Musikalische Zeitreise durch Länder und Epochen

Mit drei Dutzend Zuschauern macht sich Faranspil im Wäscherschloss auf, durch einen wunderbaren und außergewöhnlichen Parcours der Weltmusik.

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Die Mitglieder der Gruppe „Faranspil“ überzeugen im Wäscherschloss mit einem stimmigen Zusammenspiel.  Foto: 

Ob sie sich aufgrund etwaiger Ausgrabungen um ein Viertelstündchen verspätet haben? Man weiß es nicht. Immerhin habe man vor dreiundvierzigtausend Jahren auf der anderen Seite der Schwäbischen Alb Teile einer Flöte gefunden, wie Olaf Krause schmunzelnd verrät. Ob wahr oder erfunden, Fakt ist auf jeden Fall: „Die wollen nur spielen.“ Und dass sie das exzellent können, das beweisen „Faranspil“ auch stimmlich allemal. Kaum zu glauben, denn die fünfköpfige Gruppe ist ortstechnisch bunt zusammengewürfelt. Mitglieder, die unter anderem aus Köln oder Stuttgart kommen, überraschen ohne regelmäßig zu proben mit einem durchaus stimmigen Zusammenspiel.

„Fahren, reisen, spielen, wir präsentieren Musik aus aller Welt in vier Dimensionen und auch von der Liebe“, versprechen die Bühnenkünstler und erinnern mit dem mittelhochdeutschen „Wach auff, mein hort“ an Oswald von Wolkenstein, bekannt als autobiografischer Liedkünstler aus dem 14. Jahrhundert. Gleichfalls anders­artig sowie „gänzlich ohne Instrumente“ das georgische Wanderlied „Haralo“ oder das melancholische Liebesaus bei „Indulj el“ aus Ungarn, wo man sich hinterher als Fremde auf der Straße begegnet. Gleichfalls interessant die „süffige“ Vorliebe eines bulgarischen Bauern, der mehr vom Alkohol als von seinen Schafen angetan war, aufgrund der vorher übersetzten Texte wurde dem Publikum klar: Früher war eben auch nicht alles besser.

Seit 2008 haben sich die Sänger und vielseitigen Instrumentalisten Leonhard Bock (Sackpfeife, Gaita, Darabukka, Flöten aller Art), Tanja Burnicki (Nyckelharpa, Jakobsmuscheln), Sabine Gräger (Davul, Darabukka, Rahmentrommel, Schlaggardon), Philipp Hebenstreit (Laud, Saz, Dulcimer) und letztendlich Olaf Krause (Drehleier, Darabukka) dieser Mischung verschrieben. „Jeder Ton hat seine Höhe, jeder Rhythmus seine Zeit“, meint dazu Letzterer, der Redseligste in der Gruppe ist der Ansicht: „Der Unterschied zwischen Musik und Krach? Musik ist geordneter Krach.“ Ein Erklärungsversuch, wenn die weinerlich klingenden Herz-Schmerz-Gesänge aus dem Balkan, ähnlich der wehklagenden Arabesk-Musik aus der Türkei, manche westlichen Ohren mit „Katzenjammer“ vergleichen.

Gut, wenn es dazu etwas zu sehen gibt. Wie man sich zu dieser orientalisch anmutenden Musik bewegt, das zeigen Diana Zach sowie vier ihrer Schülerinnen aus Leymuna´s Bauchtanzschmiede. Die Tänzerinnen aus Pliezhausen lassen auf Einladung der Schlossherrin Silke Allmendinger die Hüften kreisen. Während die Zuschauer im Takt klatschen oder mit den Füßen wippen, also quasi „im Sitzen tanzen“, lässt sich ein älterer Herr vom Spirit auf und neben der Bühne anstecken und gibt seinem Rhythmusgefühl freien Lauf.

Gänsehaut bescheren besonders die Balladen, denn da kommen die schönen Stimmen noch besser zur Geltung, wie beispielsweise in Sabine Grägers Lied „Mandad“. In dem traurig anmutenden Stück geht es um Frauen, die auf ihre Männer oder Söhne aus dem Krieg warten: „leider noch immer unfassbar aktuell“, findet die Sängerin. Ob Stücke aus Frankreich, der Mongolei oder Spanien, Lieder über die Liebe, schwungvolle Gute-Laune-Weisen oder Trinklieder, die musikalische Zeitreise hätte durchaus mehr Zuschauer verdient.

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