Prüfungsprojekt Kinderhospiz

An den Werkrealschulen im Landkreis haben die Projektprüfungen begonnen. Uhinger Schülerinnen haben das Thema Hospiz gewählt und schon 600 Euro Spenden für ein Kinderhospiz in Stuttgart gesammelt.

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Celine Schneider (re.), Nadine Keßler und Michelle Kienle (sitzend) haben das Thema Hospiz und Kinderhospiz für ihre Projektprüfung an der Hieberschule gewählt.  Foto: 

"Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben." Dieser Leitsatz des Stuttgarter Hospizes hat Nadine Keßler, Michelle Kienle und Celine Schneider zutiefst beeindruckt. "Das bedeutet, man soll jeden Tag genießen und das beste daraus machen", hat Nadine für sich gelernt. Die 14-Jährige und ihre Mitschülerinnen haben sich im Rahmen ihrer Projektprüfung an der Werkrealschule in den vergangenen Wochen mit einem Thema auseinandergesetzt, das für viele Menschen tabu ist: die Begleitung von Menschen, die an der Schwelle zum Tod stehen. Die intensive Beschäftigung mit dem Thema Hospiz und Kinderhospiz hat bei den Schülerinnen der Uhinger Hieberschule einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

"Das war schon ein harter Brocken", sinniert Nadine. Auch für die betreuende Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin Claudia Leber ist das durchaus kein alltägliches Thema für eine Prüfung. Schulleiter Uwe Schwalm ist immer wieder erstaunt ob der Vielfalt und des hohen Anspruchs der Projekte, die die Schüler auswählen. Die Themen decken nahezu alle Bereiche ab - von Biologie über Geschichte und Geographie bis zur Beschäftigung mit asiatischen Kampfsportarten. Wie ein Film entsteht, beschäftigt Schüler ebenso wie die Umweltverschmutzung oder ein Ruheraum für die Ganztagesschule.

Die Projektprüfung ist ordentlicher Teil der Hauptschulabschlussprüfung und die Note wird sowohl im Versetzungszeugnis am Ende der neunten Klasse als auch im Abschlusszeugnis der Haupt- und Werkrealschule ausgewiesen. Die Vorbereitung beginnt bereits Anfang des Schuljahres, erklärt Uwe Schwalm. Dabei werden erste Ideen entwickelt, Schüler tun sich zusammen, schwärmen aus und suchen einen Lehrer, der ihr Projekt betreut.

"Wir haben mal im Unterricht davon gehört", begründet Celine ihre Themenwahl. Anfang Februar begann an der Hieberschule die Vorbereitung auf die Prüfung. Recherchieren, planen, gliedern - fachliche, methodische, personale und soziale Kompetenzen sind gefragt, erläutert Uwe Schwalm. Wie arbeiten die Schüler zusammen, sind sie in der Lage, ein Thema zu erfassen, Fakten auszuwerten, sauber zu zitieren. "Vor allem müssen sie lernen, die erarbeiteten Inhalte zu präsentieren", erklärt der Schulleiter.

Celine, Nadine und Michelle sind tief in die Materie eingestiegen. Sie haben sich mit der Geschichte der Kinderhospize auseinandergesetzt, Statistiken gewälzt und die Unterschiede zwischen ambulanten und stationären Hospizen herausgearbeitet. Und sie haben sich vor Ort im Stuttgarter Hospiz informiert, das um ein Kinderhospiz erweitert werden soll. Ein Besuch, der nachhaltige Wirkung haben sollte. "Wir sind mit einem mulmigen Gefühl hingegangen", berichten Nadine und Celine. Sie habe Angst gehabt, dass da ein Toter ist, sagt Michelle. Aber alle drei seien angenehm überrascht gewesen von der hellen und freundlichen Atmosphäre in dem Haus und den Menschen, die dort ihre letzten Wochen und Tage verbringen. "Trotz ihrer Krankheit haben sie gelächelt", sagt Nadine tief beeindruckt. Im Abschiedsraum, den sie ebenfalls besichtigen dürfen, fließen dann doch Tränen.

Im Interview mit einer der Leiterinnen, das sie gefilmt haben, erfahren die Mädchen von der geplanten Erweiterung der Stuttgarter Einrichtung um ein stationäres Kinderhospiz. "Jährlich sterben in Deutschland 5000 Kinder an einer Krankheit", haben die Schülerinnen gelernt. Die Betreuung der Kranken und ihrer Familien bis über den Tod des Kindes hinaus habe sie tief berührt, berichten sie. Als sie erfuhren, dass es für das Kinderhospiz keine staatlichen Gelder gibt, reifte ein Entschluss.

Mit Spendenhäusern im Gepäck kehrten die drei zurück nach Uhingen. Die Kässchen wurden in Geschäften aufgestellt - mit mäßigem Erfolg, wie die drei einräumen. Aber damit wollten sie sich nicht zufrieden geben und entschlossen sich, in persönlichen Schreiben um Spenden für das Kinderhospiz zu bitten. Ein Sponsorenbrief wurde verfasst und verschickt. 607 Euro sind bis jetzt zusammengekommen, berichten die Schülerinnen in der Prüfung.

Diese haben sie nun hinter sich gebracht. Erleichterung nach einer schlaflosen Nacht und einer kalten Dusche am Morgen gegen das Lampenfieber. Das Thema Kinderhospiz ist für Celine, Michelle und Nadine aber noch nicht gegessen. Die Spendensammlung geht weiter bis zur Feier zur Verleihung des Allgaier-Schulpreises. Dort wollen die drei mit einem Infostand präsent sein und die Spendenkasse aufbessern.

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