Respekt vor dem Ungewissen

Bei Björn Hahn laufen die Fäden für die Organisation des 24-stündigen Hindernislaufs in Uhingen zusammen. Der sportliche Leiter berichtet, wie die Idee entstand und wo Fallstricke lauern.

|
Björn Hahn plant gerne, aber eine Veranstaltung von der Größenordnung des Hindernislaufs ist auch für ihn eine Herausforderung. Ohne ein Team, das schon viel Erfahrung mit dem Organisieren von Sportveranstaltungen hat, wäre er aufgeschmissen.  Foto: 

Der sportliche Leiter des 24-stündigen Hindernislaufs in Uhingen am 23. und 24. September geht ein Wagnis ein: Björn Hahn und seine Helfer wissen nicht, ob das neue Format bei Sportlern und Publikum Anklang findet. Verrückt machen lässt sich der 33-Jährige aber nicht von dieser Ungewissheit. Im Gespräch mit der NWZ erklärt er, wie er mit dem Erwartungsdruck umgeht und wie die Vorbereitungen für die sportliche Großveranstaltung vorankommen.

Herr Hahn, es sind noch zwei Wochen bis zum 24-stündigen Hindernislauf durch Uhingen. Wie ist die Stimmung im Organisationsteam?

Björn Hahn: Momentan gilt, Vollgas geben. Alle Mitglieder des Organisationsteams haben randvolle To-do-Listen.

Um was müssen sich die Leute kümmern?

Der eine streckt nochmal die Fühler nach weiteren Sponsoren aus, der andere klärt, wie die Hindernisse hergebracht und wo sie zwischengelagert werden können. Außerdem sind noch praktische Fragen zu beantworten – wer braucht wo Strom im Festzelt, wie verlegt man die Kabel am besten, wer markiert in der Tiefgarage die Plätze für die Teams, wer packt die Starterbeutel und was kommt hinein.

Wie viele Teams treten denn bei dem Wettkampf an?

Bisher haben sich 35 Teams mit jeweils vier Personen angemeldet. Eines davon sind Ringer aus Ebersbach, zwei kommen vom Sparda-Team in Rechberghausen, die Polizei vom Standort Göppingen tritt mit drei Teams an, ein Team kommt aus Hannover. Dann gibt es ein ganz zusammengewürfeltes Team, mit einem Mitglied aus Schlat und einem aus Heilbronn. Bei manchen kann ich aber gar nicht genau sagen, woher die sind. Die meisten stammen aus Baden-Württemberg.

Wie laufen die Vorbereitungen für den Parcours?

Wir kämpfen gerade ein wenig mit der Beschaffung einiger Hindernisse. Drei Eskaladierwände und eine Negativwand bekommen wir vom Verein „Getting Tough“, der sie in einer Halle in Thüringen lagert. Die müssen wir noch herschaffen, aber das ist nichts, was wir nicht hinbekommen. Momentan geht es darum, wie wir die Sachen von A nach B bringen. Ansonsten melden sich vermehrt Teilnehmer, die noch nie an einem 24-Stunden-Lauf teilgenommen haben und stellen Fragen – etwa, ob sie mit dem Wohnwagen nahe an Start und Ziel parken können. Das geht aber nicht, weil der Platz wegen des Festzelts, der Parkplätze für Anwohner und des Supermarkts begrenzt ist.

Ein 24-Stunden-Lauf wird in Uhingen seit den 90er Jahren ausgetragen. Abgesehen von den Hindernissen und dem Streckenverlauf, wie unterscheidet sich das Rennen am 23. und 24. September von den früheren Läufen?

Der grundsätzliche Ablauf hat sich nicht geändert. Wir stellen eine Laufveranstaltung für den guten Zweck auf die Beine – Kilometer fressen für das Spendenkonto lautet die Devise. Für das Organisationsteam ist neu dabei, dass keiner darin weiß, was die Veranstaltung genau fordert, weil es nichts Vergleichbares gibt. Jedes Mitglied hat neue Aufgaben und muss richtig ranklotzen.

Wie viele Leute helfen Ihnen?

Das Organisationsteam besteht aus acht Personen. Da sind Leute von der Feuerwehr, vom Handels- und Gewerbeverein in Uhingen, vom Sparda-Bank-Team Rechberghausen natürlich, vom Hauptsponsor, der Sparda-Bank, und von der Stadt Uhingen dabei.

Die Teilnehmer zahlen 50 Euro Startgebühr. Dient der Betrag zur Deckung der Unkosten oder wollen die Organisatoren am Rennen etwas verdienen?

Wir wollen einen guten Wettkampf für Zuschauer und Athleten bieten und kein Geld damit verdienen. Es war immer eine Benefiz-Veranstaltung und eben das soll es auf jeden Fall bleiben.

Die Startgebühr erklärt sich dadurch, dass wir die Sportler voll verpflegen. Die Organisation ist so ausgelegt, dass wir Null auf Null rauskommen. Wenn etwas übrig bleiben sollte, dann fließt es in die Planung für nächstes Jahr.

Wie kam es zu der Idee, einen Hindernislauf, der 24 Stunden dauert, zu veranstalten?

Das Organisationsteam bemerkte, dass das Format der reinen Ausdauerläufe in Uhingen nicht mehr so attraktiv für Zuschauer und Sportler war, weil seit 20 Jahren nichts daran verändert wurde. Die Frage lautete also: Was kann man machen, um die Veranstaltung zu verjüngen? Da das Team wusste, dass ich bei Hindernisrennen mitgelaufen bin, kamen sie auf mich zu. Danach fiel die Entscheidung, mich als sportlichen Leiter ins Boot zu holen.

Hatten die Leute im Organisationsteam keine Bedenken, dass ein Hindernislauf zu aufwendig oder finanziell zu riskant ist?

Klar, gab es Bedenken, wie man das mit den Hindernissen hinkriegt, ob es mit der vorgesehenen Strecke klappt und Straßensperrungen genehmigt werden. Letztendlich sagte sich das Team aber: Wenn wir jetzt nicht mutig sind, klappt’s nie.

Was genau ist Ihre Rolle bei der Umsetzung des Hindernislaufs?

Als sportlicher Direktor bin ich derjenige, der das große Ganze im Blick behalten muss. Hindernisse, Anmeldungen, Werbung, Aufbau – eben alle Einzelteile, die eine solche Veranstaltung ausmachen. Meine Arbeit erleichtert, dass ich auf gewachsene Strukturen im Organisationsteam zurückgreifen kann. Das hat immerhin schon 20 Jahre Erfahrung darin, wie es einen 24-Stunden-Lauf auf die Beine stellt.

Haben Sie Angst, dass der Hindernislauf floppt?

Die ist immer da, wenn man etwas Neues anpackt. In Panik zu verfallen, bringt aber nichts. Ich hatte nie Angst zu scheitern, ich habe Respekt vor der Aufgabe.

Im Team ist alles machbar.

Wie gehen Sie mit dem Druck und der Ungewissheit um?

Ich weiß, dass wir Vollgas geben müssen, sonst wird das mit dem Hindernislauf nichts. Mir war auch klar, dass wir ein schlagkräftiges Team brauchen und alle mithelfen müssen. So etwas kann nicht einer alleine und können auch nicht zwei machen, sondern es müssen fünf, sechs oder sieben Leute sein.

Hindernislauf boomt. Der Zuspruch dürfte Sie zuversichtlich stimmen.

Im vergangenen Jahr sind etwa zweieinhalb Millionen Menschen weltweit bei Hindernisläufen gestartet, und in Deutschland gab es über 85 verschiedene Hindernisrennen.

An diesen Zahlen sieht man, dass noch ein Bedarf da ist, Grenzen neu zu definieren. Und ein Hindernislauf über 24 Stunden ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer, als ein normaler Hindernislauf. Wenn man mit so einem Wettkampf auch noch etwas für den guten Zweck tun kann, umso besser.

Björn Hahn ist 33 Jahre alt und lebt mit seiner Verlobten in Nassachmühle bei Uhingen. Er ist ein leidenschaftlicher Sportler, der bei rund 25 Hindernisrennen mitgelaufen ist. Hahn spielt außerdem Tennis und Fußball im Verein. Der Kommunikationsdesigner hat sich vor sechs Jahren selbstständig gemacht und in Stuttgart mit einem Freund eine Agentur für Bewegtbildkommunikation gegründet, die sich auf Werbefilme spezialisiert hat. Björn Hahn ist in Göppingen-Jebenhausen aufgewachsen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

24-Stunden-Hindernislauf

Am 23. und 24. September kämpften in Uhingen die Teams beim 24-Stunden-Hindernislauf durch die Innenstadt um den Sieg.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

28-Jähriger mit Messer schwer verletzt

Ein Beziehungsstreit endete am Mittwochabend in Eislingen mit einer schweren Stichverletzung am Hals. weiter lesen