Milchwerke bauen Marke aus

Die Milchwerke Schwaben müssen sich im harten Lebensmittelhandel bewähren. Nach dem guten Jahr 2013 sinkt das Milchgeld für die Landwirte wieder. Mit Marketing in der Region will man gegensteuern.

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Vorstandsmitglied Jakob Ramm prüft einen Käselaib, der das Solebad verlassen hat und automatisch verpackt wird. Dann reift er mehrere Wochen. Foto: Volkmar Könneke

Um ihren Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung zu steigern, wollen die Milchwerke Schwaben den regionalen Hintergrund in Zukunft stärker betonen. Das kündigte der neue Vorstand Karl Laible an, der das genossenschaftliche Unternehmen der Milchbauern mit Jakob Ramm führt. Laible will beispielsweise die Produktfamilie um den Donautaler-Käse ausbauen.

Bei den Ein-Kilo-Joghurts unter der Marke Weideglück ist Schwabenmilch sogar bundesweit Marktführer, hier wird ein neues Design eingeführt. Man müsse die Milchwerke im umkämpften Lebensmittelhandel "stärker im Bewusstsein der Verbraucher verankern", forderte Laible bei der Vertreterversammlung im Donausaal auf dem Ulmer Messegelände. Für Markenprodukte sind die Preise zudem besser als bei Discountartikeln, wodurch die Molkerei mehr Milchgeld für die Bauern erwirtschaften kann.

In dieser Hinsicht war 2013 ein gutes Jahr für die 1153 Milchbauern der Genossenschaft, während die Preise im neuen Jahr schon wieder unter Druck geraten. Vergangenes Jahr legte der Milchauszahlungspreis dagegen nach flauem Jahresauftakt um 17 Prozent auf nahezu 39 Cent pro Kilogramm zu. Damit konnten die Landwirte Einkommensverluste der Vorjahre ausgleichen. Ursachen waren eine geringere weltweite Milchproduktion - auch wegen Ausfällen in Neuseeland - und steigende Exporte in wichtige Märkte wie China, Japan, Russland und Algerien. Die Milchwerke Schwaben exportieren 40 Prozent ihrer Produktion.

Nach Eröffnung der neuen Käserei hatte insbesondere der Ausstoß von Käse um 16 Prozent auf über 23 000 Tonnen zugenommen, berichtete Ramm. Weil die Käserei nun auch sogenannte Euro-Brote herstellt, öffnen sich neue Märkte in Italien, Spanien, Griechenland.

Wegen besserer Vermarktungschancen für Milchprodukte nehmen allerdings die globalen Milchmengen wieder zu, und vor allem die Käufer von Käse zögern in Erwartung sinkender Preise mit Orders. Bei Frischmilchprodukten läuft es besser. Die Milchwerke exportieren zwar Flüssigmilch in Tanks, müssen aber nach Laibles Worten den Auszahlungspreis dennoch senken.

Wegen der idealen Lage im Vorjahr konnten die Milchwerke mit Sitz in Ulm und Betrieb in Neu-Ulm-Schwaighofen rund 19 Millionen Euro mehr an die Landwirte auszahlen, berichtete Ramms langjähriger Kollege Fritz Fallscheer, der nach 17 Jahren bei Schwabenmilch in den Ruhestand geht. Der Umsatz lag mit 216 Millionen Euro um etwa elf Prozent über dem Wert von 2012. Fallscheer: "Alle Zahlen sind im grünen Bereich." Der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende Karl Baisch sagte, Fallscheer habe die Bilanzen stets im Griff gehabt. Er erhielt aus den Händen von Geno-Präsident Dr. Roman Glaser die goldene Ehrennadel des Raiffeisenverbands.

Fallscheer war ursprünglich Geschäftsführer des Milchwerkes in Geislingen. 1997 fusionierte die damals selbstständige Genossenschaft mit den Milchwerken Schwaben in Ulm. Um die Palette des auf Käseherstellung spezialisierten Werkes auszuweiten, wurden 1998 zwar noch rund zwei Millionen Mark in die Modernisierung der veralteten Produktion investiert.

Das Milchwerk erlitt dann aber einen herben Rückschlag, als im März 2000 bei Rotschmierkäse krankheitserregende Bakterien gefunden wurden. Die Verunreinigung mit den "Listerien" hatte nicht nur eine umfangreiche Rückrufaktion, sondern letztendlich das Aus für das ganze Werk zur Folge. Nach massiven Umsatzeinbrüchen durch den Bakterien-Skandal wurde die Produktion in Geislingen zum 30. Juni 2000 stillgelegt. Zwei Drittel der 40 Beschäftigten verloren ihren Job, die restlichen Mitarbeiter wurden von der Zentrale in Ulm übernommen.


Jeder Bauer liefert der Molkerei jährlich 293 000 Kilogramm Milch:

Milchbauern Der Strukturwandel in der Landwirtschaft geht weiter. 2013 haben 53 Milchbauern aufgehört. Durchschnittliche Anlieferung pro Betrieb: 293 000 Kilo, insgesamt 338 Millionen Kilogramm. Einzugsgebiet Ostfildern bis Memmingen, die meiste Milch kommt aus dem Landkreis Biberach.

Molkerei Die Molkerei in Schwaighofen hat zuletzt täglich 1,1 Millionen Kilo Milch verarbeitet, die von den Sammel-Lkw angeliefert werden. Der Betrieb beschäftigt 176 Mitarbeiter. Die neue Käserei wurde im September in Betrieb genommen. Das Investitionsvolumen betrug 23 Millionen Euro.

Personalien Weil Molkerei-Fachmann Fritz Fallscheer im Mai in den Ruhestand geht, rückt Nachfolger Karl Laible in den hauptamtlichen Vorstand auf. Neu im ehrenamtlichen Vorstand: Stefan Schweigart (Holzheim), neu im Aufsichtsrat: Markus Hafner aus Schwaighofen, beide sind Milchbauern.

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