Monetäre Hilfe aus dem Netz Immer mehr Spiele werden über Internetplattformen finanziert und produziert

Spiele sind ein Klassiker unterm Weihnachtsbaum. Immer mehr von ihnen werden über eine Internetplattform finanziert. Den Trend hat Spieleautor Günter Burkhardt aus Gosbach bei der Spielemesse in Essen entdeckt.

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Was haben die Neuauflage des Strategiespiels "Sankt Petersburg" und das Brettspiel "Bankraub" gemeinsam? Beide stammen nicht aus namhaften Spieleschmieden, sondern sind über eine Online-Plattform mit Geldern von Internetnutzern finanziert und von kleineren Verlagen produziert worden. "Crowdfunding" (Schwarmfinanzierung) nennt man die im World Wide Web beliebte Methode, Geschäftsideen mit der monetären Hilfe von Unterstützern zu verwirklichen - dabei ist es völlig egal, ob es um Filme, Bücher, Sportprojekte, Trinkschokolade oder eben um Spiele geht. Letztere haben sich inzwischen sogar auf dem Markt etabliert, wie der Gosbacher Spieleautor Günter Burkhardt jüngst auf der internationalen Spielemesse in Essen festgestellt hat.

"Es werden immer mehr Spiele durch das Crowdfunding vorfinanziert", weiß Burkhardt. Die Funktionsweise ist simpel: Über eine entsprechende Plattform (etwa spiele-offensive.de) stellen Autoren ihre Spielideen vor und bitten um eine bestimmte Fördersumme. "Im Grunde geht es darum, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes möglichst viele Menschen zu gewinnen, die das Vorhaben unterstützen", erklärt der Fachmann. Neben der Idee ist daher eine "grafisch gut aufgearbeitete Präsentation" sehr wichtig. Um möglichst viele Unterstützer zu finden, werben die Spieleerfinder mit besonderen Anreizen: Wer beispielsweise 20 Euro in das Projekt steckt, bekommt ein Spiel nach Hause geschickt. Burkhardt: "Bei 50 Euro gibt es dann eine hochwertigere Ausführung mit plastischen Männchen, und bei 500 Euro wird der Spender mit Foto auf dem Cover verewigt." Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Dank der Fremdfinanzierung können die Spiele in Kleinserien von 2000 bis 3000 Stück produziert werden. Bevor sie in den Handel kommen, sind die meisten Exemplare schon an die Unterstützer verkauft - "die restlichen Spiele werden dann auf Messen an den Mann gebracht", erklärt Burkhardt

Durch das "Crowdfunding" sind die Spieleautoren in der Lage, sich von den großen Verlagen abzukoppeln. Nach Meinung Burkhardts mischen sich diese mitunter zu weit in die Aufmachung und Ausstattung ein. Da wird kurzerhand der Titel geändert, was der Gosbacher schon selbst erlebt hat: Aus seiner Spielidee "Die Götter des Olymps" hat der Verlag 1997 ein "Büro Crazy" mit dem Untertitel "Ein Spiel für leidende Angestellte" gemacht. Das ursprünglich als Pyramide angedachte Brettspiel wurde vom Verlag zu einem Bürogebäude, in dem man sich hocharbeiten muss. "Einfach schrecklich", findet Burkhardt. Trotz aller Kritik hat die Arbeit mit den großen Verlagen durchaus Vorteile: Man kann deren Vertriebsschienen nutzen und trägt als Spieleerfinder kein finanzielles Risiko.

Dennoch überlegt auch Günter Burkhardt, ob er über "Crowdfunding" ein Spiel herausbringen soll. Allerdings nicht auf einer Idee basierend, sondern die Neuauflage eines Spiels, "das man kennt und das gut angekommen ist". Noch ist aber nichts spruchreif.

"Das Entscheidende ist der Spielspaß, und der ist nicht messbar"

Der Spieleautor Günter Burkhardt aus Gosbach hat 1997 mit "Manitou" sein erstes Spiel auf den Markt gebracht, das es auf Anhieb in die Auswahlliste zum Spiel des Jahres geschafft hat. Seither sind rund 70 weitere Spiele hinzugekommen. Sein neuestes Werk heißt "Mops Royal" und ist im Noris-Verlag herausgekommen. Das Legespiel wurde auf der Messe in Essen vorgestellt. Schon im Frühjahr kamen das Kartenspiel "Deutschland" und das Würfelspiel "TamBuzi" auf den Markt. Der 53-jährige Burkhardt ist Realschullehrer, hat sich aber schon vor Jahren beurlauben lassen und sein Hobby zum Beruf gemacht. In seiner Freizeit ist er ehrenamtlich als Vorsitzender des FTSV Bad Ditzenbach-Gosbach tätig.

Die Einschätzung Für Günter Burkhardt zeichnet sich ein gutes Spiel dadurch aus, dass es Spaß macht. "Man will es immer wieder spielen." Dabei komme es nicht auf Dinge wie den Spielablauf oder den Mechanismus an. Es geht auch nicht immer nur um das Siegen. "Das Entscheidende ist der Spielspaß, und der ist nicht messbar."

Die Empfehlung Unter den Neuerscheinungen empfiehlt Burkhardt das aktuelle Spiel des Jahres "Camel up" als Familienspiel - "wie auch mein Mops Royal", lacht der Spieleautor. Bei den kleineren Spielen nennt er die Kartenspiele "Port Royal" und "Parade". Ältere Spiele, die er gerne spielt, sind "Puerto Rico" und "Zug um Zug" (Spiel des Jahres 2004).

SWP

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