Trinkwasser: Nitratwerte im grünen Bereich

Zu viel Dünger: Umweltbundesamt warnt vor dem Schadstoff im Trinkwasser. Im Landkreis wird der Grenzwert nirgends auch nur annähernd erreicht.

|

Mehr als ein Viertel des Grundwassers in Deutschland ist mit zu viel Nitrat belastet. Deshalb warnt das Umweltbundesamt vor steigenden Wasserpreisen wegen der aufwendigen Entfernung des Schadstoffs, der voll allem durch übermäßige Düngung mit Gülle ins Grundwasser gelangt. Im Kreis Göppingen liefern verschiedene Versorger das Trinkwasser – doch bei allen liegen die Nitratwerte derzeit deutlich unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Babynahrung sollte in der Regel aber mit dem örtlichen Trinkwasser nicht zubereitet werden, hier liegt der Grenzwert bei 10 Milligramm und wird fast immer überschritten.

Die Nitratbelastung des Trinkwassers der Energieversorgung Filstal (EVF) liege im Schnitt bei rund 25 Milligramm pro Liter, berichtet Wassermeister Thorsten Altmoos. Aufbereitet oder von Nitrat gereinigt werden muss das Wasser nicht. „Das ist so, wir machen da nichts“, sagt Altmoos.

Sogar für Babynahrung geeignet ist das Wasser, das aus der Nassachquelle kommt: Zwischen 2010 und 2016 lag der Durchschnittswert hier bei 6,3 Milligramm. Etwa ein Drittel des Göppinger Stadtgebiets bekommt dieses Wasser, zwei Drittel bezieht es von der Landeswasserversorgung, die ihre Quellen im Donauried hat. Hier lag der Nitratwert im vergangenen Jahr bei 23,3 Milligramm. Die EVF betreut auch Gemeinden, die eigenes Wasser fördern, im Landkreis sind dies Schlat (6,3 Milligramm Nitrat pro Liter) und Gingen. Hier schwankt der Wert zwischen 7,5 und 21 Milligramm, je nachdem, ob das Wasser aus den Quellen oder dem Tiefbrunnen kommt.

Es gibt aber noch weitere Versorger im Landkreis. So zum Beispiel den Zweckverband Eislinger Wasserversorgungsgruppe, der sein Wasser aus den Pumpwerken Eislingen und Süßen sowie von der Landeswasserversorgung und der Kornberggruppe bezieht. Während die Kornberggruppe Wasser mit einem Nitratgehalt von 13 Milligramm liefert, liegen die anderen Werte bei etwas mehr als 20 Milligramm. Der Verband liefert Wasser nach Eislingen, Süßen, Salach, Ottenbach und in Teilgebiete der EVF in Göppingen. Die Kornberggruppe versorgt meist Gemeinden im Vor­albgebiet und im oberen Filstal.

Auch Ebersbach hat eine eigene Wasserversorgung, lediglich ein Teil kommt von der Landeswasserversorgung. Die Brunnen Gentenried (8,7 Milligramm) und Weiler (15) weisen eher geringe Nitratbelastungen auf, während es sich beim Brunnen in Bünzwangen um den Spitzenreiter handelt: Ausweislich des Messprotokolls der Stadtwerke der Jahre 2015/16 wurde hier lediglich ein Nitratwert von weniger als 0,5 Milligramm pro Liter festgestellt – auch für Babynahrung absolut unbedenklich.

Für einige wenige Weiler und Teilorte von Geislingen, Bad Ditzenbach und Bad Überkingen, die Kuchalb sowie Böhmenkirch ist die Wasserversorgung Ostalb zuständig. Deren Geschäftsführer Uwe Geiße gibt auch Entwarnung: In allen drei Pump- und Wasserwerken lägen die Messungen jeweils weit unter dem Grenzwert von 50 Milligramm.

Belastung Laut einer Studie des Umweltbundesamts (UBA) wird in mehr als 27 Prozent der Grundwasserkörper der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überstiegen. Trinkwasser könnte daher teurer werden, wenn nicht bald weniger Dünger auf die Felder komme. Sollte die Belastung nicht sinken, müssten die Versorger zu teurer Reinigung- und Aufbereitung greifen.

Kosten „Nitrat aus dem Wasser zu entfernen, ist teuer“, erläutert das Umweltbundesamt und rechnet verschiedene Szenarien hoch. In betroffenen Regionen könnte eine Extra-Wassernachbereitung die Kosten um 55 bis 76 Cent je Kubikmeter hoch treiben. Eine vierköpfige Familie könnte dadurch bis zu 134 Euro pro Jahr draufzahlen, rechnet die Behörde vor.

Düngeverbote Gerade erst sind – nach jahrelangem Gezerre ­– strengere Regeln in Kraft getreten. „Der Dünger muss bei den Pflanzen ankommen, aber nicht im Grundwasser“, sagt Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). Vorgesehen sind etwa Stickstoff-Obergrenzen, längere Zeiten mit Düngeverboten und größere Abstände zu Gewässern.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Täter von Eislingen entschuldigt sich in Abschiedsbrief

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. Er entschuldigt sich für die Tat in einem Abschiedsbrief. weiter lesen