Rache an den früheren Chefs

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War es Rache einer ehemaligen Mitarbeiterin? Oder haben die Angeklagten gekonnt die richtigen Entlastungszeugen präsentiert? Am Ende stand vor dem Amtsgericht Göppingen gestern jedenfalls ein Freispruch. Erleichterung bei dem Ehepaar, das eine Hundepension betreibt und wegen Tierquälerei angeklagt war.

Nachdem Staatsanwalt Ekkehard  Freund sowie die Verteidiger Markus Kaißer und Jörg Lohmann Freisprüche gefordert hatten, folgte Richterin Saranya  Yoneswaran den Plädoyers. Freund gab sich zuvor zerknirscht: „Es drängt sich sehr, sehr stark auf, dass die Staatsanwaltschaft benutzt wurde.“ Benutzt von einer früheren Mitarbeiterin der Hundepension, der während der Probezeit gekündigt worden war und die anschließend noch einen Mietstreit mit dem Ehepaar wegen eines Hauses ausfocht.

Die Tierschutzorganisation „Peta“ war es schließlich, die eine umfangreiche Anzeige erstattete, es ging unter anderem um „erheblich verdreckte“  und unbeheizte Räume, Ratten im Haus, eingesperrte Tiere, die auch noch zu wenig Futter bekommen haben sollen – „um die Kot-Ausscheidung zu minimieren“. Außerdem sollen Hunde getreten und geschlagen worden sein.

Dabei gab es gestern durchaus belastende Aussagen, die nicht von der Ex-Mitarbeiterin, einer gelernten Zoofachverkäuferin,  stammten. Etwa von einer Apothekerin aus Göppingen, deren Dogge nach drei Wochen in der Hundepension rund zehn Kilo abgenommen haben soll. „Ich durfte mir das Haus vorab nicht anschauen“, berichtete die Zeugin gestern. Der Ehemann – er gab seinen Beruf als „Erziehungsberater für Hunde“  an und ist in dem kleinen Unternehmen bei seiner Frau angestellt – soll über einen der beiden Hunde der Apothekerin gesagt haben, dieser sei „respektlos“.

Obwohl von ihr gewünscht, sei auch niemand mit ihrer großen Dogge spazieren gegangen. „Er sagte, das würde er sich nicht antun“, erzählte die Frau und schimpfte: „Das ist keine artgerechte Tierhaltung.“ Schließlich sei zu den 900 Euro für die Pension noch eine Tierarztrechnung in Höhe von 300 Euro für die abgemagerte Dogge hinzugekommen.

Drei weitere Hundebesitzer zeichneten allerdings ein ganz anderes Bild von der Hundepension. Eine Ärztin, ein Rentner und eine Hausfrau, die ihre Tiere seit Jahren in die Obhut des Ehepaars geben, berichteten von großer Zufriedenheit und keinerlei Missständen. Auch gingen ihre Hund immer gerne in die Pension.

In einer vom Blatt abgelesenen Erklärung hatte die Chefin der Einrichtung, eine gelernte Sekretärin, Punkt für Punkt versucht, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu entkräften. Weder werde ein schädliches Duftmittel versprüht, noch würden die Hunde 16 Stunden oder länger eingesperrt. Auch gebe es immer ausreichend Wasser und Futter. Dass bei der Dogge der Apothekerin etwas schiefgelaufen war, räumte sie aber ein: Dem Tier habe das Futter anfangs nicht gereicht, da hätten sie sich mit der Menge verschätzt gehabt.

„Dem Hund hat’s nicht gefallen in der Hundepension“, resümierte auch der Staatsanwalt – und fügte hinzu: „Den anderen Hunden hat es aber gut gefallen.“ Richterin Yoneswaran hatte bei bestimmten Punkten zwar „widersprüchliche Aussagen“ festgestellt. Für sie war aber klar: Das Ehepaar ist „im Zweifel freizusprechen“.

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