Färber will auf dem direkten Weg nach Berlin

Das Ziel ist klar: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Färber will das Direktmandat im Kreis Göppingen verteidigen. Der Landwirt sieht das Feld in seinem Wahlkreis dafür gut bestellt.

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Für Hermann Färber geht die Wahlkampftour allmählich zu Ende. Er setzt darauf, dass die Wähler seinen Einsatz für den Kreis Göppingen mit ihrer Erststimme honorieren. Ein sicherer Platz auf der Landesliste war für Färber nie ein Thema.  Foto: 

Endspurt im Wahlkampf. Zeit zum Durchatmen bleibt Hermann Färber in diesen Tagen kaum. Selbst in seiner Zentrale, seinem Wahlkreisbüro in Süßen, ist der Tagesablauf eng getaktet. Gespräche hier, Telefonate da – und natürlich die Bürgersprechstunde. Die ist Färber heilig. Wer in anderer Sache einen Termin hat, muss im Zweifel ein paar Minuten warten. Als die Tür seines Büros aufgeht, verabschiedet sich der Bundestagsabgeordnete mit Handschlag und freundlichen Worten von zwei Frauen, begleitet sie zum Ausgang. „Bürgernähe ist mir sehr wichtig“, sagt Färber, „die Menschen sollen mit ihren Anliegen zu mir kommen. Deshalb haben wir unser Büro ein Süßen eingerichtet, an einem zentralen Ort im Landkreis.“

Zurück an seinem Besprechungstisch liegt der Fokus des Volksvertreters sofort wieder auf der bevorstehenden Bundestagswahl. Für den Böhmenkircher, der vor vier Jahren erstmals für den Bundestag kandidiert hatte, heißt es wie schon 2013 hopp oder top: Der Weg nach Berlin führt einzig und allein übers Direktmandat – und diesen Weg geht Färber ganz bewusst. „Einen Listenplatz habe ich wie schon damals nicht angestrebt. Ich sage ganz bewusst: Wer mich will, der muss mich mit der Erststimme wählen, eine andere Möglichkeit gibt es nicht“, erläutert der 54-Jährige: „Die Menschen wählen mich ja nicht nur deshalb, weil ich Hermann Färber heiße. Sie müssen schon auch etwas von dem spüren, was ich mache.“ Und genau daran will er gemessen werden.

Auch wenn der Wahlkreis Göppingen traditionell eine Domäne der Union ist: Es sei alles andere als eine Selbstverständlichkeit, dass er – Färber – wie 2013 die Mehrheit der Erststimmen auf sich vereinige, sagt der Abgeordnete. 49 Prozent waren es damals. „Jeder Politiker, der meint, es sei alles schon gelaufen, lebt nicht in der realen Welt“, betont Färber: „Ich bin von Beruf Landwirt. Ich sage immer: Wir standen schon mit dem Mähdrescher auf dem erntereifen Feld – und dann kam noch der Hagelschlag.“

Ob er sich in diesem Kontext wünscht, dass endlich wieder Sachlichkeit den Wahlkampf beherrscht und nicht populistische Parolen von rechts? Färber nippt bedächtig an einer Tasse Kaffee, ehe er zur Antwort ansetzt. „Ich hätte mir gewünscht, dass das Ganze nicht zu sehr abgleitet“, sagt er. Was manche unter Fair Play verstehen, bekamen die etablierten Parteien – von den Linken bis zur CDU – in den vergangenen Tagen zu spüren, als mutmaßliche AfD-Sympathisanten viele Wahlplakate mit Störklebern zupflasterten. „Da geht es nicht ums Respektieren von fremdem Eigentum, so etwas tut man einfach nicht.“

Auf Färbers Stirn legen sich tiefe Denkerfalten, sein Blick ist ernst. Plötzlich blitzen seine Augen auf, über sein Gesicht zieht sich für einen Augenblick ein Lächeln. Allen populistischen Störfeuern zum Trotz zählt Färber auf die Vernunft der Menschen, auf die Raison der großen Mehrheit, auf die Kraft der Demokratie – auch wenn ihm der Flächenbrand, der in den vergangenen Wochen entfacht worden sei, große Sorgen bereite, wie er gesteht.

Die große Frage sei am Sonntag, ob der Wähler wolle, dass Deutschland den Kurs der vergangenen zwölf Jahre fortsetzt – „berechenbar, erfolgreich, einflussreich“ – oder ob man sich auf ein Abenteuer einlasse mit „ultrarechten oder ultralinken Elementen“ und dann sehen müsse, was dabei rauskomme. „Jeder Wähler hat die Verantwortung für seine Stimme. Auch wenn er sie nicht abgibt, trägt er die Verantwortung dafür“, sagt Färber.

Genau auf diese Verantwortung setze er. „Egal wie das Ergebnis lautet: Der Wähler wird nicht irren. Er wird spüren, was richtig und falsch ist.“ Es reiche nicht, Parolen in den Saal zu brüllen, ohne Antworten geben zu können. Er sei „riesig stolz“ darauf, dass in Deutschland der Wähler frei entscheiden dürfe wer regiert und nicht „irgendwelche dunklen Elemente“.

Im selben Maße müssten aber auch die etablierten Parteien zur Selbstreflexion bereit sein, sollten die extremen Kräfte bei der Wahl weiteren Auftrieb erhalten. „Da müssen wir uns dann fragen: Haben wir etwas falsch gemacht? Haben wir es versäumt, etwas rüberzubringen? Haben wir Alternativen übersehen?“

Das Feld in seinem Wahlkreis sieht Färber indes gut bestellt. „Ziel ist es doch, dass die Region wettbewerbsfähig bleibt oder wettbewerbsfähiger wird“, erklärt er, „die Menschen müssen eine Perspektive haben, damit sie nicht abwandern, weil es nicht mehr attraktiv ist, hier zu leben.“ Vor allem die Themen Infrastruktur und Verkehrswegebau – B 10, B  66 sowie A 8 – waren darum Färbers Arbeitsschwerpunkte in seiner ersten Legislaturperiode. „Da sind wir in den vergangenen vier Jahren in Berlin einen Riesenschritt vorwärts gekommen“, erzählt Färber. „Vor vier Jahren war völlig offen, ob die B 10-Umgehung von Gingen überhaupt jemals freigegeben wird oder nicht. Nun wird sie im neuen Jahr freigegeben. In Süßen war Spatenstich, die B 466-Umgehung ist nun mittlerweile seit einem Jahr befahren. Und mit der B 10 neu bis Geislingen Mitte sind wir im neuen Verkehrswegeplan wieder mit vorn dabei“, zählt der Bundesparlamentarier auf. „Nur Geislingen Ost liegt noch weiter hinten. Aber wenn uns das Land nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht, kriegen wir das auch noch durch.“

Der Ausbau der A 8 schließlich sei vor vier Jahren kein Thema mehr gewesen, betont Färber. Im neuen Bundesverkehrswegeplan gehört das Projekt „Albaufstieg“ nun zu den fest disponierten Projekten. „Die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Stuttgart ist mit der neuen Landesregierung schon einfacher“, konstatiert Färber, „aber man muss solche Straßen trotzdem bauen und nicht verhindern wollen.“

Biografie Hermann Färber kam am 26. März 1963 als jüngstes von fünf Kindern einer Landwirtsfamilie in Böhmenkirch zur Welt. Er wuchs dort auf, besuchte die Grund- und Hauptschule und später die Fachschule für Landwirtschaft. Färber ist verheiratet mit Ehefrau Irene, das Ehepaar hat fünf Kinder.

Beruf Färber machte zuerst eine Ausbildung zum Landmaschinen-Mechaniker, danach zum Landwirt, ehe er den elterlichen Hof übernahm. Seit 1990 ist Färber Landwirtschaftsmeister. Der Betrieb der Familie bildet auch aus. Seit 1999 ist Färber Vorsitzender des Kreisbauernverbands, davor war er bereits elf Jahre im Vorstand. Seit 2006 gehört er dem Geschäftsführenden Vorstand des Landesbauernverbands an. 2013 kandidierte Färber erstmals für den Bundestag und holte das Direktmandat im Wahlkreis Göppingen. Färber ist außerdem im Aufsichtsrat der Buchstelle LBV sowie im Beirat der Kreissparkasse Göppingen.

Politik Der heute 54-Jährige trat 2012 in die CDU ein, seit 2016 ist er stellvertretender Kreisvorsitzender. Zuvor hatte Färber bereits von 2004 bis 2009 der CDU-Kreistagsfraktion angehört. Im Bundestag ist Färber Mitglied im Petitionsausschuss sowie im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft.

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