Reh und Waschbär verwüsten Eislinger Garten

Rehe, die Kohlrabi fressen und ganze Gärten umgraben, Waschbären, die faul Mittagsschlaf halten und nachts Terrassen verwüsten: In einem Eislinger Wohngebiet haben die Tiere des Waldes Einzug gehalten.

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Plage aus dem Wald: Eine Anwohnerin im Eislinger Norden hat dieses Reh fotografiert, das sich genüsslich über ein Frühbeet hermacht.  Foto: 

Warum mühsam im Wald zusammensuchen, was im Nordwesten Eislingens verzehrfertig, abwechslungsreich und frisch serviert wird? Zwei Nächte dauert es, bis die Rehe ganze Arbeit geleistet haben: Dann ist ein Garten durchschnittlicher Größe einmal umgegraben. Was die Besitzer im Schweiße ihres Angesichts gesät, gepflanzt und gepflegt haben, ist weg - aufgefressen von den Waldbewohnern. Und die ungebetenen Gäste kommen nicht allein: Auch Waschbären halten Einzug in dem Gebiet um Weingartenstraße, Kelterstraße und Höhenweg.

"Es kann doch nicht sein, dass man in einem ganzen Straßenzug nichts mehr im Garten anbauen kann", schimpft Karl-Heinz Kottmann. Der Koch und Besitzer des "Schönblick" berichtet, dass er für sein Restaurant 100 Rosenstöcke hat - "in diesem Jahr tragen sie 80 Prozent weniger". Seit rund fünf Jahre seien die Rehe schon zugange und in jedem Jahr würden es mehr Tiere. Bis zu 20, werde gemunkelt, streiften mittlerweile regelmäßig durch die Gärten. Jedes Jahr bekämen die Geißen Nachwuchs und die weiblichen Tiere blieben zusammen im größer werdenden Rudel. Die Gruppe halte sich am hinter den Straßen liegenden Hang auf unbewirtschafteten Grundstücken auf und sei "mittlerweile recht zutraulich".

Erst recht in Rage gerät der Gastronom, wenn er vom weiteren "Ungeziefer" berichtet, das regelmäßig auftaucht: Waschbären. "Es gibt Leute, die füttern die sogar, das ist eine Unart." Und die possierlichen Raubtiere seien wesentlich frecher als die Rehe: "Bei uns kommen die Waschbären in den ersten Stock auf den Balkon und verwüsten alles." Für Kottmann ist klar: "Da muss man Lebendfallen aufstellen, sie dann im Wald laufen lassen und erschießen." Bei Nachbarn hätten die Tiere sogar die Terrasse komplett unterhöhlt, so dass sie eine neue bauen mussten. "Das ist Ungeziefer und die Rehe gehören da nicht her."

Kottmann hat das Gefühl, dass die Anwohner und ihre Sorgen nicht ernst genommen werden. "Ich habe schon mehrfach bei Jägern, dem Ordnungsamt, dem Landratsamt und der Kreisjägerschaft nachgefragt - überall bekommt man zu hören, dass man nichts machen kann." Dabei sei die Lösung doch ganz einfach, zumindest bei den Rehen: "Da könnte doch der Jäger mit dem Hund ein paar Mal durchlaufen, dann wäre die Sache erledigt."

Nachbarschaft greift zur Selbsthilfe

Ganz so einfach stellt sich die Sache für den Leiter des Eislinger Ordnungsamts, Winfried Reifenschweiler, nicht dar: "Man kann ja auch nicht den Hund von der Leine lassen, dass der dann wild den Rehen hinterherspringt." Er gibt zu, die ganze Problematik sei "nicht einfach" und leider seien die Rehe "nicht mehr so scheu, wie sie mal waren". Reifenschweiler versichert: "Wir sind da noch dran, uns mit dem zuständigen Jagdpächter und dem Förster zu unterhalten." Er habe aber erst jetzt die Privatnummer des Jägers bekommen und der sei schwierig zu erreichen.

Die Nachbarschaft greift unterdessen zur Selbsthilfe. "Eine Nachbarin hat jetzt einen 1,40 Meter hohen Zaun gebaut - aber das ist doch keine Sache", meint Kottmann. Zudem sie gehörig Abstand zu den Beeten halten müsse, weil die Rehe den Zaun sonst eindrückten, um an die leckeren, jungen Kohlrabi zu gelangen. Womöglich dabei beobachtet von den drei Waschbären, die am helllichten Tag in einem von Kottmanns Bäumen vor sich hindösten.

Derweil übt sich der Koch in Sarkasmus. Er befürchtet, dass die Eislinger Tierwelt bald noch mehr Zulauf bekommt: "Als nächstes kommen dann die Wildsäue."

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