Polizei setzt Reiterstaffel im Kampf gegen Wohnungseinbrüche ein

Erstmals setzt die Polizei im Landkreis Göppingen berittene Polizisten im Kampf gegen Wohnungseinbrüche ein. Zwei Polizisten hoch zu Ross sind auf Aufklärungstour im Gebiet des Uhinger Polizeireviers. Mit einem Kommentar von Karin Tutas.

|
Viele Sympathien für Ross und Reiter: Im Gebiet des Uhinger Polizeireviers sind Birgitt Ruoff (links) und Roman Kayser von der Stuttgarter Polizei-Reiterstaffel unterwegs, um Aufklärungsarbeit in Sachen Wohnungseinbrüche zu leisten. Unser Foto entstand auf dem Ebersbacher Kauffmann-Areal.  Foto: 

"Was ist denn hier los?", der junge Mann traut seinen Augen nicht, aber er hat richtig gesehen: berittene Polizei zur besten Einkaufszeit am frühen Abend in der Ebersbacher Innenstadt. Auf dem Kauffmann-Areal bildet sich sofort eine Menschentraube, als Roman Kayser und seine Kollegin Birgitt Ruoff mit ihren Pferden auf dem Parkplatz erscheinen. Vor allem Milendo erobert die Frauenherzen im Sturm. Ein echter Charmeur ist der siebenjährige Württemberger, der wie sein "Kollege" Unisono aus dem Landesgestüt Marbach stammt und in Diensten der Polizei-Reiterstaffel Stuttgart steht.

Pferde und Reiter sind in dieser Woche in einer besonderen Mission in den Kommunen im Einzugsgebiet des Polizeireviers Uhingen unterwegs. Erstmals setzt die Polizei im Landkreis Göppingen die Reiterstaffel im Kampf gegen die Wohnungseinbrüche ein. 200 Fälle hat die Polizei in den ersten zehn Monaten dieses Jahres gezählt. "Das sind doppelt so viele wie 2013", sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm, Rudi Bauer. Und dies, obwohl die Polizei in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Maßnahmen den Einbrechern den Kampf angesagt habe. "Wir reagieren mit verstärkten Streifenfahrten und intensiver Aufklärung der Bevölkerung", erklärt Bauer.

Polizei setzt auf aufmerksame Bürger

Die schärfste Waffe, um den Dieben, die jetzt in der dunklen Jahreszeit wieder verstärkt unterwegs sind, Herr zu werden, sind jedoch aufmerksame Bürger, sagt der Leiter des Uhinger Polizeireviers, Jürgen Ringhofer. Erst im Oktober ist eine neunköpfige Diebesbande dank eines aufmerksamen Nachbarn ins Netz gegangen. Deshalb gelte es, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, wachsam zu sein. Dies gelinge mit dem "Sympathieträger Pferd" sehr gut und deutlich besser als etwa durch eine Vervielfachung der Streifenfahrten, sagt Ringhofer, der die Idee hatte, die Reiterstaffel einzusetzen. Wobei der Reitereinsatz in dieser Woche die Streifenfahrten nicht ersetzen, "sondern etwas zusätzliches obendrauf sind", betont der Revierleiter.

Noch bis morgen sind Roman Kayser und Birgitt Ruoff im unteren Filstal und im Voralbgebiet unterwegs, vorzugsweise in Gebieten, die in jüngster Zeit häufig von Wohnungseinbrechern aufgesucht wurden, zum Beispiel Roßwälden und die nördlich der Bahnlinie gelegenen Wohngebiete in Ebersbach.

Aufklärung und Prävention

Diebe aufzuschrecken oder zu jagen hat bei dem Einsatz der berittenen Polizisten jedoch nicht Priorität, obwohl die Beamten hoch zu Ross natürlich gut über Hecken und Mauern sehen können. Das vorrangige Anliegen ist die Aufklärung und Prävention: Die Polizisten raten wachsam zu sein und verteilen Flyer. "Sobald Hufgeklapper ertönt, gehen die Rollläden hoch und die Leute kommen aus dem Haus", berichtet Roman Kayser. Auch bei Begegnungen auf der Straße ist das Eis schnell gebrochen, die Menschen scheuen sich nicht, die Beamten anzusprechen. Als die Polizisten sagen, weshalb sie hier sind, sprudelt es nur so. Das Thema Wohnungseinbrüche beschäftigt die Bürger. "Das ist wirklich schlimm, was da abgeht", sagt Thea Hess. Die Büchenbronnerin ist ganz aus dem Häuschen und knuddelt die Pferde. Milendo genießt die Streicheleinheiten mit sichtlichem Vergnügen und lässt keinem Flirt aus. "Ja, der ist schon richtig cool für sein junges Alter", sagt sein Reiter schmunzelnd.

Die beiden Rösser legen in dieser Woche ein beachtliches Pensum zurück. Am Mittwoch durchstreiften sie Zell und Aichelberg, heute ist die Reiterstaffel in Albershausen, Schlierbach und Bünzwangen präsent und morgen in Boll, Dürnau und Gammelshausen. "Aber die sind konditionell gut drauf", sagt Roman Kayser. Der Einsatz in solchen Alltagssituationen sei für die Pferde, die bei Großereignissen und Demonstrationen auf die Straße müssen, aber ein gutes Training.

Ein Kommentar von Karin Tutas: Charmante Idee

Die Zahlen sind bedrückend: In den ersten zehn Monaten dieses Jahres hat die Polizei im Landkreis Göppingen doppelt soviele Wohnungseinbrüche gezählt wie im selben Zeitraum 2013. Und dabei hat die dunkle Jahreszeit gerade erst begonnen. Da ist es kein Wunder, wenn sich Bürger zunehmend unsicher fühlen. Die Vorstellung, dass Fremde in den persönlichen Schutzraum eindringen, Wertgegenstände und Geld stehlen, macht Angst. Der Ruf nach verstärkter Polizeipräsenz liegt nahe. Die Göppinger Polizei reagiert nach eigenen Angaben mit verstärkten Streifenfahrten an Brennpunkten. Jedoch die Diebesbanden agieren oft hochprofessionell, selbst noch so viele Streifenfahrten können Einbrüche nicht verhindern. Darauf weisen die Ermittler zu Recht immer wieder hin. Nicht zu unterschätzen ist im Kampf gegen die unerwünschten Besucher eine intensive Aufklärung und Information. Und da hat die Göppinger Polizei in den vergangenen Jahren eine vorbildliche Arbeit geleistet. Mit dem Einsatz der Reiterstaffel im unteren Filstal und im Voralbgebiet gehen die Ordnungshüter neue Wege. Eine charmante Idee, die offenbar den gewünschten Effekt erzielt: die Bürger dafür zu sensibilisieren, achtsam zu sein. Ross und Reiter gewinnen schnell Sympathien und Hemmschwellen werden abgebaut. Das Vertrauen in die Polizei stärkt das Sicherheitsgefühl und ist im Kampf gegen die Diebe nicht zu unterschätzen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Im Handwerk fehlt der Nachwuchs

Kurzfristig einen Handwerker zu finden, werde immer schwieriger, beklagen Kunden. In den Gewerken jedoch fehlen Mitarbeiter und vor allem Auszubildende, sagen Insider. weiter lesen