Pilotprojekt im Kreis: Bürger für Lärmschutz

Die Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung hat in Salach die Ergebnisse der Bürgerbefragung zum Lärmsanierungskonzept "Leise(r) ist das Ziel!" öffentlich vorgestellt. Jetzt beginnen die Verhandlungen.

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Neben dem Lärm auf der Straße leiden die Bürger in Süßen, Salach und Eislingen auch stark unter dem Verkehr auf der Schiene. Vor allem die laut ratternden Güterzüge bringen die Bürger um ihre Ruhe.  Foto: 

Derzeit gibt es keinen verbindlichen Schutz vor Lärm an bestehenden Straßen und Schienenwegen. Nach Ansicht des Stuttgarter Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur ist Verkehrslärm aber eines der derzeit drängendsten Umweltprobleme. Die Landesregierung möchte hier daher auf eine Änderung des Bundesrechts hinwirken. Dazu soll auch das Modellprojekt in Eislingen, Salach und Süßen beitragen. Dr. Gisela Splett: "Wir als Land versprechen uns hier wertvolle Erkenntnisse." Sowohl das Bundesumwelt- als auch das Bundesverkehrsministerium hätten an den praktischen Erfahrungen aus dem Modellprojekt bereits Interesse bekundet, freut sich die Staatssekretärin im Stuttgarter Verkehrsministerium.

An einer sechswöchigen Online-Umfrage zu den Lärmquellen in den drei teilnehmenden Kommunen beteiligten sich in diesem Sommer 1861 Bürger. 174-mal wurden im Rahmen dieser Befragung sogar konkrete Anregungen und Verbesserungsvorschläge gemacht. "Sie waren so konstruktiv, dass man damit etwas anfangen konnte", freut sich Christian Popp vom Lärm-Kontor in Hamburg, von wo aus die Umfrage betreut wurde. 70 Prozent der Teilnehmer beklagten die Straße als Lärmquelle, 16 Prozent den Schienenverkehr. Das Gewerbe spielt mit vier Prozent in dieser Hinsicht praktisch keine Rolle. Als Hauptursache des Verkehrslärms vermuteten die Nutzer des Angebots zu hohe Geschwindigkeiten. Als weitere Gründe wurden eine steigende Verkehrsmenge und die Verkehrsführung genannt. Speziell prangerten einige Bürger Motorräder und Lkw als besondere Krachmacher an.

Die Anregungen bekommen nun ein Ortskürzel und fließen in die weitere Bearbeitung durch die Gutachter ein. "Die Vorschläge gehen also nicht verloren, sondern werden auf ihre Umsetzungsmöglichkeit geprüft", verspricht Dr. Udo Weese, Leiter der Geschäftsstelle Lärmschutz im Landesverkehrsministerium. Die Bürger würden auf jeden Fall von der neuen Herangehensweise bei der Lärmaktionsplanung profitieren. Dies wird auch als Grund für die rege Bürgerbeteiligung angesehen, von der sich alle Projektpartner positiv überrascht zeigten. Süßens Bürgermeister Marc Kersting sieht das Projekt als große Chance für alle drei beteiligten Gemeinden an.

Insbesondere begrüßt Kersting den Blick über den kommunalen Tellerrand hinaus: "Wenn eine Straße zurückgebaut wird, dann so, dass die Belastung nicht einfach in die Nachbarkommune verlagert wird." Dies sei von entscheidender Bedeutung, gerade im Mittleren Filstal, wo das Siedlungsband praktisch durchgehend sei. Der Süßener Schultes lobt: "Es wird nach der Lösung gesucht, die die größte Entlastung für die meisten Bürger bringt." Weiteres Plus aus seiner Sicht: "Es beteiligen sich alle Baulastträger." Die Verhandlungen zwischen Bund, Land, Landkreis sowie den drei Kommunen über die jeweilige Beteiligung beginnen Ende November.

Das Interesse an der Informationsveranstaltung "Leise(r) ist das Ziel!" war verhalten. Nur rund 50 Besucher verloren sich in den Reihen der Salacher Stauferlandhalle. Neben den Ergebnissen der Bürgerbefragung wurden auch erste Vorschläge für Lärmminderungsmaßnahmen vorgestellt.

Info: Eine EU-Umgebungslärmrichtlinie macht zur Pflicht, Lärmproblemen mittels Lärmaktionsplänen zu begegnen.

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