Retterin der Alt-Toris in Estland

Vor 18 Jahren ist Ute Wohlrab nach Estland gezogen und dort berühmt geworden, weil sie eine alte Pferderasse am Leben erhält. Jetzt kommt sie nach Heiningen - als Autorin einer Pferdegeschichte für Kinder.

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Sie kann nur schwärmen von den freundlichen und robusten Alt-Toris: Ute Wohlrab, die von Heiningen nach Estland umgezogen ist, ist in ihrer Wahlheimat eine Berühmtheit. Foto: Privat

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde: Für Ute Wohlrab ist dies auf besondere Weise wahr geworden. Die gebürtige Fränkin, die in Gammelshausen und Heiningen aufgewachsen ist, wurde zur Retterin einer alten Pferderasse. In ihrer Wahlheimat Estland, einem weiten Land mit verstreuten Bauernhöfen, stieß sie auf einen Hengst, der schon für den Schlachthof bestimmt war. Sie nahm ihn einfach mit, befreite ihn aus einem Holzschuppen, in dem er schon wochenlang eingesperrt war, und staunte Bauklötze, dass er ihr folgte "wie ein Schäfchen".

Was sie da für einen Fang gemacht hatte, dämmerte ihr erst allmählich: ein Exemplar der Alt-Toris, die einst für die Kavallerie der russischen Zaren gezüchtet wurden und außer Kurs gerieten, "weil die Esten nur noch Springpferde wollen", klagt sie. "Ganze Zuchtstätten wurden auf Schlacht-Transporte nach Italien verladen", die Pferderasse wurde abgewickelt.

Ute Wohlrab hat gerettet was zu retten war. Ein Gestüt mit 26 Pferden hat sie aufgebaut und einen Verein gegründet, um Mitstreiter zu motivieren. Etwa 200 Tiere gibt es noch, sagt sie. Ihr Pferdehof "Hargo Talu" ist der Kern: "Ich habe den bedeutendsten Bestand der Alt-Toris weltweit." Jetzt kämpft sie dafür, dass die Restbestände der Zucht als eigene Rasse anerkannt werden. Bisher gelten sie nur als aussterbende Zuchtrichtung.

Ihr Einsatz machte sie in Estland berühmt. Ute Wohlrab spricht beim Parlament vor, verhandelt mit dem Landwirtschaftsminister, ist den Esten von Zeitung und Fernsehen bekannt.

Dazu trug auch ein Drama im letzten Sommer bei. Wieder einmal rettete sie Pferde, die in diesem Fall zum Abschuss freigegeben waren. Nämlich ein Hengst und eine Stute, die schon sechs Jahre in freier Wildbahn lebten. Jetzt waren sie der Obrigkeit ein Dorn im Auge. Aber: Die Jäger weigerten sich, die Pferde zu töten, und informierten Ute Wohlrab.

Die war selig. Zwei Alt-Toris standen da vor ihr, sie verliebte sich gleich in den wunderschönen Hengst "Hannes" und adoptierte die beiden "ungeachtet der Scherereien, die mit so etwas natürlich verbunden sind." Das wurde groß im Fernsehen berichtet, als Spitzenmeldung des Tages. Noch ein Glücksfall war es, dass Hannes auch als Zuchthengst erfolgreich war, was eine Tierärztin zuvor nicht für möglich hielt.

Die Geschichte von "Hannes" und "Hanna", wie sie die beiden nannte, inspirierte die Beschützerin der Alt-Toris zu einem Kinderbuch. Erster Erfolg: Eine Bekannte von ihr, die Lehrerin in Berlin ist, nahm das Buch gleich in ihre Schule mit. Jetzt bringt es Ute Wohlrab mit nach Heiningen, wo sie regelmäßig auf Besuch ist. Morgen wird sie im Haus in der Breite daraus lesen. Schreiben lag ihr immer schon, erzählt die 42-Jährige. Schon in Klasse 10 am Freihofgymnasium hat sie einen Wettbewerb gewonnen, trotz der Konkurrenz aus den oberen Klassen. Immer wieder haben ihr Bekannte gesagt: Du solltest ein Buch schreiben.

Mittlerweile hat sie schon das zweite in Arbeit - mit einem völlig anderen Thema. Es handelt vom Glücklichsein - ein zentraler Punkt in ihrem Leben. Sie ist eine, die das schafft, "auch wenn man Katastrophen erlebt und auch mal auf Knien rutschen muss".

Eben mal zwei Bücher schreiben - das passt zu ihr. Ute Wohlrab steckt voller Ideen, sie hat das Abenteuer gesucht. Estland ist das Land ihrer Träume, das sie über einen Schüleraustausch kennengelernt hat. Sie fand hier einen romantischen Bauernhof mitten im Wald, am Ende der Welt, und versorgt in einem 16-Stunden Tag 50 Tiere, von Pferden über Ziegen bis Hund und Katze. Sie schwärmt von der totalen Stille, den funkenlnden Schneekristallen und trotzt der klirrenden Kälte, die das Wasser für die Pferde gefrieren lässt. Alle vier bis sechs Wochen, wenn es der Hofbetrieb zulässt, kehrt sie in die Welt zurück: in die nächste Stadt, nach Tallinn oder nach London, wo ihr Lebensgefährte als Diplomat arbeitet. Um morgen in Heiningen zu sein, hat sie ihrem betagten Golf eine Standheizung angedeihen lassen. Denn es drohen minus 28 Grad - auch für estnische Verhälnisse eine happige Kälte.

Info Ute Wohlrab liest morgen um 15 Uhr im Haus in der Breite in Heiningen aus ihrem Buch "Hannes und Hanna". Der Erlös ist für die Betreuung der beiden Pferde bestimmt. So braucht die lungenkranke Hanna Spezialfutter für ihr chronisches Lungenleiden und Hannes zusätzliche Aufbau-Vitamine.

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Kommentare

02.02.2012 09:41 Uhr

Ute Wohlrab aus Estland

Guten Tag nach Deutschland!

Die Autorenlesung findet am Samstag, den 04.02.2012 um 15.00 Uhr in Heiningen, Haus in der Breite statt. Natürlich ist der Eintritt frei! Ich freue mich auf Sie!

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