Mutige Vorbilder mit Semmler-Preis ausgezeichnet

Das Göppinger Netzwerk für Demokratie hat engagierten jungen Menschen den Semmler-Preis für Mut und Zivilcourage verliehen.

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Almut Cobet, Erste Bürgermeisterin (r.) überreichte den Haupt-Mut-Preis an Elena Schwarz, die dazwischen gegangen war, als eine Gruppe Jugendlicher einen Mann verprügelt hatte.  Foto: 

Wenn Mitmenschen in einer Notsituation auf Hilfe aus ihrer Umgebung angewiesen sind, dann ist Zivilcourage gefragt. Doch allzu oft sehen Passanten einfach weg und schreiten nicht ein. In Not geratene Personen sind dann auf sich allein gestellt – eine Situation, die nicht selten tragisch endet. Und auch der Polizei fehlen wegen des Wegsehens oft Zeugen, die durch ihre Aussage beim Aufklären von Straftaten helfen könnten. Umso wichtiger war es der Jury des Semmler-Preises für Mut und Zivilcourage deshalb, vorbildliches Einschreiten von jungen Menschen aus dem Kreis Göppingen in brenzligen Situationen in besonderem Maße zu würdigen.

Beeindruckende Einsendungen

Der von der Kunstgießerei Strassacker gestiftete Preis, welcher auf Initiative des Ottenbacher Künstlers Bernd Semmler ins Leben gerufen worden war, wurde jetzt bei einer bunten Open-Air-Veranstaltung auf dem Göppinger Schlossplatz von der Stadt Göppingen, der Jugendberufshilfe und vielen weiteren Partnern verliehen. Zu dem Netzwerk gehören auch der Landkreis, das Polizeirevier, der CVJM mitsamt dem Evangelischen Kirchenbezirk sowie das Netzwerk Jugend, die Initiative sicherer Landkreis und die NWZ-Aktion „Wir lesen“. Zur Bewerbung waren junge Menschen aufgerufen, „die sich in verschiedensten Gesellschaftsbereichen ganz konkret eingebracht haben – denn das setzt immer Mut voraus“, betonte Harald Maas, Projektverantwortlicher bei der Jugendberufshilfe. Die Beteiligung habe die Erwartungen übertroffen, daher sei es der Jury aus Politik, Justiz, Polizei, Presse und Jugendarbeit nicht leicht gefallen, eine Entscheidung zu treffen.

Bei der Preisverleihung ehrte Göppingens Erste Bürgermeisterin Almut Cobet gemeinsam mit Referatsleiterin Ulrike Haas alle nominierten Jugendlichen und berichtete über deren Engagement. „Alle Einsendungen waren sehr beeindruckend. Dieser selbstlose Einsatz ist nicht selbstverständlich“, sagte die Erste Bürgermeisterin und bedankte sich im Namen der Stadt für die Zivilcourage der Jugendlichen. „Ihr könnt stolz auf den Einsatz sein, den ihr gezeigt habt.“ Denn die nominierten Geschichten hatten es allesamt in sich. Seinen Ausgang genommen hatte die Ausschreibung mit der Courage junger Schüler, die ihren Lehrern eine Schlägerei in Schulnähe gemeldet hatten – und dann die Polizei verständigten. Zu den weiteren Nominierten gehörte Leo Schleith, der sich für den Skatepark eingesetzt hatte. „Ich will im Freundeskreis Vorbild sein und motivieren“, erklärte der Jugendgemeinderat. Schließlich könnten junge Menschen Vieles bewegen. Auch Schüler, die einer gestürzten Frau geholfen, sich für Flüchtlinge eingesetzt, ein schulisches Fair-Trade-Programm gestartet und den Skateverein vorangebracht hatten, waren im Rennen um die Auszeichnung.

Wegen der Vielzahl an beeindruckenden Geschichten entschied sich die Jury, den dritten Platz zweimal zu vergeben – ausgezeichnet wurden Jugendliche aus Bad Ditzenbach, die zugunsten des Faurndauer Hospizes ein Konzert organisiert hatten sowie Simon Hoffmann, der sich mit Flüchtlingen für Frieden in Syrien engagiert. Den zweiten Platz besetzte die Jury mit zwei Schülern aus Süßen, die sich um eine suizidgefährdete Mitschülerin gekümmert hatten.

Den Haupt-Mut-Preis vergab das Komitee indes an Elena Schwarz, die dazwischen gegangen war, als eine Gruppe Jugendlicher einen Mann verprügelt hatte. Dabei war ein Täter gar mit einem Messer auf die Helferin losgegangen – für die junge Frau ein Grund mehr, auch in Zukunft Courage zu zeigen. „Der Mann, dem wir halfen, war zwar undankbar, aber ich bereue es trotzdem nicht“, unterstrich die Preisträgerin. Dabei hatte sie Glück im Unglück, wie Polizist Ralf Liebrecht von der Initiative sicherer Landkreis betonte: „Wenn ein Messer im Spiel ist, müssen Sie auf Abstand gehen.“ Dennoch sei der große Mut der jungen Menschen bewundernswert.

Über die Vergabe des Mut-Preises hinaus nutzte auch der Landkreis die Gelegenheit, um einen Sonderpreis zum Thema „Willkommenskultur“ zu vergeben. Sozialdezernent Hans-Peter Gramlich zeichnete Schüler aus, die sich in einem kontinuierlichen Projekt um Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Pappelallee kümmern. Die Engagierten dürfen sich jetzt über einen finanziellen Zuschuss zu ihrem Projekt freuen.

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