Mehr Zeit für gleichen Stoff

Schulleiter Hermann Persch ist zufrieden, der Vorsitzende des Elternbeirats ebenso: Vier Klassen des Albert-Schweitzer-Gymnasiums werden ab kommenden Schuljahr wieder in neun Jahren zum Abitur geführt.

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Am Albert-Schweitzer-Gymnasium geht es künftig wieder einheitlich in neun Jahren zum schriftlichen Abitur. Foto: Archiv

"Ich freue mich darüber, dass ab dem kommenden Schuljahr alle vier Klassen mit G 9 zum Abitur gebracht werden." Der Vorsitzende des Elternbeirats am Albert-Schweitzer-Gymnasium, Simon Wiedemer, ist froh über die entsprechende Entscheidung des baden-württembergischen Kultusministeriums, die am Dienstag bekannt wurde (wir berichteten). Denn für Wiedemer ist wichtig und richtig, dass Schüler - vor allem in der Oberstufe - künftig wieder mehr Zeit für Aktivitäten außerhalb des Lehrplans haben. Denn durch das G 9 haben die Schüler ein Jahr mehr Zeit für den selben Stoff, die Wochenstundenzahl sinkt (siehe Infokasten). Dadurch bleibe mehr Zeit, etwa für die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften wie einer Theater AG oder die Mitarbeit bei einer Schülerzeitung oder der Schülermitverantwortung. "Das kommt der ganzen Schule zugute", findet Wiedemer.

Das Laichinger Gymnasium ist das einzige im Regierungspräsidium Tübingen, das im Schuljahr 2012/13 alle vier Klassen in neun Jahren zum Abitur führen wird. Landesweit sind es sieben Schulen, die komplett zum G 9 zurückkehren. Elf Laichinger Elternpaare wollten für ihre Kinder den G 8-Zug. Da aber für das Zustandekommen einer Klasse mindestens 16 Schüler nötig sind, verschickte Schulleiter Hermann Persch einen Brief an alle Eltern, die das G 9 für ihr Kind gewählt hatten. Darin fragte er, ob für sie ein Wechsel zu G 8 infrage käme. Niemand wollte. Daraufhin rief Persch bei jenen elf Eltern an, die ihr Kind für G 8 angemeldet hatten und versuchte, ihnen G 9 schmackhaft zu machen. Das gelang außer in drei Fällen. Dass damit für September 91 Schüler angemeldet waren, führte dazu, dass es vier relativ kleine fünfte Klassen in Laichingen geben wird: Der Klassenteiler setzt bei 91 Schülern ein.

Persch sagt, er sei kein Befürworter des G 8. Daher habe er sich auch darum bemüht, die Schüler seines Gymnasiums wieder in neun Jahren zum Abitur führen zu dürfen. "Mit dem G 8 machen Jugendliche teilweise schon mit 17 das Abitur. Sie sind noch nicht einmal volljährig, wenn sie ein Studium beginnen", sagt Persch. Dies auch deshalb, weil die Zeit, die junge Männer früher nach der Schule bei der Bundeswehr oder im Zivildienst verbracht haben, weggefallen ist. Bedenke man, dass der Renteneintritt vielleicht bald schon bei 70 Jahren liege, hätten die Schüler doch "ein sehr, sehr langes Berufsleben".

So sehr sich der Elternbeiratsvorsitzende Wiedemer darüber freut, dass die Kinder in Laichingen wieder nach neun Jahren Schule Abi machen können, so sehr ärgert er sich über die Politik. "Die Entscheidung, dass mit der Wiedereinführung von G 9 das erst eingeführte G 8 umgebogen wird, kann ich nicht nachvollziehen." Um Schlüsse über Erfolg oder Misserfolg des G 8 ziehen zu können, hätte man dessen Entwicklung länger beobachten. Das müsse nun an anderen Gymnasien im Land getan werden. Doch auch für Laichingen kann sich alles wieder ändern: Zum Schuljahr 2013/2014 werden die Eltern künftiger Gymnasiasten erneut befragt, ob sie G 8 oder G 9 für ihre Kinder wünschen.

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