Reportage: Die Faszination Fliegen erleben

Einmal in einem Segelflieger mitfliegen – das war bei einem Schnupperkurs der Fliegergruppe Donzdorf auf dem Messelberg möglich.

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  • Mitglieder der Fliegergruppe Donzdorf halfen den Schnupperkursteilnehmern vor dem Start des Segelfliegers. Im Cockpit vorne ist der Pilot und Vorsitzende der Fliegergruppe Donzdorf, Dennis Sanner, zu sehen. 1/3
    Mitglieder der Fliegergruppe Donzdorf halfen den Schnupperkursteilnehmern vor dem Start des Segelfliegers. Im Cockpit vorne ist der Pilot und Vorsitzende der Fliegergruppe Donzdorf, Dennis Sanner, zu sehen. Foto: 
  • Ganz nah an den Wolken: Beim Segelfliegen ist die Aussicht auf das Filstal atemberaubend. 2/3
    Ganz nah an den Wolken: Beim Segelfliegen ist die Aussicht auf das Filstal atemberaubend. Foto: 
  • Nach einem Segelflug mussten die Segelflieger per Hand wieder in die Startposition manövriert werden. 3/3
    Nach einem Segelflug mussten die Segelflieger per Hand wieder in die Startposition manövriert werden. Foto: 
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Es ist ein Samstagmorgen, 9.30 Uhr. Etwa 20 Leute – vom Jugendlichen bis zum 60-Jährigen –  haben sich in der Fliegerhütte auf dem Flugplatz Messelberg bei Donzdorf eingefunden. Die Gruppe ist neugierig und gespannt, sie will heute einen außergewöhnlichen Tag erleben. Denn bei dem  Schnupperkurs, den die Fliegergruppe Donzdorf 1928 in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen Albershausen, Donzdorf, Göppingen und Schurwald bereits zum zweiten Mal anbietet, können die Teilnehmer jeweils mit einem erfahrenen Piloten mitfliegen – egal, ob in einem Segelflugzeug, einem Motorsegler oder in einem Ultraleichtflugzeug.

„Einmal die Faszination des Fliegens mit einem kleinen Flugzeug erleben“, meint einer der Gäste der Donzdorfer Fliegergruppe auf die Frage, warum er sich für den Schnupperkurs zum Thema Segelfliegen angemeldet hat. Neugierde wird auch von vielen anderen bei der Vorstellungsrunde genannt, einige haben das Angebot auch als Geburtstagsgeschenk erhalten. „Ich will mal gucken, ob das was für mich ist“, meint ein Teilnehmer. „Vielleicht kommt die Fliegerei ja als Hobby infrage.“

Genau dies ist auch der Grund, weshalb die Fliegergruppe Donzdorf diesen Schnupperkurs anbietet. „So findet ein erster Kontakt zum Verein statt“, erklärt Kursleiter Günther Stübler. „Die Leute können ganz unbedarft einmal in die Fliegerei reinschnuppern, und vielleicht können wir so den einen oder anderen für die Faszination des Fliegens gewinnen.“ Denn wie viele andere Vereine auch kann die Fliegergruppe Donzdorf noch Nachwuchs gebrauchen. Im vergangenen Jahr fand erstmals ein solcher Schnupperkurs statt. Dieser wurde so ein Erfolg, dass er in diesem Jahr wiederholt wurde und auch im kommenden Jahr wieder angeboten werden soll.

Drei Segelflugzeuge, zwei Ultraleichtflugzeuge und zwei Motorsegler samt Piloten und Schleppflugzeugen hat der Verein an diesem Samstag bereitgestellt, um die Gruppe auf den Geschmack am  Fliegen zu bringen – und zwar eine ganz andere Art der Fliegerei, wie man sie von den großen Passagiermaschinen her kennt.

Doch bevor es hoch hinaus in die Luft geht, gibt  Günther Stübler erst einmal einen kurzen Einblick in die Geschichte der bemannten Fliegerei. So erfahren die Kursteilnehmer beispielsweise, dass die heutigen Segelflieger alle aus Kunststoff sind, während sie früher aus Holz gefertigt wurden. Am Schnuppertag werden die Flugzeuge mithilfe eines Motorflugzeuges auf eine Höhe von etwa 600 bis 700 Metern gezogen – immer gegen den Wind. „Auf unserem Flugplatz gibt es keine Seilwinde. Generell gibt es aber auch die Möglichkeit, statt mit einem Schleppflugzeug mit einer Seilwinde hochgezogen zu werden. Das ist am Anfang schon spektakulär mit der Seilwinde“, verrät der Kursleiter, der seit 1980 fliegt und einer von sieben Fluglehrern der Fliegergruppe Donzdorf ist. „Früher wurden die Segelflieger übrigens allein mit Manneskraft auf die gewünschte Flughöhe gebracht.“ Und Günther Stübler macht den Teilnehmern Hoffnung. Den beim Segelfliegen obligatorischen Fallschirm habe er bis jetzt noch nie nutzen müssen.

Dann geht‘s auch schon raus auf den Flugplatz. Die ersten Mutigen können entweder in einem Segelflieger oder einem Motorsegler Platz nehmen. „Ich empfehle, mal mit einem Motorsegler mitzufliegen. Das ist ein sehr angenehmes Fliegen“, sagt Günther Stübler noch. Die Ultraleichtflugzeuge kommen dagegen nicht für alle Schnuppergäste infrage: Maximal 80 Kilo Gewicht sind erlaubt.

Zunächst werden den einzelnen Fluggästen die Fallschirme angelegt. Die Mitglieder der Fliegergruppe sind um alle Teilnehmer des Schupperkurses sichtlich bemüht, stehen jederzeit für Fragen bereit und erklären einem genau den Ablauf vor dem Flug. So wie Pilot Dennis Sanner aus Donzdorf. Der Vereinsvorsitzende der Fliegergruppe Donzdorf hilft beim Einsteigen in den engen Segelflieger, vor dem Start gibt es noch einen Check des Flugzeugs. Auch eine Tüte für den Mageninhalt, falls einem schlecht werden sollte, ist vorhanden.

Und dann geht‘s auch schon in die Luft. Der Start per Schleppflugzeug ist sanfter als erwartet. Nachdem der Segelflieger dann vom Schleppflugzeug ausgehakt worden ist, wird es ringsherum auch leise. Die Aussicht auf Donzdorf und ins Filstal ist fantastisch, der Flug entpuppt sich als angenehmes Gleiten. Nur wenn der Segelflieger beschleunigt und dafür etwas an Höhe verlieren muss, kommt ein leicht mulmiges Gefühl auf – ähnlich wie bei einer Achterbahnfahrt. Das gilt auch, wenn Kurven geflogen werden. Beim Segelfliegen spürt man halt die Kräfte, die auf einen wirken.

Für Christina Wirth aus Donzdorf war es das erste Mal, dass sie in einem Segelflugzeug mitgeflogen ist. „Das war schon aufregend. Kein 08/15-Tag. Einfach etwas ganz besonderes.“ Sie habe zwar auch ein mulmiges Gefühl gehabt und beim Fliegen auch den Magen gespürt, „aber ich habe mich trotzdem total sicher gefühlt. Angst hatte ich keine.“ Schupperkursteilnehmer Jens Watjen meint nach dem Flug: „Ich habe gedacht, dass ich Angst bekommen werde, hatte aber dann keine. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich überlege tatsächlich, ob ich das als Hobby machen soll.“

Und auch der erfahrene Pilot und Ausbildungsleiter der Fliegergruppe, Günther Stübler, ist nach all seinen Jahren als Flieger nach wie vor davon fasziniert. „Die Starts sind wie eine Sucht“, erzählt er.

Segelfliegen ist ab 14 Jahren erlaubt

Regeln In Deutschland dürfen Segelflugzeuge bis zu 3000 Meter hoch fliegen. Die Schwäbische sowie die Fränkische Alb gelten als sehr gutes Gebiet für Segelflieger, weswegen es in der Region viele Flugplätze gibt. Nach vier bis fünf Jahren Flugerfahrung können mit einem Segelflieger Strecken bis zu 500 Kilometern zurückgelegt werden, berichtet Günther Stübler von der Fliegergruppe Donzdorf. Alleine ein Segelflugzeug steuern darf man übrigens ab 14 Jahren. Voraussetzung ist eine Tauglichkeitsbescheinigung von einem Fliegerarzt. Günther Stübler schätzt, dass das Hobby Segelfliegen in einem Verein wie der Fliegergruppe Donzdorf zwischen 1000 und 2000 Euro im Jahr kostet, je nach Häufigkeit der Flüge mit den vereinseigenen Flugzeugen. Bei stärkerem Regen wird übrigens nicht geflogen, genauso wenig im im Winter.

Infos Weitere Infos gibt es im Internet unter www.fliegergruppe-donzdorf.de. msc

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