Neue Rolle in der Opposition

Heike Baherens und Mitstreiter sind enttäuscht über das schwache Abschneiden der Genossen. Baehrens Rückkehr in den Bundestag scheint sicher zu sein.

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Enttäuscht vom eigenen Ergebnis und Entsetzen über die AfD: Die SPD-Vertreter um Heike Baehrens (Mitte) und Sascha Binder verfolgen die Hochrechnungen  Foto: 

Ihren 40. Hochzeitstag hätte sich Heike Baehrens vermutlich angenehmer vorstellen können. Mit der Familie war am Nachmittag etwas gefeiert worden, dann ging es zur SPD-Wahlparty in die Kreisgeschäftsstelle im Roth-Carrée. Auch die Enkel waren dabei. Rund 50 Zuschauer schauen um 18 Uhr gebannt auf die Leinwand, um auf dem Nachrichtenkanal Phönix die Prognosen zu sehen: leichte Unruhe beim CDU-Ergebnis, dann wird’s leise, als die SPD-Zahlen auf den Bildschirm kommen, bei der AfD-Prognose kommt erhöhte Unruhe auf. „Es herrscht großes Entsetzen  über dieses Ergebnis, vor allem über das Abschneiden der AfD“, stellt die Wahlkreiskandidatin schon früh am Abend fest. Die 62-Jährige ist „enttäuscht“, dass  die SPD mit ihren „Themen nicht durchgedrungen ist“. Unter dem Vorbehalt, dass sich die Ergebnisse des Abends bestätigen,  sieht Baehrens die SPD als künftige Oppositionspartei: Ich sehe das Ergebnis ein Stück weit so, dass wir die Oppositionsrolle annehmen sollten.“

Das sehen auch die Landtagsabgeordneten Sascha Binder – „Eine Koalition ist sehr schwer vorstellbar“ –  und Peter Hofelich so: „Die SPD hat jetzt die Chance, eine starke Alternative aus der Opposition heraus aufzubauen.“ Nach Hofelichs Ansicht werden die „politischen Bedürfnisse der Mehrheit der Bevölkerung durch eine Jamaika-Koalition nicht abgebildet“.

Den Gang in die Oppostion halten auch andere SPD-Vertreter für unumgänglich. Ob der SPD-Frakionsvorsitzende in Süßen, Udo Rössler, die Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Susanne Widmaier, oder die SPD-Kreisvorsitzende Sabrina Hartmann: „Oppostion, ganz klar“, bringt es Rössler auf den Punkt. Es sei wichtig, dass der AfD nicht die Rolle der Oppostionsführung zufalle. Die Kreisgenossen äußern keine Kritik an ihren Spitzenkandidaten. „Ich denke, er hat seine Überzeugung vertreten“, sagt Widmaier. „Es waren humanitäre Werte, die wir alle haben.“

Neben dem eigenen Abschneiden war in der SPD das Ergebnis der AfD ein Thema: „Ich hätte nie gedacht, dass solche Aussagen wieder salonfähig werden“, sagt Widmaier. Ein Besucher sagt: „Das Ergebnis ist ein Wahnsinn für die Demokratie.“

In einem Nebenzimmer laufen die Computer. Parteisprecher Nebojsa Mantinovic und einige Jusos um Wahlkampfmanager Matthias Ritter blicken auf die Ergebnisse der Kreisgemeinden und auf das Abschneiden der Landes-SPD. Wird Platz 13 auf der Landesliste für Heike Baehrens reichen, um wieder in den Bundestag zu kommen? Nachdem die SPD bei gut 16 Prozent ankommt, scheint am Abend der Wiedereinzug in den Bundestag sicher zu sein.

Bei der SPD-Wahlparty – Bier und Häppchen waren gefragt, Sektkelche eher selten gefüllt – wurde deutlich, dass manche Beobachter angesichts der Umfragen noch Schlimmeres befürchtet hatten. Peter Hofelich spricht von einem gut geführten Wahlkampf. Es zeige sich aber, dass die SPD nicht mehr aus allen Richtungen Wähler anziehe. Er rät dazu, wieder näher an die Menschen heranzugehen. Oft genüge die einfache Ansprache.

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