Merklinger empfangen "ihren" Weltmeister Wolfgang Bunz

Auch die Merklinger haben einen Weltmeister: Wolfgang Bunz war als Physiotherapeut beim Triumph in Brasilien mit dabei. Am Dienstag wurde er bei der Stippvisite in der Heimat herzlich empfangen.

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Eine halbe Million Menschen haben am Dienstagmorgen den frischgebackenen deutschen Fußballweltmeistern um Kapitän Philipp Lahm in Berlin eine triumphale Ankunft bereitet. Mit im DFB-Tross war auch Wolfgang Bunz, der in Ulm wohnt und eine Praxis betreibt, in Merklingen aber aufgewachsen ist. Seit 1998 gehört Bunz als einer von vier Physiotherapeuten zum Betreuerstab der deutschen Fußballnationalmannschaft. Beim "unglaublichen Korso" im offenen Bus durch Berlin und dem grandiosen Empfang auf der Fanmeile ("so etwas hab ich noch nie erlebt") hielt sich der 57-Jährige bewusst im Hintergrund. Was er zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Stunden später sollte er selber in den Mittelpunkt rücken.

Nachdem Bunz von der Hauptstadt mit dem Flugzeug weiter nach Stuttgart geflogen war, stand am Abend der Besuch bei seiner Mutter in Merklingen auf dem Programm. "Ich dachte, ich komme vorbei und trinke eine Tasse Kaffee mit ihr." Doch weit gefehlt: Als Bunz mit dem Auto um die Ecke bog, traute er seinen Augen kaum - eigens für ihn hatte eine Freundin der Familie auf die Schnelle ein kleines Fest vorbereitet: Freunde, Nachbarn und Bekannte waren gekommen, ebenso die Nachwuchskicker der Merklinger E-Jugend samt ihren Trainern. Und weil man eine Weile auf die Ankunft des Weltmeisters warten musste, gesellten sich immer mehr Bewohner dazu. Einige Kinder hatten ein Transparent mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen Wolfgang - Weltmeister 2014" gemalt und es über das Gartentor gehängt.

"So sehen Sieger aus" sang es aus vielen Kehlen, als Bunz aus dem Auto stieg. Es wurde geklatscht und gejubelt. Erste Gratulantin war natürlich seine Mutter, danach nahmen die Merklinger "ihren Wolfgang" in Beschlag. Dieser musste auf Dutzenden Trikots unterschreiben, geduldig erfüllte Bunz auch jeden Fotowunsch. Die Überraschung war gelungen. Doch der Rummel um seine Person war ihm eigentlich gar nicht so recht. "Was soll ich sagen, ich habe keine Sprüche parat wie ein Thomas Müller", erklärte der 57-Jährige. Schließlich sei er auch "nichts Wichtiges" im großen Fußballzirkus. "Ich bin nur einer der Betreuer, die alle ihre Arbeit getan haben." Den Erfolg in Brasilien führt Bunz auf die geschlossene Mannschaftsleistung zurück. "Jeder im Team war sehr fokussiert und hat super trainiert." Die Spieler seien auf den Punkt topfit gewesen, sodass die Physiotherapeuten und Ärzte nur "wenige Probleme" gehabt hätten. "So, jetzt erzähle ich nichts mehr, das steht mir auch nicht zu", beendete Bunz seine kurze Ansprache.

Doch die Merklinger ließen nicht locker. Sie löcherten Wolfgang Bunz mit ihren Fragen: "Du, ich hab dich nach dem Finale mit Bastian Schweinsteiger gesehen. Über was habt ihr denn gesprochen?" - "Das weiß ich nicht mehr"; "Hast du auch eine Goldmedaille bekommen?" - "Nein, ich bekomme aber noch eine"; "Wie war die Stimmung nach dem 7:1 gegen Brasilien?" - "Da gab es keine Schadenfreude"; "Was kostete eine Karte fürs Finale?" - "Rund 700 Euro".

Noch lange wurde im Hof der Familie Bunz gefachsimpelt. Angesprochen wurden unter anderem die Sicherheitsvorkehrungen rund um das deutsche Lager in Campo Bahia ("dort war es traumhaft, und alle haben sich wie zu Hause gefühlt"), das Wiedersehen mit dem ehemaligen Teamchef Jürgen Klinsmann im letzten Vorrundenspiel oder die Leistungen der Schiedsrichter. Auch die klimatischen Bedingungen kamen zur Sprache. "Bei 30 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit wie in Belo Horizonte bist du nach zehn Minuten platt", verdeutlichte der Physiotherapeut. Die Spieler hätten regelrecht "geglüht" und mussten zur Pause mit Eistüchern und Fußbädern gekühlt werden. Bunz diskutierte mit, gab aber keine Interna aus dem Mannschaftskreis preis. So etwas liegt ihm fern. Schließlich sei er nur ein kleines Rädchen im Getriebe, wie Bunz immer wieder betonte.

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