Rettungsaktion für ein Juwel

Die Birenbacher Wallfahrtskirche muss saniert werden. Das Dach ist in schlechtem Zusand. Auch sonst nagt an dem Kulturdenkmal der Zahn der Zeit. Bei der 700 000 Euro teuren Sanierung ist die Kirchengemeinde auf Hilfe angewiesen.

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Die katholische Birenbacher Kirche von 1698 bildet mit dem benachbarten Mesnerhaus ein unverwechselbares Ensemble. Der Dachstuhl der Kirche ist bei näherem Hinsehen aber arg marode. Foto: Giacinto Carlucci

Seit 1698 steht sie auf ihrem Platz hoch über dem Birenbacher Ortskern: Die Wallfahrtskirche "Zur schmerzhaften Muttergottes" ist ein Kleinod, das das Ortsbild weithin sichtbar prägt. Doch der Standort auf dem Hangplateau bereitete schon öfter Schwierigkeiten. Feuchtigkeit setzt der Kirche seit jeher zu. Im Jahr 1958 stand sie sogar kurz vor dem Abriss. Damals war der Zustand so erbärmlich, dass eine Reparatur fast aussichtslos erschien. Und doch wagte es die Katholische Kirchengemeinde Wäschenbeuren-Birenbach, die Kirche mit dem stimmigen Barock-Interieur zu retten. In den 90er Jahren folgten ein Anstrich und weitere Reparaturen. Die Kirche bekam eine schmucke neue Orgel.

Irgendwann dazwischen haben die Handwerker dem Bauwerk aber schwer geschadet. Es wurden am Dachstuhl "unsachgemäße Reparaturen vorgenommen", wie es ein Sachverständige beschreibt. Wichtige Teile der Balkenkonstruktion wurden einfach entfernt. An undichten Stellen konnte über Jahrzehnte Wasser eindringen. Balken faulen und haben sich durch den "Weißen Porenschwamm" zersetzt. Ganze Dachabschnitte hängen durch und verschieben sich immer weiter. Schon lange steht fest: Eine Sanierung ist überfällig, wie die Kirchenpflegerin Claudia Merkt-Heer betont. Auf 660 000 Euro wird die Rettung der Bausubstanz beziffert. Dazu kommen gut 50 000 Euro für die dringend nötige neue Heizung mit beheizten Sitzkissen, Heizstrahlern an den Fenstern und Zwangslüftung.

In Zusammenarbeit mit einem Restaurator, einem Biologen, dem Denkmalamt und der Diözese wurde ein Sanierungskonzept auf die Beine gestellt. Auch der Naturschutz spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Der Dachstuhl dient als "Sommerfrische" für fünf bis zehn Fledermaus-Männchen, die in den Zapflöchern wohnen. Auf die Tiere will die Kirchengemeinde Rücksicht nehmen. Gerade eine Kirchengemeinde sollte sich der Verantwortung für das Denkmal und für die Natur stellen, findet Claudia Merkt-Heer. Deshalb werden die Arbeiten in einer Winterbaustelle erledigt.

Die Vorgehensweise in dem Kirchenraum ist nicht ganz einfach. Teile des Dachstuhls müssen angehoben und fachgerecht ergänzt werden. Der Dachstuhl wird neu ausgerichtet. Die Stuckdecke im Kirchenraum muss dazu abgetragen werden. Der Sockel soll saniert und die Drainage überprüft werden, um das leidige Feuchtigkeitsproblem in den Griff zu bekommen. Schließlich bekommt die Kirche im Inneren und Äußeren einen neuen Anstrich - Turm inklusive. Im Spätsommer sollen die Arbeiten beginnen.

Das alles treibt die Kosten in ungeahnte Höhen. Dennoch stellt sich die Kirchengemeinde der Aufgabe, ihre Birenbacher "Filialkirche" zu retten. Spenden sind schon eingegangen: 75 000 Euro haben die Gemeindemitglieder bisher aufgebracht. Zuschüsse gibt es von der Diözese. Am Montag wird das Thema auch im Birenbacher Gemeinderat besprochen, denn die Kirchengemeinde um Pfarrer Tap Phan hofft beim Erhalt des überörtlich bedeutenden Denkmals auf die Unterstützung der Kommune.

Ein ganzes Team der Kirchengemeinde ist in Wäschenbeuren und Birenbach schon für die Kirchenrettung aktiv geworden - mit Marktständen und vielen anderen Ideen. Ein Kalender des bekannten Birenbacher Fotografen Horst Alexy wird verkauft. Außerdem hat die Kirchengemeinde 1000 Kerzen mit dem Motivbild der Kirche und dem Motto der Sanierungsaktion "Gemeinsam - Miteinander" geordert. Die Katholiken wurden mit einem Faltblatt informiert, Spendenbriefe verschickt. Konzerte, Flohmärkte und eine Weinprobe sollen folgen, erklärt Claudia Merkt-Heer. Jeder Euro, der eingenommen wird, muss nicht aus den Rücklagen entnommen werden. "Alle sind aufgerufen, das Kulturdenkmal Wallfahrtskirche zu erhalten." Denn, so heißt es in dem Spendenbrief, "diese Wallfahrtskirche ist ein Juwel."

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