Reportage: Jetzt ist Großputz in Schulen angesagt

Noch sind Schulferien. Wenn in etwas mehr als zwei Wochen der Schulbetrieb wieder losgeht, haben hunderte von Reinigungskräften in den hintersten Ecken sauber gemacht, wurde renoviert, saniert oder repariert.

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  • Sa-Thema Samstagsthema Schularbeiten in den Ferien 1/4
    Sa-Thema Samstagsthema Schularbeiten in den Ferien Foto: 
  • Andreas Lutz (links) ist in der Bad Boller Heinrich-Schickhardt Gemeinschaftsschule mehr als ein Hausmeister.  Hier packt er gerade zusammen mit seinem Kollegen Markus Biedermann beim Ausräumen an.  2/4
    Andreas Lutz (links) ist in der Bad Boller Heinrich-Schickhardt Gemeinschaftsschule mehr als ein Hausmeister.  Hier packt er gerade zusammen mit seinem Kollegen Markus Biedermann beim Ausräumen an.  Foto: 
  • Im Raichberg-Gymnasium in Ebersbach sorgt eine erfahrene Putztruppe für die gründliche Reinigung der Zimmer und des Mobiliars: Barbara Wallner (Bild mitte) versucht gerade, mit Schwamm und viel Putzmittel den hartnäckigen „Schülernotizen“ auf dem Schultisch den Garaus zu machen. 3/4
    Im Raichberg-Gymnasium in Ebersbach sorgt eine erfahrene Putztruppe für die gründliche Reinigung der Zimmer und des Mobiliars: Barbara Wallner (Bild mitte) versucht gerade, mit Schwamm und viel Putzmittel den hartnäckigen „Schülernotizen“ auf dem Schultisch den Garaus zu machen. Foto: 
  • Daniela Demmel hat im Raichberg-Gymnasium gerade den Computerraum gründlich im Putzvisier. 4/4
    Daniela Demmel hat im Raichberg-Gymnasium gerade den Computerraum gründlich im Putzvisier. Foto: 
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Es ist gespenstisch still im Raichberg-Gymnasium in Ebersbach. Schule und Stille? Passt irgendwie nicht zusammen. Gleichwohl, es sind Sommerferien. Verlassen stehen vereinzelt spezielle Reinigungsmaschinen, Staubsauger sowie diverse Putzutensilien in Fluren oder Zimmern herum.

Ganz leise dringen aus dem Untergeschoss Stimmen nach oben, ab und zu wird gelacht. Scheint ja gute Stimmung zu sein. Im Aufenthaltsraum sitzen acht Frauen und der Hausmeister, machen Frühstück, jemand hat selbstgemachte Marmelade mitgebracht. „Das haben wir uns verdient, wir sind bereits seit sechs Uhr morgens da“, ergreift Daniela Demmel fast wie zur Rechtfertigung das Wort. Muss sie nicht. Denn nach der Pause legen sie wieder los. Jede Reinigungskraft macht zweieinhalb Wochen lang täglich zehn Stunden an den unübersichtlichsten Stellen den Dreck anderer weg. Putzen die Frauen während des Schulbetriebs mehrmals wöchentlich, ist freilich in diesen Wochen wie in jeder Bildungseinrichtung auch im Raichberg-Schulkomplex kollektives Großreinemachen angesagt.

Mit Lappen, Eimern und Besen bewaffnet patrouillieren Reinigungskräfte durch sämtliche Klassenräume, Flure und Toiletten, die werden bis zur hintersten Ecke richtig in Schuss gebracht. Mit Handschuhen an den Händen, Schweiß auf der Stirn kniet Daniela Demmel im Computerraum auf dem Boden und wischt die Drehstühle von oben bis unten gründlich ab. Seit acht Jahren macht die Ebersbacherin ihren Job „anständig und gerne“, wie sie betont. Das liege zudem an der guten Stimmung im Team, man sei per Du, keine spiele sich als Chefin auf und jeder kann, beziehungsweise macht alles – auch die weniger angenehmen Dinge.

Nach dem Motto „sauga, wischa, abstauba und poliera“, strömt das Oktett in verschiedenste Richtungen aus und bezieht die über den Innengang zu erreichende Realschule mit ein. „Fanta und vor allem Cola“, nennt die Reinigungsexpertin die Ursache der zahlreichen Flecken, die sich zuhauf in sämtlichen Größen und Mustern auf dem grauen Teppichboden verteilen. Dieser soll in den Fluren und Hallen die Geräuschkulisse dämmen. Ob’s die Schüler stört? Wohl kaum. So stellte ein Jugendlicher seine Kraft unter Beweis, indem er auf einen 1,5 Liter mit Saft gefüllten Tetra-Pak hüpfte und diesen zum Platzen brachte. Welch ein Spaß – nur nicht für die Raumpflegerinnen. Werden solche zuckrigen Hinterlassenschaften nicht gleich behandelt, bleiben diese Relikte gedankenloser Gymnasiasten oder Realschüler auf immer und ewig sichtbar. Das Wertedenken sei bei manchen abhanden gekommen, das zeige sich bisweilen auch im Vandalismus, merken die Frauen, die ihren Job schon lange machen.

Seit ein paar Minuten scheuert Barbara Wallner mit einem Schwamm über ein und dieselbe Stelle. „Das ist schon mühsam“, sagt sie, „Schriftzüge auf Tischen und Stühlen aus Holz kriegen wir oft nicht ganz weg.“ Mit einem schwarzen Filzstift haben sich einige Schüler künstlerisch wie poetisch ausgelebt, wobei Herzchen, Liedzeilen, Namen oder ein hippes „cool“ noch von der harmlosen Sorte sind. Bisweilen prangen auch nicht jugendfreie Bilder und Sprüche  in fetten schwarzen Lettern auf den Tischen. „Cool“ findet Barbara Wallner die Kritzeleien zwar nicht, doch wozu den jungen Künstlern böse sein? „Kinder sind Kinder. Was soll ich mich da nach 31 Jahren Arbeit noch  aufregen“, sagt sie und wendet sich lächelnd dem nächsten „kreativen“ Werk zu.

Bei der Grundreinigung in den Sommerferien müsse – wie der Name schon sagt – besonders gründlich gereinigt werden. Häufig helfen nur noch Chemiekeulen. „Das ist ganz schön schwere Arbeit. Wenn ich nach Hause komme, tut mir zumindest die ersten Tage alles weh“, verrät Daniela Demmel, während sie minutenlang einen Kaugummi mit der Spachtel bearbeitet. Ganz großes Schulthema: Kaugummi und Klebestreifen. „Die zähe Masse klebt wie blöd, ist genau so hartnäckig und wie alte Tesastreifen, Etiketten oder Reste von Tipp-Ex kaum wegzukriegen.“ Ob Staubsaugen waagrecht oder senkrecht, Fenster putzen, Toiletten schrubben, Böden wischen, engster Bürsteneinsatz zwischen den Heizungsrippen oder Staubentfernung auf den Schränken, die Frauen haben dem Schmutz den Kampf angesagt.

Szenenwechsel: „Geht nicht, gibt’s nicht“, lautet das Lebensmotto von Andreas Lutz. Als Hausmeister kümmert er sich seit Juni 2011 um die Bad Boller Heinrich-Schickhardt-Gemeinschaftsschule, das dazugehörige Gelände sowie die gesamte Technik. Auch in der angrenzenden neuen Mehrzweckhalle behält er den Überblick. Immer, wo es irgendwo etwas zu reparieren gibt, ist er mit Sachverstand und Kreativität sofort zu Stelle, steht auf der Schul-Homepage.

So wie in den ersten zweieinhalb Ferienwochen, in denen sein Arbeitstag um 6 Uhr beginnt und – je nachdem wie’s läuft – zwischen 19 und 20 Uhr endet. Neben den üblichen Reinigungs-, Reparatur- und Handwerkerarbeiten steht heuer die Auflösung der Blumhardt-Förderschule auf dem Programm. „In 56 Jahren hat sich so einiges an Lernmaterial und Möbeln angesammelt“, mussten Andreas Lutz, sein Hausmeisterkollege Markus Biedermann nebst Helfer während des Ausräumens feststellen. Schulgeschichte, die in vier Containern abtransportiert wurde.

Doch auch in den übrigen Fluren sieht es nicht besser aus, dort stapelt sich jegliches Mobiliar aus den Zimmern. Neue Böden, Parkett abschleifen, Wände streichen und viele Renovierungs- oder Reparaturarbeiten. „Wir haben uns in puncto Bodenbelag bewusst für das Naturprodukt Linoleum entschieden.“ Zur Unterstützung bei umfangreichen Reinigungsarbeiten beschäftigt er einen Subunternehmer seines Vertrauens, ist der gröbste Schmutz weg, erledigen die eingespielten Putzfrauen den Rest. Während die beiden Hausmeister die Stühle aufeinander stapeln, schauen Thomas Schnell und Viola Knogler vorbei. Kontrolle? Mitnichten. Der Schulleiter und seine Stellvertreterin wollen noch einiges besprechen, haben stets großes Vertrauen in die Arbeit der beiden Männer.

Insbesondere Andreas Lutz ist bei weitem nicht der Prototyp eines Hausmeisters. Als Techniker kümmert er sich um die elektronische Schließanlage, programmiert die Transponder, kennt sich im Sanitär- und Heizungsbereich aus, trifft seine Entscheidungen zum Wohle der Schule. Dass alles läuft wie es läuft, obliegt seiner Verantwortung. In seinem Büro plant und koordiniert er die nötigen Arbeiten in den Sommerferien und ist in erster Linie als Ansprechpartner für alle Handwerker vor Ort. „Das erleichtert vieles und garantiert einen reibungsloseren Ablauf“, weiß das Multitalent.

Ob Auskunft, Disponent, Gärtner, Glaser, Heizer, Klempner, Maler, Monteur, Reinemachekraft, Schließer, Schlosser, Tischler, Wachschutz, Warenannahme, Winterdienst – alle diese Berufe führt Andreas Lutz als Hausmeister mit Leib und Seele aus.

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