Opfer der Verhältniswahl

Geschafft! Insgesamt 204 Kandidaten sind in die 15 Ratsgremien der Umlandgemeinden im GZ-Verbreitungsgebiet gewählt worden. Die Auszählung dauerte bis zum Montagnachmittag an.

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Der Überflieger der Gemeinderatswahl 2014: Neuling Philipp Elwert wurde mit Riesenvorsprung Stimmenkönig in Böhmenkirch.

Die größte personelle Umwälzung fand erwartungsgemäß im Nellinger Gemeinderat statt. Weil dort sieben Ratsmitglieder nicht mehr zur Wahl standen, rücken nun sieben Neue (oder 58 Prozent) in das zwölfköpfige Gremium nach. Sinnbild für den Generationswechsel ist Jens Windmüller, der in die Fußstapfen seiner Mutter Ursula tritt, die nicht mehr kandidierte.

In Bad Überkingen ist Eugen Zoller aus Unterböhringen neuer Stimmenkönig und löst damit Werner Straub ab. Die CDU-Liste bekam fast 1000 Stimmen mehr als die Bürgerliche Wählervereinigung, dennoch bleibt es bei sieben Sitzen im Gremium. Genauso viel hat die BWV, die bislang durch ein Ausgleichsmandat einen Platz mehr im Gremium hatte. Von den aktuellen Ratsmitgliedern wurde Holger Zilian nicht mehr gewählt, dafür sitzen vier Neue am Ratstisch.

Paukenschlag in Wiesensteig: Mit Helmut Poloczek und Thomas Straub sind zwei langjährige Mitglieder aus dem Stadtrat geflogen. Ob sie aufgrund ihrer positiven Haltung zum umstrittenen Baumwipfelpfad nicht mehr gewählt wurden, ist rein spekulativ. Schließlich verpasste auch der Gegner des Projekts, Andreas Pohl, deutlich den Sprung ins Gremium. Poloczek und Straub wurden vielmehr Opfer der Verhältniswahl, nach der sich die Sitzverteilung an der Gesamtstimmenzahl der Fraktionen orientiert. Die Bürger für Wiesensteig bekam als neue Liste auf Anhieb die meisten Stimmen, was zu Lasten der beiden anderen Fraktionen ging. Aus diesem Grund verpassten Poloczek wie auch Straub einen Ratssitz, obwohl sie mehr Stimmen als andere Gewählte bekamen. Besonders bitter kam es für Straub - er erhielt exakt so viel Stimmen (nämlich 505) wie sein Listenkollege Gerhard Kober, der ins Gremium einzog. Doch weil die Freien Kandidaten ihre Liste nach dem Alphabet aufstellten, bekam nach dem Kommunalwahlgesetz der weiter oben platzierte Kober den Vorzug.

Von null auf 100 - so kann man den Wahlerfolg von Dr. Stefan Geis in Deggingen umschreiben. Der Neukandidat hängte mit 3052 Stimmen auf Anhieb alle Mitbewerber ab. Im Gegenzug verloren durch die Reduzierung der Sitze von 18 auf 15 langjährige Räte ihr Mandat - darunter Peter Kaißer, Josef Weber, Jürgen Schmidt, Michael Frauenstein und Gabriela Wissinger.

Eng ging es in Bad Ditzenbach her. Dort eroberten vier Neue einen Platz am Ratstisch - und zwei amtierende Gemeinderäte mussten dafür weichen: Andreas Späth und Günter Burkhardt. Letzterem fehlten ganze zwei Stimmen, um erneut in das Gremium gewählt zu werden.

In Kuchen hält mit Joachim Abel erstmals die Liste Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat Einzug. Bei der SPD fällt die Verjüngung auf. Die Gemeinderäte Fritz Teichgräber und Hans-Martin Wischnath haben nicht mehr kandidiert, neu sind Ursula Däumling und Hansgeorg Rösch. Außerdem ist die SPD-Fraktion kleiner geworden. Bei der Freien Wählervereinigung gehen Walter Buchsteiner und Markus Maier, neu ist hier Sebastian Steck. Die CDU hat einen Sitz hinzugewonnen (Sebastian Steck).

In Gingen hat die Piratenpartei zwar Stimmen gesammelt, für den Einzug in den Gemeinderat hat das aber noch lange nicht gereicht. An Sitzen blieben alle drei Fraktionen gleich stark. Zwei neue Gesichter gibt es mit Bernd Groeneveld und Lena Albrecht bei der UWG-FW.

Acht Sitze hat der Gemeinderat in Mühlhausen und genau so viele Bewerber traten auf der Liste der Freien Wähler an. Wie nicht anders zu erwarten, wurden alle gewählt. Weitere Besonderheit: Es gab nur eine Liste. Sollte einer der neuen Gemeinderäte vorzeitig aufhören, kommt als Nachrücker einer jener Mühlhausener zum Zuge, die die Wähler als "Sonstige" auf ihre Stimmzettel geschrieben haben.

In Drackenstein sind fünf der acht Räte neu und alle drei bisherigen Gemeinderäte, die sich wieder aufstellen ließen, wurden wiedergewählt. Für die Verjüngung ist wohl das Neubaugebiet verantwortlich.

Auch in Westerheim wird man viele neue Gesichter im Ratssaal sehen. Die Hälfte der zwölf Gemeinderäte wurde neu gewählt. Bei der CDU hat sich Matthias Rehm nicht mehr aufstellen lassen, bei der ULB waren es Finny Staudenmayer, Achim Moser, Hermann Rehm und Dietmar Fromm. Der bisherige Gemeinderat Werner Balzen steht als Nachrücker bereit. Die Aktiven Bürger mit Hermann W. Tappe gewannen einen Sitz dazu.

Einen Umbruch gabs im Böhmenkircher Gemeinderat: Da nicht weniger als neun der insgesamt 19 Räte (darunter auch etliche politische Schwergewichte) nicht mehr zur Wahl antraten, erhöhte das die Chancen für die neuen Kandidaten. Und die nutzten das mit zum Teil spektakulären Ergebnissen: So stürmte der erst 31-jährige Philipp Elwert mit 3562 Kreuzchen auf den Wahlzetteln (und einem Vorsprung von satten 1306 Stimmen vor dem Zweitbesten) auf Anhieb auf den Gipfel der Wählergunst.

In Amstetten war mit Spannung erwartet worden, wie die Bürgernahe Liste (BNL) abschneiden würde. Aus Protest gegen die umstrittene Bahnunterführung (und den vom Gemeinderat abgelehnten Bürgerentscheid) vor der Wahl 2009 gegründet, musste die BNL nun zeigen, ob sie auch im politischen Tagesgeschäft punkten kann. Mit einem deutlichen Stimmengewinn gegenüber 2009 (von 7246 auf 7714 Stimmen) hat die BNL das eindrucksvoll bewiesen.

Die Lonseer streiten schon seit Jahren, ob die unechte Teilortswahl (nach der jedem Ortsteil eine bestimmte Sitzzahl im Gemeinderat garantiert ist) noch Sinn macht. Der Wahlsonntag hat die Zweifler einmal mehr bestätigt: Beim Kumulieren und Panaschieren übersahen viele, dass sie ihren Kandidaten nur eine gewisse Anzahl (und nicht mehr) Stimmen geben durften. Vor allem in den Ortsteilen habe das dazu geführt, dass bis zu 30 Prozent der Stimmzettel ungültig waren, bilanziert Wahlleiter Arwed Greiner.

In Hohenstadt fällt derweil die deutlich gesunkene Wahlbeteiligung ins Auge: 2009 gingen noch 68,3 Prozent zur Urne, diesmal waren es nur noch 57.5 Prozent. Die "Wahlmüdigkeit" ist schnell erklärt: "Daran sind meine Österreicher Schuld", weiß Bürgermeister Günter Riebort. Bekanntlich hat Hohenstadt mit der Schnellbahntrasse auf einen Schlag rund 100 "Neubürger" aus der Alpenrepublik gewonnen. Die Tunnelbauspezialisten beleben zwar den Ort und die Region - das Interesse am kommunalpolitischen Geschehen hält sich bei ihnen dagegen offensichtlich in Grenzen: "Dabei habe ich denen noch Dampf gemacht, dass sie unbedingt wählen gehen sollen", konstatiert der Schultes mit einem Augenzwinkern. . .

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