei Urspring (Ad Lunam). Vor 13 Jahren haben Mitarbeiter des Landesdenkmalamts aus dem Flugzeug aus ein weiteres Kastell entdeckt - bei Hohenstadt, direkt an der Markungsgrenze zu Merklingen im sogenannten Triangel. Anhand des Bewuchses erkannten die Wissenschaftler drei Seiten des ehemaligen Grabens. Das Militärlager dürfte 45 auf 45 Meter groß gewesen sein und zählte damit zu den kleineren Kastellen. Diese wurden zur Sicherung der Grenze erbaut, nachdem die Römer in den 70er Jahren des ersten Jahrhunderts das Gebiet zwischen Donau und Rhein besetzt hatten. Auf der Schwäbischen Alb bot sich die Hochfläche mit ihrer natürlichen Barriere als Grenze geradezu an.

Das Hohenstadter Kastell gehörte zum sogenannten Alblimes. Dort standen keine Wachtürme oder Palisaden. Vielmehr sicherten die Soldaten die Grenze mit Patrouillengängen. Seinen endgültigen Verlauf erhielt der Limes erst in der Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Damals wurde auch der Alblimes nach Norden ins Remstal verlegt. Spätestens zu dieser Zeit wurden die Kastelle auf der Albhochfläche aufgegeben.

Doch die Römer verschwanden damit noch lange nicht: Nur wenige Meter von der Baustelleneinfahrt zum ICE-Tunnel Widderstall entfernt, befinden sich in einem Wald auf Merklinger Gemarkung die Überreste eines römischen Gutshofs (villa rustica). In Baden-Württemberg gab es Hunderte dieser Bauernhöfe, die für die Versorgung der Provinz eine wichtige Rolle spielten. Um genügend Bauern zu finden, erhielten zahlreiche Veteranen aus dem römischen Heer Land zugeteilt - vielleicht hat sich auch im Merklinger Gutshof ein Soldat nach seiner Dienstzeit niedergelassen. . .

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