Renovierung der Degginger Heilig-Kreuz-Kirche

Die Degginger Pfarrkirche Heilig Kreuz steht ohne ihre Spitze da: Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurde am Dienstag mit einem Kran die Turmzier abgenommen, damit einige Sparren ersetzt werden können.

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  • Schwindelfrei muss man sein, um in 36 Metern Höhe zu arbeiten: Auf dem linken Bild wird ein neuer Gratsparren nach oben gebracht, und zwar mit dem 60-Meter-Kran (rechtes Bild oben). Pater Felix nimmt derweil die abgenommene Turmzier in Augenschein. Fotos: Markus Sontheimer 3/3
    Schwindelfrei muss man sein, um in 36 Metern Höhe zu arbeiten: Auf dem linken Bild wird ein neuer Gratsparren nach oben gebracht, und zwar mit dem 60-Meter-Kran (rechtes Bild oben). Pater Felix nimmt derweil die abgenommene Turmzier in Augenschein. Fotos: Markus Sontheimer
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Auf der Degginger Hauptstraße gab es am Dienstag kein Durchkommen mehr: Ein riesiger Turmfaltkran mit einer Hubhöhe von 60 Metern versperrte dem Verkehr den Weg. Dafür bekamen die Degginger eine spektakuläre Baumaßnahme zu sehen: Mit dem Kran wurde die jahrhundertealte Spitze vom 36 Meter hohen Turm der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche geholt. Viele Schaulustige verfolgten, wie die 72 Kilogramm schwere Turmzier mit Kugel, Kreuz und Wetterhahn langsam nach unten schwebte. Mit von der Partie waren auch der zweite Vorsitzende des katholischen Kirchengemeinderats, Reinhard Probost, sowie Architekt Karl Heinz Harder.

Beide hofften, in der Kugel Dokumente früherer Zeiten zu finden. Doch Pech gehabt: Als die Zimmerleute der Kuchener Firma Holzbau Stahl die verrosteten Eisenträger von der verfaulten Eichenspitze abnahmen und die Kugel öffneten, kam nur ein Vogelnest aus Moos zum Vorschein. "Das war wohl nix mit dem Kirchenschatz", frotzelte Harder. Probost wurde dennoch fündig: Er sammelte schnell fürs Archiv die geschmiedeten Nägel ein, mit denen die Vorfahren einst die Träger ans Holz geheftet hatten.

Seit November wird der rund 800 Jahre alte Turm der Pfarrkirche Heilig Kreuz renoviert. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich enorme Wasserschäden an der Dachkonstruktion. Im Innern waren einige Balken und Sparren derart verfault, dass sie ersetzt werden mussten. Nachdem die Zier gestern abgenommen war, fingen die Zimmerer an, die vier sogenannten Gratsparren auszutauschen. So nennt man die schräg nach oben verlaufenden Sparren, die das Turmdach zusammenhalten. Unterstützt wurden die Holzexperten bei ihrer Arbeit in schwindelnder Höhe vom Kranführer der Firma Scholpp aus Stuttgart. Per Funk gaben die Zimmerer dem Kranführer in seiner Kabine in 35 Metern Höhe genaue Anweisungen, sodass dieser jeden einzelnen Sparren zentimetergenau an die vorgegebene Position hievte.

In den nächsten Tagen wird die Turmspitze verschalt und nach Osten soll das Dach wieder mit Schieferplatten eingedeckt werden. Bis dahin wird die Turmzier von der Firma Hörz aus Biberach restauriert und auf Hochglanz gebracht. Die bekannte Turmuhrenfabrik hat auch die Uhren der Kirche repariert und die Joche aus Metall, an denen die fünf Glocken der Heilig-Kreuz-Kirche hängen, aus Eichenholz ersetzt. Dadurch soll das Geläut einen klarereren Klang bekommen, erklärt Reinhard Probost, der sich eingehend mit der Geschichte und Bauweise der Kirche befasst hat. Der Turm stammt aus der Frühzeit der Gotik - "so um das Jahr 1300", schätzt Probost. Eine genauere Datierung erhofft er sich durch eine Altersbestimmung anhand der Jahresringe von ausgetauschten Balken. Die Untersuchung läuft derzeit noch.

Neben den Arbeiten an der Turmspitze wird in dem ersten Bauabschnitt der Kirchenrenovierung auch das Mauerwerk selbst saniert. Einige Tuffsteine sowie der Fries auf Höhe der Dachrinne des Kirchenschiffs sind bereits herausgenommen worden und müssen ersetzt werden. Der Turm wurde an seiner Ost- und Westseite mit einem Hochdruckreiniger abgestrahlt. Die schadhaften Stellen der verputzten Südseite werden derzeit restauriert - wie im Original wird dabei auch Sand aus der nahegelegenen Fils verwendet.

Läuft alles nach Plan, so wird laut Probost im Juni mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen. Dann wird das Anfang des 18. Jahrhunderts anstelle der kleineren Vorgängerkirche erbaute Kirchenschiff von außen renoviert. Es bekommt einen neuen Anstrich und vor allem neue Schutzverglasungen für die barocken Fenster.
 


Sanierung kostet 750.000 Euro - Spendenkonten eingerichtet


Die Kosten für die Kirchenrenovierung belaufen sich auf rund 750.000 Euro. Von der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es einen Zuschuss von etwa 240.000 Euro. Auch vom Land wird eine Förderung erwartet, deren Höhe noch nicht bekannt ist. Für den Rest muss die katholische Kirchengemeinde Deggingen selbst aufkommen.

Die Kirchengemeinde hat schon damit begonnen, Gelder für die Sanierung anzusparen. Wie Reinhard Probost erklärt, habe man etwa bei Konzerten Spenden gesammelt und die Gottesdienstbesucher an den "Silbersonntagen" um eine besondere Gabe gebeten. Außerdem wurden Spendenkonten unter dem Stichwort Kirchenpflege eingerichtet: Konto Nr. 7579004 bei der Volksbank Deggingen (BLZ 610 912 00) und Konto Nr. 16057638 bei der Kreissparkasse Deggingen (BLZ 610 500 00).

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