Nach dem Gassi gehen vor Gericht gelandet

Am Ende blieb von der Anklage nichts übrig: Statt einer Verurteilung wegen Tierquälerei ist ein 50-Jähriger aus Eislingen gestern freigesprochen worden.

DIRK HÜLSER |

Bis zu drei Jahre Haft drohen, wenn ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz begangen wird - deshalb stand gestern ein 50-Jähriger aus Eislingen vor dem Göppinger Amtsgericht. Er hatte einem Strafbefehl widersprochen, darum kam es zur Verhandlung. Drei 15-jährige Schülerinnen wollten beobachtet haben, wie der Mann am Abend des 5. März seinen Hund quälte. Doch die Aussagen waren zu widersprüchlich, zu verworren und diffus - so forderte selbst Staatsanwältin Teresa Trutnau am Ende einen Freispruch.

"Im Zweifel für den Angeklagten", lautete auch das Fazit von Amtsrichter Heiko Griesinger - und das sicher nicht wegen der vielfachen und gestenreichen Beteuerung des Angeklagten: "Nein, niemals habe ich das getan, ich schwöre es bei meinem Leben."

Die drei Mädchen aus Eislingen und Ottenbach wollten am 5. März dieses Jahres zum Onkel der einen Schülerin, um mit dessen Hunden Gassi zu gehen. Dabei sahen sie den dreifachen Familienvater, wie er mit seinem Hund spazieren ging. In der Anklage hieß es, der Mann habe das Tier "in den Bauch getreten", es habe "aufgejault" und sei anschließend an der Leine auf den Arm des Mannes gezogen und dabei "stranguliert" worden. Das stimme so alles nicht, erwiderte der 50-Jährige, vielmehr habe er den Hund nur mit dem Bein an die Mauer gedrückt, damit er nicht zu einem zweiten Hund auf der anderen Straßenseite rennt. Sein Tier war zwar angeleint, "doch er zieht mich weg", beteuerte der Angeklagte. Das wiederum zog Richter Griesinger bei einem 16 Kilogramm schweren Hund in Zweifel.

Dann der Auftritt der Zeuginnen. Nacheinander kommen die Mädchen in den großen Saal des Amtsgerichts, was sie erzählen, deckt sich aber nicht immer miteinander. So will die eine 500 Meter von Mann und Hund entfernt gewesen sein, erst auf Nachfrage des Richters reduziert sie die Strecke auf "von dem Stuhl hier bis zur Wand". Ihre Freundin meint hingegen, "zehn bis fünfzehn Meter" entfernt gewesen zu sein, die dritte spricht von "ein bis zwei Häusern" Entfernung.

Gravierender die Unterschiede bei den Zeitangaben: "Vier Minuten hat er schon gequietscht und geheult", berichtet die erste Zeugin über die Leidenszeit des Hundes, insgesamt habe es "eine halbe Stunde, aber mindestens 15 Minuten" gedauert, bis sie den Mann angesprochen hätten. Zeugin Nummer zwei glaubte, der ganze Vorgang habe sich binnen zwei Minuten abgespielt, geschrien oder gebellt habe der Hund auch nicht, "ich glaube, er war ruhig". So erinnerte sich auch die dritte der Freundinnen: "Ich habe nicht gehört, dass er gejault hat."

"War das jetzt so schlimm, dass es nötig war, zur Polizei zu gehen", fragte Staatsanwältin Trutnau und auch Richter Griesinger fragte skeptisch: "Waren das erhebliche Schmerzen?

Der Mann kann sich zwar nun über den Freispruch freuen - muss aber für seinen Hund, den er seit 15 Monaten besitzt, Hundesteuer nachzahlen. Den hatte er erst im Februar angemeldet, wie Griesinger zum Abschluss bemerkte.

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