Mit La-Ola-Welle ins Jammertal

Mit La-Ola-Welle ins Jammertal: Roland Baisch präsentierte dem Publikum im Wiesensteiger Schloss mit seinem Programm "Grauer Star" einen unterhaltsamen musikalischen Comedy-Rundumschlag.

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Der "Graue Star" Roland Baisch (links) mit Frank Wekemann.  Foto: 

Einem rigorosen Anti-Schönheitsprogramm habe er sich im Vorfeld seines Auftrittes unterziehen müssen, um zum "Grauen Star" zu werden, erklärt Roland Baisch den rund 70 Zuschauern im Wiesensteiger Schloss zu Beginn seines Programms. Ein prominenter Schönheitschirurg modellierte ihm durch aufwendiges Anti-Lifting Falten ins Gesicht, transplantierte Haare vom Haupt auf den Rücken und verschrieb Baisch ein rigides Trainingsprogramm des Sich-körperlich-Gehen-Lassens. Dank dieses rigorosen Ausflugs ins "Method Acting" konnte sich der 1954 geborene Comedy-Veteran dem Publikum endlich seinem Alter entsprechend als "Grauer Star" präsentieren. In dieser Gestalt nahm er - unterstützt vom Gitarristen Frank Wekemann - vor Verantwortung drückende ergraute Berufsjugendliche, mediale Auswüchse und sozialpolitische Klischees musikalisch aufs Korn - und verschonte dabei auch seine eigene Generation nicht.

Untreue Ehemänner in der Midlife-Crisis lässt Baisch zum Gospel-Blues reuig auf die Knie fallen, seine Altersgenossen macht er zu rasant rumpelnder Country-Musik gleich für sämtliche gesellschaftliche Unarten verantwortlich ("Einer wird's gewesen sein. / Ich war's ganz allein"). Und den Traum von der großen, völkerverbindenden Eisenbahn-Magistrale Paris-Bratislava zieht er mit Saufpolka ("In vier Stunden mit dem ICE zum Komasaufen") vortrefflich durch den Kakao. Sogar von Guido Westerwelle ließ sich Baisch für ein Lied inspirieren, das die Vorstellung von in "spätrömischer Dekadenz" lebenden Hartz-IV-Empfängern gnadenlos bloßstellt. Und auch für die Oberschicht fällt dem "Grauen Star" das richtige Kurzlied ein: "Ich habe reiche Eltern und das langt."

Dazwischen erfreut sich Roland Baisch an absurden Anekdoten und scheut sich auch nicht vor Albernheiten, wie etwa einer Einlage als Swingbonbon-Spieler: Man fülle den Mund mit fünf Hustenbonbons und lasse sie während einer improvisierten Stepptanzeinlage im Mund herumklackern - fertig ist das Swingbonbon-Solo.

Seinem im Durchschnitt auch nicht mehr ganz jungen Publikum gab Baisch zum Abschluss seine Empfehlung für ein langes Leben mit auf den Weg: "Jammern ohne zu leiden, dann wirst du ewig am Leben bleiben", singt er fröhlich und animiert das Publikum zur La-Ola-Welle.

Um dem Druck des positiven Denkens zu entkommen, hatte Baisch die "Jammerbox" im Angebot - Inhalt: ein Jammerlappen, eine Postkarte vom Jammertal und ein Modell der Windjammer "Gorch Fock". Abnehmer gab es dafür in Wiesensteig allerdings keine. Die Zuschauer hielten sich an diesem Abend lieber mit Lachen jung.

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