Gutachter schließt in Mordprozess Tod durch Panikattacke aus

Vierter Verhandlungstag im Mordprozess gegen einen 44-jährigen Salacher. Ein Gutachter schloss gestern den Tod des mutmaßlichen Opfers durch eine Panikattacke aus. Es sei von Ersticken auszugehen.

JOCHEN WEIS |

Die Anhörung eines Gutachters stand im Mittelpunkt des vierten Verhandlungstages im Mordprozess gegen einen 44-jährigen Salacher. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, seine ehemalige Lebensgefährtin, eine Göppingerin, in deren Wohnung umgebracht zu haben. Der Mann beharrt darauf, die Frau nicht absichtlich getötet zu haben. Nach seiner Darstellung hatte er sie nach einem Streit nahe Adelberg mit Kabelbindern gefesselt und in den Kofferraum seines Autos gesperrt, wo sie gestorben sei. Der Gutachter sollte nun Klarheit bringen, ob die Göppingerin erstickt ist, was der Obduktionsbericht als wahrscheinliche Todesursache nennt. Sei es, indem der Angeklagte "seine Hand oder einen Gegenstand so gegen das Gesicht der Frau presste", dass sie daran starb. Oder - wie es auch nach Darstellung des Angeklagten möglich wäre - dass die Göppingerin durch einen Kabelbinder gestorben sein könnte, den ihr der 44-Jährige um den Hals gelegt hatte. Oder aber, dass sie infolge einer Panikattacke - ausgelöst durch Klaustrophobie - am plötzlichen Herztod starb, worauf auch die Verteidigung des Angeklagten abzielt. Hintergrund: Der Salacher hatte erklärt, den Kabelbinder nur locker angelegt zu haben, um daran die Handfesseln zu befestigen.

Der Gutachter, ein Gerichtsmediziner und Psychiater, schloss letztere Variante aus. Bei einer Panikattacke würden Puls und Blutdruck steigen, der Gutachter nannte als Vergleich für die Symptomatik einen "Belastungstest bis zur Auslastungsgrenze. Das führt nahezu nie zum Tod". Wenn dies der Fall sei, passiere das normalerweise nur in Verbindung mit bestehenden Defekten, etwa wenn "die Herzkranz- oder Gehirngefäße erkrankt sind und die betreffende Person nicht trainiert ist". Dann könne die Folge Herz- oder Hirnschlag sein. Laut Obduktionsbericht habe dies aber bei der Getöteten nicht vorgelegen. Tod durch Panik sei ausgeschlossen.

Im Hinweis eines Verteidigers auf eine Studie aus den USA, wonach bei jungen Menschen psychischer Stress, Medikamente oder Angst Auslöser für einen plötzlichen Herztod sein können, sah der Sachverständige keinen Widerspruch zu seinen Ausführungen. Nicht jeder Fall lasse sich gänzlich durch eine Obduktion aufklären, "dann macht man eben Rückschlüsse. Das ist aber keine Vorwärtsfestlegung. Es ist eher so, dass man einen Grund nimmt, der passt". Dahinter stecke der Wunsch nach Kausalität.

"Es gibt Fälle, bei denen man sagen muss, er muss ja an irgendetwas gestorben sein. Das liegt hier jedoch nicht vor", betonte der Gutachter. Bei einem Kabelbinder um den Hals reiche es schon aus, daran zu ziehen, sodass es zu einem Blutverschluss komme und der Tod eintrete. Deshalb sei - in Verbindung mit der Einlassung und den Ermittlungsergebnissen - keine andere Todesursache als Ersticken denkbar. Obwohl sich die Leiche des Opfers bei der Obduktion schon in fortgeschrittener Verwesung befunden habe, hätten sich keine Hinweise auf nach wie vor erkennbare Herzkranzgefäßerkrankungen ergeben.

Eine Einblutung vom Schlüsselbein bis zum Kiefer der Getöteten deute zudem auf äußerliche Gewaltanwendung hin. Ein Kabelbinder könne dies nur verursachen, wenn ein Gefäß reißt - was unwahrscheinlich sei, "wahrscheinlicher ist eine äußerliche Gewalteinwirkung durch Würgen". Ob Einblutungen auch durch die Lage im Kofferraum entstehen könnten, wollte die Verteidigung wissen. Das könne sein, meinte der Gutachter, aber dazu müsse zuvor ebenfalls Druck ausgeübt worden sein.

Der Prozess wird am 9. November fortgesetzt.

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