Prominenz will Brücken schlagen

Die Evangelische Akademie Bad Boll schaut mit Sorge nach Osten. Mit einer Tagung über den Ukraine-Konflikt will sie Brücken bauen. Dazu kommen Altkanzler Schröder, Erhard Eppler und Günther Beckstein.

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Spricht in Bad Boll über Deutschland und Russland: Altkanzler Gerhard Schröder.  Foto: 

Die Evangelische Akademie Bad Boll will den Diskurs über Deutschland und Russland wieder aufnehmen, den sie vor etlichen Jahren begründet hat. Jetzt unter schwierigen Umständen: "Mögliche Expansionsbestrebungen Russlands, die Ostausdehnung von EU und Nato, ein neuer Nationalismus, die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine und die dadurch in Gang gesetzt Spirale von Gewalt, Drohungen und Sanktionen lassen fragen: Droht 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges eine Wiederauflage der Ost-West-Konfrontation?" So beschreibt Tagungsleiter Wolfgang Mayer-Ernst die Situation.

Erneut kommen zwei große alte Männer der SPD nach Bad Boll, die hier schon im Jahr 2006 über Putin und das deutsch-russische Verhältnis gesprochen haben. Um die Neuauflage musste sich der Tagungsleiter nicht groß bemühen. Denn Eppler, der der Akademie eng verbunden ist, habe seinen Freund Schröder dafür gewonnen. Der habe sich in der Debatte auch schon zu Wort gemeldet, sagt Mayer-Ernst. Der Altkanzler, der für den Dialog mit Russland wirbt und für Moskaus Ängste Verständnis hat, wählt ein Thema, in dem die Ukraine erst einmal nicht vorkommt: "Deutschland und Russland - Perspektiven für Frieden und Stabilität in Europa". Der Tagungsleiter ist gespannt, was er zu sagen hat. Eppler will sich dagegen um das Echo in den Medien kümmern, das der Ukraine-Konflikt ausgelöst hat - und zwar in West und Ost. Sein Ansatz: "Muss die Wahrheit schon vor dem Krieg sterben?" Zum ersten Mal in Bad Boll ist Günther Beckstein, Ex-Ministerpräsident von Bayern. Was ihn hierher führt: Er ist Leiter des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing und befasst sich mit der Weltpolitik. Er ist dabei, wenn debattiert wird: Wo ist Russlands Platz im gemeinsamen Haus Europa? Das ist auch für den Tagungsleiter das Leitbild, im Sinne der Völkerverständigung, die immer schon Aufgabe der Akademie war. "Ich hoffe, dass wir Brücken schlagen können."

Dazu muss man erst mal wissen, was eigentlich los ist in der Ukraine. Ein Gang durch die Geschichte soll Aufklärung bringen, woher die ausgebrochene Feindschaft zwischen den einstigen Brudervölkern rührt. Eine Augenzeugin des Maidan-Kampfes, die Frau des evangelischen Pfarrers in der Kirchengemeinde St. Katharina in Kiew, wird berichten, was die Menschen dort umtreibt. Mayer-Ernst will auch erfahren, wie die russische Bevölkerung tickt. Und was mit der dortigen Zivilgesellschaft ist.

Vor neun Jahren war der russische Botschafter in Bad Boll. Diesmal gibt es keine ausländischen Gäste. Das zeigt die Situation: Auf deutscher Seite müsse man erst einmal den Blick für die Verhältnisse bekommen, sagt Mayer-Ernst.

Die IHK sitzt mit am Tisch, weil sie wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland will, und der frühere Stadtdekan von Stuttgart, Hans-Peter Ehrlich, der sich um die Partnerschaft zwischen Stuttgart und Samara kümmert. Die hat auch den Tagungsleiter Mayer-Ernst, früher Pfarrer in Stuttgart, mehrfach zu Jugendbegegnungen an die Wolga geführt.
 



Info Für die Tagung "Im Osten nichts Neues?" vom 8. bis 10. Mai an der Akademie Bad Boll gibt es noch freie Plätze. Anmeldung bis zum 30. April unter Telefon: (07164) 79-233.

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