Mit Herz und Stimme

"Jubilate Deo" hieß es am Sonntag in der Barockkirche Ave Maria in Deggingen. Der Kammerchor Camerata Vocale aus Ebersbach widmete sein Konzert den Opfern und Angehörigen des Pariser Anschlags.

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Jubilate Deo: Unter dem Dirigat von Wolfgang Proksch und am Klavier begleitet von Bernd Grill lobte der Chor Camerata Vocale in der Degginger Wallfahrtskirche Ave Maria den Herrn.  Foto: 

Unter der Leitung von Chorleiter Wolfgang Proksch gab Camerata Vocale ein vielseitiges geistliches Konzert zum Besten. Der Chor besteht aus rund 35 Mitgliedern, wurde 1991 gegründet und ging aus dem Schulchor des Ebersbächer Raichberg-Gymnasiums hervor. Am Klavier war als Begleiter und Solist Bernd Grill zu hören. Durch das Programm führten verschiedene Chormitglieder.

Der Chor begann mit dem "Tollite Hostias" aus Camille SaintSaëns' 1858 entstandenem Weihnachtsoratorium. Das simple und fast volkstümlich anmutende Chorstück, das am Ende des Oratoriums steht, gipfelt in einem alle Stimmen durchziehenden Halleluja. Es passte wunderbar in die prächtig ausgestattete Ave-Maria-Kirche hinein.

Es folgten zwei Stücke aus Händels "Messias": Bei "Denn die Herrlichkeit Gottes" trat die hervorragende Artikulation des Chores besonders hervor, während bei "Ehre sei Gott" der Lobgesang in weiten Melodiebögen zwischen den Männer- und Frauenstimmen hin- und herwogte.

Der spanische Komponist Javier Busto schrieb 1980 ein "Ave Maria" für sechsstimmigen Chor, das ausdrucksvoll und mit modernen Stilelementen erklang. Darauf folgte Edward Elgars "Ave Verum".

Ein besonderer Beitrag erklang mit Johannes Brahms' "Intermezzo in E-Dur op. 116,4": Bernd Grill hatte es, wie er einführend erwähnte, auch bei der Trauerfeier für seinen Vater gespielt, und sein Wunsch, das Publikum möge die Tiefe seiner Empfindungen beim Hören dieses Stückes teilen, ging dank seines empfindsamen Spiels ganz bestimmt in Erfüllung. Das Intermezzo, das als Charakterstück als eine Art Abgesang auf eine in der damaligen Spätromantik schon fast ausgestorbene Gattung gelten kann, erklang in einer dynamischen Bandbreite und einem Reichtum an Klangfarben, die die Liebe und den erlebten Trost, den diese Musik zum Ausdruck bringt, tief mitempfindbar machten.

Aus dem Zyklus "Quattro pezzi sacri" von Giuseppe Verdi sang der Frauenchor der Camerata das vierstimmige "Laudi alla vergine", das thematisch perfekt in die Wallfahrtskirche hineinpasste. Hier brachten die Sängerinnen ihr hohes Register fein zum Klingen.

Zu den bekanntesten Chören von Felix Mendelssohn-Bartholdy gehören das Engelterzett "Hebe deine Augen auf zu den Bergen", in dem erneut die Sängerinnen ihr Können zeigten, und das achtstimmige "Denn er hat seinen Engeln befohlen", beide aus dem "Elias". In Letzterem traten besonders die Bässe durch Klangfülle hervor. Von Mendelssohn erklang noch die ebenfalls doppelchörige Motette "Richte mich Gott".

Schwungvoll und energiegeladen ertönte Friedrich Silchers Hymnus "Jauchzet dem Herrn alle Welt" in der Fassung für gemischten Chor. Bei diesem Stück war der Kammerchor hörbar in seinem Element und die Melodie schwang sich in großem Bogen in die Höhe hinauf.

Als Zwischenspiel am Klavier erklang Brahms' op. 117,2 in b-Moll. Brahms bezeichnete seine Intermezzi selbst als "Wiegenlieder meiner Schmerzen", und wenn das Erste in diesem Konzert zu Gehör gebrachte von der Grundstimmung her tröstlich und von schmerzlichen Anklängen lediglich durchzogen war, so war es bei dem Letzteren genau umgekehrt: Es erklang fast durchgehend schwermütig, gewisse tröstliche Wendungen blieben jedoch nicht aus.

Dann hörte das Publikum zwei Kompositionen des 1978 in Norwegen geborenen und in den USA tätigen Ola Gjeilo: Das "Ubi caritas et amor, Deus ibi est" erfreute die Zuhörer mit seinem weichen, vollen Klang, "The Ground" aus "Sunrise Mass" mit seiner zunächst gesummten und dann ausgesungenen Bitte um Frieden. Bei beiden Stücken war hör- und erlebbar, dass sie dem Chor nicht nur am Herzen, sondern auch gut in den Stimmen liegen.

Die Camerata beschloss das Konzert mit drei Stücken in recht lebhaften Tempo: Der Frauenchor war mit "Joyfully sing Alleluja" der Amerikanerin Linda Spevacek zu hören; in dem dem Konzert den Namen gebende "Jubilate Deo" des Ungarn Laszlo Halmos überlagerten die Stimmen einander rhythmisch höchst eindrucksvoll, und das wiederholt angestoßene "ha" des Halleluja erklang wie ein überschwängliches Lachen; Händels "Halleluja" - noch einmal ein sehr bekanntes und festliches Stück - meisterte der Chor mit Bravour.

Das Konzert endete nach begeistertem Applaus mit einer Zugabe.

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