Modellflieger bangen um ihr Hobby

Die Modellflieger bangen um ihr Hobby: Das Verkehrsministerium plant eine Höhenbeschränkung für ferngesteuerte Fluggeräte – nicht zuletzt wegen solcher Zwischenfälle wie am Montag am Londoner Flughafen. <i>Mit Kommentar.</i>

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  • Auch die von Rainer Ruedel selbst gebaute McDonnell Douglas MD-11 (vorne) mit ihrer Spannweite von 3,30 Metern müsste bei einer Höhenbegrenzung am Boden des Schalkstetter Modellflugplatzes bleiben. 1/2
    Auch die von Rainer Ruedel selbst gebaute McDonnell Douglas MD-11 (vorne) mit ihrer Spannweite von 3,30 Metern müsste bei einer Höhenbegrenzung am Boden des Schalkstetter Modellflugplatzes bleiben. Foto: 
  • Das Torquen (Halten des Flugzeugs in der Senkrechten) mit einer Kunstflugmaschine geschieht zwar in geringerer Höhe, doch andere Flugfiguren werden auch über 100 Meter geflogen. 2/2
    Das Torquen (Halten des Flugzeugs in der Senkrechten) mit einer Kunstflugmaschine geschieht zwar in geringerer Höhe, doch andere Flugfiguren werden auch über 100 Meter geflogen. Foto: 
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Anfang der Woche soll eine ferngesteuerte Drohne mit einem Passagierflugzeug über dem Londoner Flughafen Heathrow zusammengestoßen sein. Die Kollision ist zwar offiziell nicht bestätigt worden, dennoch befeuert der Zwischenfall die Debatte über eine Reglementierung des Modellflugs. Immerhin gibt es in Deutschland bereits etwa 400.000 solcher Multikopter. Wohl die wenigsten Besitzer wissen, dass mit den Drohnen nicht überall geflogen werden darf: Flughäfen, Krankenhäuser, Kraftwerke und auch Menschenansammlungen sind tabu – selbst Privatgrundstücke dürfen nur mit Erlaubnis des Eigentümers überflogen werden. Doch dagegen wird munter verstoßen. Die Drohnen schwirren überall am deutschen Himmel. Nun plant Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mit einer Verschärfung des Luftrechts der Drohnen-Armada Herr zu werden. Im Raum steht eine Begrenzung der Flughöhe auf 100 Meter. Lediglich bei Wettbewerben und Veranstaltungen könnte es Ausnahmen geben.

„Damit steht unser Hobby vor dem Aus“, klagt Andreas Mühlberger. Der Vorsitzende der Degginger Modellfliegergruppe kritisiert, dass die Reglementierung vor allem den klassischen Modellflug treffe. Größere Motormaschinen, Jets und Segler benötigen eine Flughöhe jenseits der 100er Marke. So müssten etwa die Segelflugzeuge einige hundert Meter über dem Boden fliegen, um im Aufwind zu kreisen. Wenn die Gesetzesnovelle kommt, müssten 80 Prozent der Modellflugzeuge am Boden bleiben, schätzt Mühlberger. Der Vorsitzende wehrt sich gegen den Vorwurf, die Modellflieger würden die zivile Luftfahrt gefährden. Das Gegenteil sei der Fall: „Die Modellflieger sind verantwortungsbewusst und betreiben ihr Hobby auf zugelassenen Plätzen unter Aufsicht von Flugleitern.“ Die Modellfliegerei müsse man laut Mühlberger strikt von den ferngesteuerten Drohnen trennen, deren Piloten meist nicht einmal versichert seien. Um die Auswüchse einzudämmen, reichen seiner Meinung nach die bestehenden Gesetze aus – „die muss man aber durchsetzen, indem man sie kontrolliert.“

Auch Andreas Hindelang hat für die Pläne Dobrindts kein Verständnis. „Eine 100-Meter-Grenze geht gar nicht“, sagt der Abteilungsleiter Modellflug in der Geislinger Fliegergruppe und hofft auf einen Bestandsschutz der bestehenden Flugplätze. Gut 100 Mitglieder hat die Modellflugabteilung, die ihr Hobby seit Jahr und Tag auf dem Burren bei Schalkstetten betreibt. „Und das in einem ausgewiesenen Luftkorridor“, erklärt Hindelang. Er vermutet handfeste wirtschaftliche Interessen hinter dem Bestreben, den Luftraum unterhalb der manntragenden Fliegerei frei zu halten. So fordert etwa der Internetriese Amazon den Korridor zwischen 100 und 200 Fuß (61 bis 122 Metern) für sich, um Pakete mit Drohnen ausliefern zu lassen. Auch andere Konzerne wollen in den Markt der unbemannten Luftfahrt einsteigen.

So einfach geben sich die Modellflieger nicht geschlagen. Der Deutsche Modellflieger Verband (DMFV), in dem mehr als 87.000 Modellflieger organisiert sind, hat eine Online-Petition gestartet (www.pro-modellflug.de). Unter dem Titel „Herr Verkehrsminister: Hände weg von meinem Hobby! Petition für den Erhalt des Modellflugs“ haben innerhalb weniger Tage schon 52.795 Menschen (Stand Freitagnachmittag) unterschrieben.

Zwölf Zwischenfälle mit Drohnen in einem Jahr

Sicherheit Nach Aussage des Verkehrsministeriums ist eine Begrenzung des Modellflugs auf 100 Meter Höhe ist aus Sicherheitsaspekten sinnvoll. Dem widerspricht der DMFV: Eine Flughöhenbegrenzung auf 100 Meter würde keinen Sicherheitsgewinn bedeuten, da der kontrollierte Luftraum vielerorts erst deutlich höher beginnt und das Absturzrisiko für Modellflugzeuge über 100 Meter Höhe nicht steigt. Im Gegenteil: Fliegen große Modelle höher, haben die Piloten mehr Raum und Zeit, um beispielsweise auf unvorhergesehene Dinge zu reagieren.
Unfälle Laut DMFV wurden zwischen Januar 2015 und Februar 2016 der deutschen Flugsicherung zwölf Zwischenfälle gemeldet, die allesamt von Drohnen verursacht wurden. Sie alle stellen schwere Gesetzesverletzungen nach derzeit gültigem Recht dar. Die Einführung einer maximalen Flughöhe von 100 Metern hätte diese Zwischenfälle aber nicht verhindert und würde dies auch in Zukunft nicht tun, teilt DMFV mit.

Ein Kommentar von Ralf Heisele: Höhenbeschränkung bringt nichts

Die Modellflieger sind stocksauer auf Verkehrsminister Alexander Dobrindt – und das zu Recht. Sein Vorhaben, eine Flugobergrenze von 100 Metern einzuführen, würde deren Hobby zu Grabe tragen. Betroffen davon wären auch die rund 200 in Vereinen organisierten Piloten im Raum Geislingen. Sie alle betreiben die Modellfliegerei gewissenhaft und auf eigens dafür ausgewiesenen Flugplätzen. Gerade diese Klientel stellt keine Gefahr für die zivile Luftfahrt dar. Der Minister trifft mit seinen Plänen somit die Falschen. Probleme bereiten vielmehr die sogenannten Wildflieger. Ihre Zahl nimmt rasant zu. Es ist auch zu verlockend, diese kleinen Flugobjekte mit Kameras zu bestücken, um damit die Welt von oben aufzunehmen. Doch Vorsicht: Die meisten Käufer wissen nicht, dass sie ihre Drohnen schon nach jetziger Rechtslage nur sehr bedingt einsetzen dürfen. Eine 100-Meter-Grenze macht aber auch bei den Drohnen keinen Sinn. Die meisten der Multikopter sind in dieser Höhe kaum mehr zu erkennen, geschweige denn zu kontrollieren. Und wer eine Straftat mit den unbemannten Fliegern beabsichtigt, der wird sich davon nicht von einer solchen Regelung abhalten lassen. Was bringt dann eine Höhenbeschränkung? Ganz einfach: Es wird ein freier Luftraum für gewerbliche Nutzer wie Amazon geschaffen – zu Lasten der organisierten Modellfliegerei. Viele Piloten werden dann ihr Hobby illegal weiterbetreiben und das erhöht die Sicherheit beim Flugbetrieb bestimmt nicht.

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